Wunden der Stadtplanung

Mir war das Viertel von Anfang ein Dorn im Auge. Wenn wir ab und zu nach Downtown müssen, dann führt unser Weg durch South of Market (SOMA). Als Fahrradfahrer ist das kein Spaß, denn die Gegend wird durchzogen von drei- bis vierspurigen Einbahnstraßen; Autos fahren dementsprechend schneller und mit dem Fahrrad ist abbiegen im fließenden Verkehr fast unmöglich.

Auch als Fußgänger kann man nicht so viel Schönes entdecken. Die Straßen sind gesäumt von flachen Häusern, die irgendwelchen Lagerzwecken dienen könnten, und Hochhäusern, die eine langweilige Mischung aus Glas und Beton darstellen. Dazwischen ducken sich ein paar Kneipen, die aber nicht wirklich einladend aussehen. Man hat nicht das Gefühl, dass hier jemand lebt. Neben den Leuten, die hier ihren Geschäften nachgehen, kommen wohl die meisten in dieses Viertel, um das San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA), das Yerba Buena Art Center oder das Moscone Kongresszentrum zu besuchen.

Diese recht klägliche Situation lässt sich erklären: In den 70er Jahren fand hier eine Neugestaltung (Redevelopment) statt. Die Stadtplaner sahen es als sinnvoll und lohnend an, die hier lebenden Arbeiter, Händler und sonstigen kleinen Leuten zwischen bescheidenen Hotels und Restaurants in die Randgebiete im Süden zu verpflanzen, um ein modernes, kommerzielles Zentrum zu entwickeln. Mir scheint, die Stadtentwicklung hat aus einem etwas zwielichtigen aber belebten Ort ab den 70ern einen ähnlich zwielichtigen nun aber auch recht toten Ort gemacht.

Solche Art von Redevelopment gab es im Übrigen etwas früher auch schon an anderer Stelle. Im Fillmore-Viertel (rund um die Fillmore Street) siedelten sich um die Jahrhundertwende nach und nach japanische Immigranten an. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurden diese aber als Feinde in Internierungslager gebracht. Mit dem Kriegseintritt der USA erhöhte sich die Nachfrage nach Arbeitskräften drastisch, um in den Werften rund um die Bay Kriegsschiffe und U-Boote zu fertigen. Der Leerstand in Fillmore wurde somit recht schnell durch afro-amerikanische Familien, die aus dem Süden kommend Arbeit in der Rüstungsindustrie fanden, wieder aufgehoben. Fillmore entwickelte sich kulturell. In den vielen Nachtclubs beispielsweise traten in den 50er und 60er sämtliche Jazzgrößen auf.  San Francisco wurde zum Harlem des Westens. Das Redevelopment hat auch hier eher eine steinerne Wüste hinterlassen.

Im SOMA hat sich jedenfalls Widerstand in Form von Bürgerinitiativen gegen die Umsiedlung der Bewohner und die Neugestaltung  gebildet. Ein Ergebnis des Widerstands besteht noch heute. Ein paar verbliebene Bewohner konnten zwischen dem Beton etwas Raum für einen kleinen Garten retten. Es ist nicht übertrieben von einer Oase zu sprechen: Es ist kaum Straßenlärm zu hören. Das Grün der Natur in den Beeten setzt sich gegen die umliegenden Hochbauten ab. Mitten drin befinden sich Sitzgelegenheiten in der Sonne und die Pflanzen werden von älteren Menschen umsorgt. Es scheint, sie sind zufrieden und vergessen die Umgebung, solange sie jeden Tag die Möglichkeit haben, ihren Garten zu sehen.

Alice Street Community Garden, Lapu Lapu Street (between 3rd & 4th Streets and Folsom & Harrison), San Francisco, CA 94103.

Twin Peaks

Hier ein paar Fotos von unserem Fahrrad-Ausflug nach Twin Peaks heute Nachmittag. Mit Twin Peaks sind die zwei Hügel gemeint, die uns genau gegenüber liegen. Jeden Morgen und Abend, wenn wir auf dem Balkon stehen, können wir hinüberwinken. Heute wollten wir uns das Ganze mal von der anderen Seite aus ansehen.

Der Weg nach oben lässt sich mit einer Tour den Königsstuhl in Heidelberg hinauf vergleichen. Es geht etwa eine halbe Stunde stetig bergauf. Und dann biegen wir plötzlich um eine Kurve und die 49 Quadratmeilen große Stadt erstreckt sich unter uns. Phänomenal. Der Rundumblick über die Stadt und die Bucht entschädigt sofort für alle Anstrengung.

Hier drei Bilder von Osten nach Westen: erst San Francisco Downtown, dann Russian Hill und Pacific Heights und zum Schluss der Blick über den Presidio mit der Golden Gate Bridge, die hinüber nach Marin County führt.

Und hier nochmal die beiden Seiten. Unser Hügel von Twin Peaks aus gesehen im Nachmittagslicht, nachdem wir etwa eineinhalb Stunden unterwegs waren. Und dann, Twin Peaks von unserem Hügel aus gesehen in der Dämmerung.

Es war kaum Verkehr in der Stadt, da alle Familien beim Thanksgiving-Truthahn zusammensaßen. So konnten wir gemütlich radeln und hatten zudem immer mal wieder den Duft von frischem Brathuhn in der Nase. Außerdem haben wir einige Menschen gesehen, die mit Tupperdosen, Töpfen und Weinflaschen beladen durch die Straßen liefen. Unsere Nachbarin S hatte ihre Familie zu Gast und so sind auch wir in den Genuss des traditionellen Nachtischs ihrer Mutter gekommen: Pumkin Pie, ein süßer Kürbiskuchen. Sehr lecker.

Wie wir hier einkaufen Teil 1: Der Supermarkt

Der Supermarkt, der für uns am nächsten liegt, ist ein WholeFoods Market. Frei übersetzt bedeutet der Name in etwa „Vollwertige Lebensmittel“. Das ist eine Kette relativ kleiner Supermärkte mit einem großen Angebot an biologischen Lebensmitteln. Es ist definitiv nicht der Durchschnittssupermarkt der Amerikaner, insofern kann ich hier keine weiteren Klischees bedienen. Für uns ist er aus vier Gründen unser erster Anlaufpunkt: Er ist nah, hat Bioprodukte, es gibt Fahrradparkplätze und viele Sachen, die aus der Region kommen.

Auffällig ist, dass man viele Sachen aus Europa findet. Nicht nur Käse aus Frankreich oder Pasta von De Checco sondern auch Wasser aus Deutschland: Gerolsteiner Mineralwasser. Evian gibt es übrigens auch. Die schippern Wasser aus Europa an die Westküste, es ist kaum zu glauben. Zudem gibt es eine wahnwitzige Palette an importiertem Bier und Wein. Grüner Veltiner aus Österreich gefällig? Kein Problem. Absurd, wenn man überlegt, dass mit Sonoma und Napa zwei großartige Weingebiete nur etwa eine Autostunde entfernt liegen. Allein am Anteil der importierten, konventionellen Produkte sieht man, dass nicht das ganze Angebot aus Bio-Ware besteht und nur zu einem kleinen Teil wirklich regional ist.

Nicht nur bei WholeFoods, sondern auch bei anderen Supermärkten hier, findet sich eine Abteilung mit loser Ware. Das habe ich so noch in keinem Land gesehen. Oben im Artikelbild sieht man die Boxen mit Getreidekörnern, Mehlen, getrockneten Früchten, Nüssen, Samen. Manchmal gibt es auch lose Tees, Kräuter und Gewürze zum Selbstabwiegen, was sehr praktisch ist, wenn man wie wir das alles irgendwann auch aufessen muss. Den Boxeninhalt schaufelt man sich aus den Containern in kleine Tüten und bezahlt nach Gewicht. Auf diese Art und Weise kommen wir günstig zu unserem Roggenmehl, zu Haferflocken, gemahlenen Mandeln und Pekannüssen. Außerdem gibt es in manchen Märkten Mühlen für Erdnussbutter und Mandelbutter, die man sich selbst frisch quetschen und abfüllen kann.

WholeFoods bietet nur „natürliche“ Produkte an und definiert das nach eigenen Kriterien: ohne künstliche Aromen, frei von Farbstoffen, Süßungsmitteln und Konservierungsmitteln. Damit ist das Angebot deutlich abseits von typisch amerikanischen Produkten und relativ hochpreisig. Ich habe Bewertungen gelesen, in denen WholeFoods auch als „whole paycheck“ also „volles Gehalt“ verspottet wird. Das kann man gut dort ausgeben, denn die Preise liegen deutlich über denen in Deutschland. Aber das wundert niemanden, oder? (Nicht weil es in Amerika zu teuer, sondern eher weil es in Deutschland zu billig ist.) Wir geben pro Woche etwa 80 Dollar aus und kaufen vor allem Pasta, Käse und Wurst, Mehl und andere Backzutaten, Saft, Milch, manchmal Limo, Obst, Eis und Snacks. Gemüse kaufen wir kaum, da wir dies in unserer Gemüsekiste bekommen. Darüber dann nächste Woche mehr.

Zitronenkuchen

Als nachträglichen Geburtstagskuchen hatte sich M einen Zitronenkuchen gewünscht. Und da mein Rezept zu Hause im Ordner schlummert und ich die Mitbewohnerin nicht aufscheuchen wollte, habe ich abermals auf meine virtuelle Bibliothek der Kochblogs zurückgegriffen.  Ich wollte den Kuchen gerne mit Zitronenzesten dekorieren. Diese sind mir beim letzten Versuch jedoch binnen weniger Stunden ziemlich unansehnlich zusammengetrocknet. Claudias Idee, die Zesten in Zuckersirup zu kochen und erst dann über den Kuchen zu geben, hat mich überzeugt. Selbst ohne Kühlung halten die Zesten so prima über 2-3 Tage ihre Farbe und Feuchtigkeit. Deswegen habe ich ihr Rezept mit einigen Abwandlungen übernommen.

Mein Kuchen benötigt mindestens zwei, besser drei oder vier Zitronen, da M einen Kuchen wollte, der mit Zitronensaft getränkt ist und an einigen Stellen schön matschig ist. Obwohl ich das schon mehrfach probiert habe, ist es mir auch diesmal nicht gelungen, den Saft wirklich in den Kuchen zu bekommen. Mehr als die obere Schicht kriege ich irgendwie nie durchfeuchtet. Für mich wars nicht schade drum und er hat ihn trotzdem gegessen.

Und immer, wenn ich Zitronen oder auch Orangen abreiben muss, bearbeite ich diese zuvor mit heißem Wasser und Spüli egal ob bio oder konventionell, behandelt oder unbehandelt. Dabei muss ich jedes Mal an meine Freundin P denken, die mir das vor Jahren mal beim gemeinsamen Weihnachtsplätzchenbacken gezeigt hat. Ihre bestechende Argumentation: „Deine Teller wäschst du ja auch damit und isst hinterher davon.“

(@P: Sollen wir dieses Jahr ein virtuelles gemeinsames Backen machen? Du zu Hause und ich hier? Sag mal Bescheid!)

Zutaten:
für eine Springform (26cm)  oder eine Kastenform

Für die glasierten Zesten:
Schale einer Zitrone
50 ml Wasser
50 g Zucker

Für den Teig:
150 ml Öl
220 g Zucker
4 Eier
Saft von 1.5 Zitronen
abgeriebene Schale von 1 Zitrone
1 TL Backpulver (1/2 TL Baking Soda, 1 TL Cream of Tartar)
1/2 TL Salz
50 g gemahlene Mandeln
300 g Mehl

Für die Glasur:
Saft einer Zitrone
100-150 g Puderzucker

1. Für die Glasur und die abgeriebene Schale im Teig, die Zitronen zunächst mit Spüli und Wasser gut waschen, eine Zitrone mit dem Sparschäler schälen und die Schalenstücke dann in dünne Streifen schneiden. Die zweite Zitrone mit der Reibe bearbeiten und die abgeriebene Schale für den Teig zur Seite stellen.

2. Zitronenstreifen mit Wasser und Zucker kurz aufkochen lassen, leicht auskühlen lassen.

3. Dann beide Zitronen halbieren. Wenn nur zwei Zitronen da sind, dann eine für den Teig und eine für die Glasur auspressen. Wenn mehr da sind, eineinhalb bis zwei für den Teig und nochmal so viele für die Glasur auspressen.

4. Backofen auf 180°C (360°C) vorheizen.

5. Backpapier in den Boden einer Springform einspannen und Ränder ölen. Hätte ich eine Kastenform gehabt, hätte ich diese genommen und gefettet.

6. Zuerst in einer Schüssel die trockenen Zutaten abwiegen und mischen: Mehl, gemahlene Mandeln, Salz und Backpulver.

7. Nun in einer größeren Schüssel die feuchten Zutaten mischen. Dafür Eier und Zucker schaumig schlagen, dann das Öl hinzufügen. Zitronensaft und geriebene Schale zufügen.

8. Trockene zu den feuchten Zutaten geben und nur so lange rühren, bis die Zutaten sich gut zu einem Teig vermischt haben.

9. In die Backform füllen und ca. 45 Minuten backen. Bei mir in der Springform hat der Kuchen fast eine Stunde gebraucht. Mit einem Holzstäbchen einstechen und testen, ob kein Teig kleben bleibt. Dann ist er fertig.

10. Kuchen in der Form kurz auskühlen lassen, dann mit einer Gabel einstechen und tränken. Ich habe dazu die Zesten aus dem Sirup gefischt, den mit dem Saft einer halben Zitrone gestreckt und diese Mischung über den Teig gegeben.

11. Anschließend Glasur zusammenrühren über den Kuchen geben und mit den glasierten Zesten verzieren. Die Gramm-Angaben oben sind für eine dicke weiße Glasur, ich habe weniger Puderzucker verwendet, weil ich die Glasur ein bisschen dünner wollte.

12. Fertig auskühlen lassen und aufessen.

Das San Francisco Art Institute

Ein Ruhepunkt mitten in der Stadt. Das San Francisco Art Institute (SFAI) liegt im Stadtteil Russian Hill, zwischen dem Trubel der italienischen Restaurants, den Schlangenkurven der Lombard Street und dem Fishermans Wharf. Es ist seit 1871 die öffentliche Kunsthochschule der Stadt. Das Gebäude erinnert von seiner Fassade und dem innenliegenden Arkadengang mit Springbrunnen an ein Landhaus in der Toskana. Sobald wir durch das Tor in den Innenhof treten, verliert die Außenwelt an Bedeutung. Darin hat das SFAI einiges mit einem klassischen Klosterbau gemeinsam.

Wir waren eigentlich wegen des berühmten Frescos von Diego Rivera hingegangen. Dieses stellt Arbeiter auf einem Holzgerüst dar, die an einer Maschine und dem Fresco selbst arbeiten. Es nimmt eine ganze Wandseite eines großen, galerieartigen Raumes ein, in dem sich noch weitere Ausstellungsstücke befinden.

Schnell fanden wir jedoch viel spannendere Ecken als das Fresco. Unten im Keller sind die Werkstätten für Gips- und Holzarbeiten, gleich daneben die Ateliers für die Malerinnen und Maler. Mehrere Studierende teilen sich den Raum, eng stehen Staffelein, Farbtöpfe und Leinwände beieinander. Im letzten Atelier sind mit langen, weißen Vorhängen kleine Separées abgetrennt. Eine Kaffeetasse, kleine persönliche Gegenstände oder sorgfältig bereitgelegte Arbeitsmaterialien vermitteln den Eindruck von kleinen Künstlerbüros. Man kann einfach den Vorhang hinter sich zuziehen und niemand schaut einem beim eigenen Schaffen über die Schulter.

Im Erdgeschoss sind die Räume der Fotografen und Zeichensäle. Ein Podest mit Kissen und der Raumplan an der Tür weisen darauf hin, dass hier die Aktzeichnungen unterrichtet werden. Die Wände zwischen den einzelnen Lehrräumen zieren immer wieder Kunstwerke oder kleine Ausstellungen. Bei den Fotografen hing beispielsweise eine Bilderstrecke mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen eines Fahrrad-Polo-Spiels.

Wir sind an einem Freitag Nachmittag durch das Gebäude gestromert. Die Türen standen offen. Und wir konnten überall neugierig reinlinsen. Die machen hier Kunst. Vielleicht hat der Ort deswegen diese besondere Atmosphäre, ruhig und anregend zu gleich. Auf dem Dach des Gebäudes finden sich große Flächen, Bänke, Treppen zum Sitzen, Reden und über die Stadt schauen. Die Cafeteria verkauft Kaffee auch an Nicht-Studis wie uns. Wir nehmen uns zwei Becher, setzen uns ans Fenster und schauen über die Stadt. Die haben es ziemlich gut, die Kunststudis hier. Und wir auch.

Sheryl Sandberg: Lean In

Es war klar, dass ich das Buch auch noch lesen würde, oder? Lean In ist das erste Buch von Sheryl Sandberg, die eigentlich im Vorstand von Facebook ist und dort das operative Geschäft leitet. Im Buch diskutiert sie den Willen und die Möglichkeiten von Frauen, sich beruflich so richtig „reinzuhängen“. Das nämlich bedeutet der Titel auf deutsch.

Eine ihrer Thesen, die ich vorher so noch nicht gelesen hatte, ist, dass Frauen – bewusst und unbewusst – schon einen Gang zurückschalten, weil sie eventuell irgendwann einmal Kinder bekommen könnten. Das heißt, obwohl sie weder schwanger, noch verheiratet sind oder manchmal noch nicht einmal einen Freund haben, treffen sie berufliche Entscheidungen schon derart, dass ihre potenzielle spätere Familienarbeit damit zu vereinbaren wäre. Empirisch ist dieser Zusammenhang meines Wissens nach nicht belegt. Basierend auf Arbeitsmarktdaten dürfte das kausal auch schwierig zu machen sein – Schuld ist die unbeobachtbare Heterogenität, für die Insider unter uns.

Von dieser Hypothese abgesehen gibt das Buch einen netten Überblick über verschiedene falsche Abzweige, die Frauen bei ihrem beruflichen Aufstieg immer wieder nehmen. Sie erläutert, weswegen zwar so viele Frauen am Fuß des Berges starten, aber so wenige oben ankommen. Für jemanden wie mich, der sich jahrelang in der Bildungs- und Arbeitsmarktforschung rumgetrieben hat und die gängigen Aussagen kennt – Mächen machen die besseren Abschlüsse, Frauen sind untereinander zu selten solidarisch, sie nehmen ihre Partner zu wenig in die Verantwortung – lernt man beim Lesen wenig hinzu.

Was nicht heißt, dass es ein schlechtes Buch ist. Das heißt nur, ich hatte mir mehr Einblicke von der „dunklen Seite der Macht“ gewünscht – zum Beispiel in Anekdoten, lessons learned oder von mir aus auch Ratschläge. Davon beinhaltet das Buch zwar ein paar, für die ich aber in jedem Kapitel einige Seiten an Forschungsergebnissen hinter mir lassen musste. Ich selbst hätte daher von einer reinen Biographie wahrscheinlich mehr gehabt.

Es war das erste Ebook, das ich auf meinem Telefon gelesen habe. Ging gut.

Sheryl Sandberg (2013):  Lean In – Women, Work and the Will to Lead, Alfred A. Knopf (Random House), Copyright Lean In Foundation.

Wochenrückblick (#11)

|Gesehen| Blade Runner, The Help, Downton Abbey (2. Staffel)
|Gelesen| Tina Fey: Bossypants (gehört), Rebecca Solnit: Infinite City
|Getan| Spaziergang im Dogpatch, die Filmore Street erkundet, in Haight-Ashbury gewesen, das Civic Center und die City Hall erkundet, ausgiebiges Sonntagsfrühstück mit C, weiterhin ein bisschen Yoga und Pilates
|Gegessen| Kartoffelsuppe mit Kerbel, Kartoffel-Gemüse-Pfanne, Pasta mit Tomatensauce, Gebratener Butternuss-Kürbis mit Chorizo und Mangold, auf den Kopf gestellter Cranberry-Kuchen, Cheeseburger bei Naked Lunch, Kaffee im Farley’s
|Gedacht| Dienstag und Mittwoch waren die ersten Tage, an denen es geregnet hat. Die ersten Tage, seit wir hier sind!
|Gefreut| über den rumgedrehten Kuchen, der nach dem dritten Versuch endlich gelungen ist (Rezept kommt noch)
|Gelacht| beim Sockenfußball im Flur
|Geärgert| über die Waschmaschine, die unsere Sachen teilweise sehr rauh behandelt
|Gekauft| nix
|Geklickt|  Seite der SF Bücherei, um Nachschub an Büchern, Audiobooks und DVDs zu ordern

Wie es ist, nicht zu arbeiten

Mehr als sechs Wochen ist mein letzter offizieller Arbeitstag inzwischen her. Zuvor lagen noch einmal so viele Wochen Resturlaub. Zeit, darüber zu berichten, was ich so treibe und wie es sich so anfühlt ohne Job zu sein.

Arbeitslos bin ich nicht, zumindest nicht im Sinne der deutschen Behörden. Mit meinem Aufenthalt hier gelte ich nicht als arbeitssuchend, ich könnte ja auch gar keine Arbeit in Deutschland suchen, Vorstellungstermine wahrnehmen oder mich bei der Agentur melden. Damit erhalte ich auch keine Arbeitslosenunterstützung. Rein statistisch zähle ich zu den Nichterwerbspersonen, also Menschen im arbeitsfähigen Alter, die aber nicht am Arbeitsmarkt aktiv sind. Um es vorweg zu nehmen: bisher komme ich ganz gut damit klar.

Um mit M mitgehen zu können, musste ich meinen Vertrag auslaufen lassen. Trotz allem Entgegenkommen meines Arbeitgebers und einem erneuten Verlängerungsangebot, wäre es nicht möglich gewesen, fünf Monate am Stück vom anderen Ende der Welt aus zu arbeiten. Das passte zu meinem Gefühl, dass meine Zeit in der Wissenschaft fürs Erste zu Ende ist. Geahnt hatte ich das schon eine Weile, aber seit unsere Pläne konkreter wurden, habe ich daran nicht mehr gezweifelt.  Meine Talente liegen woanders und ich brauche ein Umfeld, wo ich sie einsetzen und weiterentwickeln kann. Ich nahm das Ende meines Vertrags zum Anlass, den Absprung aus der Wissenschaft zu wagen. Und, bisher fehlt sie mir nicht.

Der erste Monat, September, war geprägt von Orga. Ausstand, Reisevorbereitungen, Flug, Ankunft, Wohnungssuche, Wohnungsüberbrückung, die Tage am Meer und Einzug in unser jetziges Appartment. Im Oktober kamen dann alle weiteren Dinge hinzu, die es zum Heimischwerden in der neuen Stadt braucht: Konto, Mobilfunkvertrag, Einkäufe für die Wohnung, in der neuen Stadt umherlaufen, die Heimat auf Zeit kennenlernen. Sich bei allen lieben Menschen melden, die zu Hause sind und uns gut aufgehoben wissen wollen. Es war keine Arbeit, aber Urlaub war es auch nicht. Rückblickend kam mir alles wie eine lange To-Do-Liste vor. Beim Aufstehen morgens musste ich nur noch überlegen, welche Punkte ich heute in Angriff nehmen will. Sport ist im November dazu gekommen. Nicht weit von unserem Haus gibt es eine öffentliche Sportstätte, in der mittwochs bis freitags verschiedene Kurse von Fitness über Pilates bis hin zu Yoga angeboten werden. Durch die probiere ich mich gerade durch.

Die größte Veränderung ist, dass mir der – nennen wir ihn mal –  „Achtstundenblock“ zur Strukturierung des Tages fehlt. Als ich noch morgens ins Büro und abends nach Hause ging, konnte ich tagsüber nur sehr sporadisch andere Dinge erledigen oder Termine wahrnehmen. Daraus ergab sich eine irgendwie natürliche Priorisierung. Erst Arbeiten und in der Zeit, die übrigbleibt, Lebensorga und Freizeit. Das war schon in der Schule so, auch das Studium war ein Vollzeitjob und die Diss sowieso. Nur jetzt ist alles anders.

Plötzlich fehlt der Achtstundenblock und mit ihm diese Priorisierung. Die Lebensorga konnte einen viel größeren Raum einnehmen. Zusammen mit der neuen Umgebung führte das dazu, dass ich einfach mehr Zeit aufwenden konnte (und teilweise musste), für die alltäglichen Dinge wie Lebensmittel einkaufen, kochen, backen, waschen. Zum anderen, habe ich manche Dinge auch deutlich intensiviert, M würde vielleicht sagen verkompliziert. Ich konnte auf Craigslist – dem Ebay von San Francisco – einfach so lange nach Mixern suchen, bis ich mein Wunschgerät gefunden hatte. Ich konnte anfangen, Brot zu backen, anstatt es zu kaufen. Ich konnte jede Woche einen Kuchen oder Kekse backen. Ich kann online vorher Bewertungen für die „besten Adressen, um in San Francisco ein Kleid zu kaufen“ recherchieren, anstatt mich einfach in den Bus zu setzen, und in die Stadt zu fahren.

(Einschub: Im Nachhinein stellte sich das als viel einfacher heraus. Ich war nämlich tatsächlich erst einmal in die Stadt gefahren, um Macy’s, Bloomingdale’s & Co. einen Besuch abzustatten. Die Kleiderabteilungen kann man sich ungefähr vorstellen, wie die im Peek & Cloppenburg, nur dreimal so groß und fünfmal so plüschig. Und ich war da völlig falsch. Bei dem bei Yelp gefundenen Laden hingegen, handelte es sich um ein wirklich gut sortiertes, kleines Geschäft im mittleren Preissegment, wo sich Laura aufmerksam, aber nicht aufdringlich, meiner annahm.)

Hauptsächlich nutze ich die Zeit momentan also tatsächlich anders. Die BWLerin in mir stellte letzte Woche fest, dass ich die Fertigungstiefe deutlich erhöht habe. In unserem Vorratsschrank und Kühlschrank finden sich momentan ziemlich viele Produkte, auf deren Zutatenliste nur ein Bestandteil steht. Rohstoffe sozusagen. Mehl, Bohnen, Reis, Kartoffeln, Gemüse. Und die werden vorbereitet, gekocht, gerührt, gemixt, gebraten und dann irgendwann zu Mittag oder Abend gegessen. Das dauert nicht zwingend länger, als mit fertigen (Vor-)Produkten. Ist halt einfach ein bisschen komplexer und braucht manchmal ein wenig mehr Vorlauf. Und ersthaft, gerade genieße ich das. Deswegen gibt es hier auch ständig Rezepte zu lesen. Ich fröhne meinem Dasein als Hausfrau.

Das Blog kriegt auch ein paar Stunden in der Woche ab, Fotos sortieren, verkleinern, hochladen einbinden, Texte schreiben, manchmal hier und da was an den Titelbildern oder der Struktur schrauben. Wie stellte Bodo letztens so treffend fest:

Ich merke schon, jetzt wo das Grundgeruest des Blogs steht, geht das Blogschreiben etwas schneller. Dennoch bin ich beeindruckt von den vielen teilweise zeitintensiven Schritten, bis so ein Eintrag steht. Erst muessen all die (viel zu vielen) Fotos auf der Kamera gesichtet und dort bereits schlechte Schnappschuesse geloescht werden. Dann folgt die Auswahl der Bilder, von denen es dann auch nur eine zweite Auswahl in den Blog gibt. Diese Fotos muessen dann hochgeladen, zum Teil gedreht, skaliert, zentriert und natuerlich beschriftet werden.

Außerdem stehen Bücher und Filme gerade hoch im Kurs, weil es inzwischen abends früher dunkel wird. Und natürlich immer wieder Erkundungen. In der Stadt, raus aus der Stadt, um die Stadt herum.

Erst jetzt, nach fast drei Monaten nicht arbeiten, fühlt es sich nach einer Pause an. Nach einem Wochenende, das nicht endet. Oder auch wie Urlaub. So langsam entspannt sich mein Gehirn von der Vorstellung, jeden Tag etwas schaffen und einen Punkt auf der To-Do-Liste abhaken zu müssen. Eigentlich eine sehr schöne Zeit gerade. Um den Umzug muss ich mich nicht mehr kümmern. Um die Zukunft muss ich mich noch nicht kümmern.

Ich war jedoch erstaunt, wie lange es gedauert hat, bis ich in diesem Zustand ankam. Naja, wir sind zum ersten Mal zusammengezogen, dafür umgezogen und in einem anderen Land angekommen. Vielleicht konnte das nicht schneller gehen mit dem entspannten Loslassen.

Haferbrot

Dieses Brot ist ein dunkles Vollkornbrot, das aus einem Fehler beim Lesen des Rezepts entstanden ist. Da es uns gut geschmeckt hat und das Rezept offensichtlich trotz des Fehlers funktioniert, möchte ich es gerne festhalten. Für die Fotos blieb nur das letzte Eckchen, ich hatte das Brot in der Springform gebacken und anschließend geviertelt.

Eigentlich wollte ich das 70-Prozent-Roggenbrot mit Weizenvollkornmehl aus dem Buch von Jeffrey Hamelman backen. Das Rezept steht auf den Seiten 237 bis 238. Doch mittendrin habe ich einfach auf der falschen Buchseite weitergemacht. Anstatt auf 238 umzublättern habe ich auf der gegenüberliegenden Buchseite 236 weitergelesen, und mich damit an die Anleitung für das 80-Prozent-Roggenbrot gehalten. Blöder Fehler. Mitbekommen habe ich das allerdings erst, als das Brot fertig gebacken war. Mein Brot ist jetzt also eine Mischung aus beiden Rezepten. Und da 235-236-Brot ein komischer Name war und ich, statt des im Rezept angegebenen Roggenschrots, geschnittene Haferkörner (steel-cut oats) und zur Deko Haferflocken verwendet habe, nenne ich es einfach Haferbrot.

Da ich mittlerweile quasi „unter der Backofendecke backe“, so dass gerade noch genug Platz zum Aufgehen bleibt, diesmal ohne verkohlten Boden.

Zutaten:
für ein großes Brot (gebacken in einer 26 cm Springform)

Vorteig:
318g Roggenmehl (11.2 oz)
255g Wasser (9.0 oz)
17g gereifter Roggensauerteig-Ansatz (0.6 oz, 2 EL)

Quellstück:
318g Roggenschrot (11.2 oz)
318g kochendes Wasser (11.2 oz)
5.7g Salz (0.2 oz, 1 TL)

Hauptteig:
227g Roggenmehl (8 oz)
181g Weizenmehl mit hohem Glutengehalt (6.4 oz)
264g Wasser (9.3 oz)
5g Trockenhefe (0.16 oz, 1.5 TL)
Quellstück
Vorteig
Haferflocken für die Form und zum Bestreuen

Zubereitung:
1. Für den Vorteig alle Zutaten in einer Schüssel miteinander verrühren, abdecken und bei Zimmertemperatur (21°C) 14-16 Stunden gehen lassen.

2. Gleichzeitig das Quellstück ansetzen. Dazu das kochende Wasser über das Roggenschrot und das Salz gießen, gut durchmischen und noch heiß mit Klarsichtfolie oder einem Deckel abdecken, um Wasserverlust zu verhindern. Bei Zimmertemperatur so lange stehen lassen wie den Vorteig.

3. Hauptteigzutaten, Vorteig und Quellstück in der Küchenmaschine oder mit Hand zu einem weichen Teig zusammenkneten. In der Küchenmaschine dauert das ungefähr 3 Minuten, mit Hand 5-8 Minuten. Der Teig wird relativ weich und klebrig sein, da sich aufgrund des geringen Anteils an Weizenmehl kaum ein Glutengerüst ausbildet.

4. Den Teig 30 Minuten gehen lassen. In der Zwischenzeit den Boden einer Springform mit Backpapier auslegen, Springform-Rand einsetzen, den Rand mit einem neutralen Öl (z.B. Distelöl) leicht ölen und den Backpapierboden mit Haferflocken bestreuen.

5. Den Teig aus der Schüssel nehmen, grob formen und in die Springform geben. Oberseite mit Haferflocken bestreuen und diese mit beiden Händen leicht andrücken.

6. Teig in der Form 60 Minuten gehen lassen.

7. Backofen auf 280°C (530°F) vorheizen und Brot mittig (im Gasbackofen soweit oben wie möglich) einschieben und bedampfen. Temperatur nach 15 Minuten auf 230°C (450°F) reduzieren und das Brot 50-60 Minuten backen.

8. Brot etwa 24 Stunden lang auskühlen lassen und erst dann anschneiden. In zwei oder vier Teile geschnitten lässt es sich gut einfrieren.

Quelle: 80 Percent Sourdough Rye with a Rye-Flour Soaker und 70 Percent Rye with a Rye Soaker and Whole-Wheat Flour, Jeffrey Hamelman, Bread, 2nd edition, pp. 235-236 and 237-238.

Elizabeth Gilbert: Committed

Nach Kafka on the Shore hat mir meine Audiobuch-App nun dieses Buch vorgelesen. Committed ist – nach Eat Pray Love – das zweite Buch, das ich von Elizabeth Gilbert kenne. Ich hatte ich es aus Neugier ausgeliehen, ich wollte wissen, wie es mit ihr und dem Mann aus dem ersten Buch weitergeht. Die Autorin liest es selbst und erzählt dem Zuhörer sozusagen persönlich, welche Überlegungen sie anstellt, bevor sie sich entschließt, ihn und damit auch ein zweites Mal zu heiraten.

Das Buch ist, wie schon Eat Pray Love, keiner von Elisabeth Gilberts Romanen sondern ein Sachbuch. Mit offensichtlich der gleichen Zielgruppe wie der Bestseller: Frauen zwischen 25 und 65 auf Sinnsuche. Dazu zähle ich dann wohl auch. Nun ja, am besten nicht länger drüber nachdenken.

Sie beleuchtet die kulturgeschichtliche Bedeutung der Ehe in verschiedenen Epochen und Ländern. Das ist ganz nett, weil sie viele Seiten Sachliteratur auf unterhaltsame Art und Weise zusammenfasst und immer wieder zu ihrer eigenen Situation spiegelt. Aber – aufgrund des Themas – nicht so abwechslungsreich und vielfältig, wie es die Orts- und Personenbeschreibungen in Eat Pray Love waren. Da sie jedoch auch hier immer wieder von ihren eigenen Entscheidungen und Schwierigkeiten schreibt ist es tatsächlich ganz unterhaltsam. Und, ich mag ihren Humor einfach.

Über die Autorin war ich vor ein paar Jahren mal im Internet gestolpert, da sie auf einer der TED Konferenzen eingeladen war. Und ich fand ihren Vortrag unterhaltsam und lehrreich zugleich. Wenn ihr sie also mal hören wollt, ohne gleich zu Frauenselbsthilfeliteratur greifen zu müssen, und euch für Autoren und ihre Arbeit interessiert, sind das 20 gut investierte Minuten.

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Elizabeth Gilbert (2010): Committed – A Skeptic Makes Peace with Marriage, Unabridged Edition, Peguin Audiobooks.