Das San Francisco Art Institute

Ein Ruhepunkt mitten in der Stadt. Das San Francisco Art Institute (SFAI) liegt im Stadtteil Russian Hill, zwischen dem Trubel der italienischen Restaurants, den Schlangenkurven der Lombard Street und dem Fishermans Wharf. Es ist seit 1871 die öffentliche Kunsthochschule der Stadt. Das Gebäude erinnert von seiner Fassade und dem innenliegenden Arkadengang mit Springbrunnen an ein Landhaus in der Toskana. Sobald wir durch das Tor in den Innenhof treten, verliert die Außenwelt an Bedeutung. Darin hat das SFAI einiges mit einem klassischen Klosterbau gemeinsam.

Wir waren eigentlich wegen des berühmten Frescos von Diego Rivera hingegangen. Dieses stellt Arbeiter auf einem Holzgerüst dar, die an einer Maschine und dem Fresco selbst arbeiten. Es nimmt eine ganze Wandseite eines großen, galerieartigen Raumes ein, in dem sich noch weitere Ausstellungsstücke befinden.

Schnell fanden wir jedoch viel spannendere Ecken als das Fresco. Unten im Keller sind die Werkstätten für Gips- und Holzarbeiten, gleich daneben die Ateliers für die Malerinnen und Maler. Mehrere Studierende teilen sich den Raum, eng stehen Staffelein, Farbtöpfe und Leinwände beieinander. Im letzten Atelier sind mit langen, weißen Vorhängen kleine Separées abgetrennt. Eine Kaffeetasse, kleine persönliche Gegenstände oder sorgfältig bereitgelegte Arbeitsmaterialien vermitteln den Eindruck von kleinen Künstlerbüros. Man kann einfach den Vorhang hinter sich zuziehen und niemand schaut einem beim eigenen Schaffen über die Schulter.

Im Erdgeschoss sind die Räume der Fotografen und Zeichensäle. Ein Podest mit Kissen und der Raumplan an der Tür weisen darauf hin, dass hier die Aktzeichnungen unterrichtet werden. Die Wände zwischen den einzelnen Lehrräumen zieren immer wieder Kunstwerke oder kleine Ausstellungen. Bei den Fotografen hing beispielsweise eine Bilderstrecke mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen eines Fahrrad-Polo-Spiels.

Wir sind an einem Freitag Nachmittag durch das Gebäude gestromert. Die Türen standen offen. Und wir konnten überall neugierig reinlinsen. Die machen hier Kunst. Vielleicht hat der Ort deswegen diese besondere Atmosphäre, ruhig und anregend zu gleich. Auf dem Dach des Gebäudes finden sich große Flächen, Bänke, Treppen zum Sitzen, Reden und über die Stadt schauen. Die Cafeteria verkauft Kaffee auch an Nicht-Studis wie uns. Wir nehmen uns zwei Becher, setzen uns ans Fenster und schauen über die Stadt. Die haben es ziemlich gut, die Kunststudis hier. Und wir auch.

Sheryl Sandberg: Lean In

Es war klar, dass ich das Buch auch noch lesen würde, oder? Lean In ist das erste Buch von Sheryl Sandberg, die eigentlich im Vorstand von Facebook ist und dort das operative Geschäft leitet. Im Buch diskutiert sie den Willen und die Möglichkeiten von Frauen, sich beruflich so richtig „reinzuhängen“. Das nämlich bedeutet der Titel auf deutsch.

Eine ihrer Thesen, die ich vorher so noch nicht gelesen hatte, ist, dass Frauen – bewusst und unbewusst – schon einen Gang zurückschalten, weil sie eventuell irgendwann einmal Kinder bekommen könnten. Das heißt, obwohl sie weder schwanger, noch verheiratet sind oder manchmal noch nicht einmal einen Freund haben, treffen sie berufliche Entscheidungen schon derart, dass ihre potenzielle spätere Familienarbeit damit zu vereinbaren wäre. Empirisch ist dieser Zusammenhang meines Wissens nach nicht belegt. Basierend auf Arbeitsmarktdaten dürfte das kausal auch schwierig zu machen sein – Schuld ist die unbeobachtbare Heterogenität, für die Insider unter uns.

Von dieser Hypothese abgesehen gibt das Buch einen netten Überblick über verschiedene falsche Abzweige, die Frauen bei ihrem beruflichen Aufstieg immer wieder nehmen. Sie erläutert, weswegen zwar so viele Frauen am Fuß des Berges starten, aber so wenige oben ankommen. Für jemanden wie mich, der sich jahrelang in der Bildungs- und Arbeitsmarktforschung rumgetrieben hat und die gängigen Aussagen kennt – Mächen machen die besseren Abschlüsse, Frauen sind untereinander zu selten solidarisch, sie nehmen ihre Partner zu wenig in die Verantwortung – lernt man beim Lesen wenig hinzu.

Was nicht heißt, dass es ein schlechtes Buch ist. Das heißt nur, ich hatte mir mehr Einblicke von der „dunklen Seite der Macht“ gewünscht – zum Beispiel in Anekdoten, lessons learned oder von mir aus auch Ratschläge. Davon beinhaltet das Buch zwar ein paar, für die ich aber in jedem Kapitel einige Seiten an Forschungsergebnissen hinter mir lassen musste. Ich selbst hätte daher von einer reinen Biographie wahrscheinlich mehr gehabt.

Es war das erste Ebook, das ich auf meinem Telefon gelesen habe. Ging gut.

Sheryl Sandberg (2013):  Lean In – Women, Work and the Will to Lead, Alfred A. Knopf (Random House), Copyright Lean In Foundation.

Wochenrückblick (#11)

|Gesehen| Blade Runner, The Help, Downton Abbey (2. Staffel)
|Gelesen| Tina Fey: Bossypants (gehört), Rebecca Solnit: Infinite City
|Getan| Spaziergang im Dogpatch, die Filmore Street erkundet, in Haight-Ashbury gewesen, das Civic Center und die City Hall erkundet, ausgiebiges Sonntagsfrühstück mit C, weiterhin ein bisschen Yoga und Pilates
|Gegessen| Kartoffelsuppe mit Kerbel, Kartoffel-Gemüse-Pfanne, Pasta mit Tomatensauce, Gebratener Butternuss-Kürbis mit Chorizo und Mangold, auf den Kopf gestellter Cranberry-Kuchen, Cheeseburger bei Naked Lunch, Kaffee im Farley’s
|Gedacht| Dienstag und Mittwoch waren die ersten Tage, an denen es geregnet hat. Die ersten Tage, seit wir hier sind!
|Gefreut| über den rumgedrehten Kuchen, der nach dem dritten Versuch endlich gelungen ist (Rezept kommt noch)
|Gelacht| beim Sockenfußball im Flur
|Geärgert| über die Waschmaschine, die unsere Sachen teilweise sehr rauh behandelt
|Gekauft| nix
|Geklickt|  Seite der SF Bücherei, um Nachschub an Büchern, Audiobooks und DVDs zu ordern

Wie es ist, nicht zu arbeiten

Mehr als sechs Wochen ist mein letzter offizieller Arbeitstag inzwischen her. Zuvor lagen noch einmal so viele Wochen Resturlaub. Zeit, darüber zu berichten, was ich so treibe und wie es sich so anfühlt ohne Job zu sein.

Arbeitslos bin ich nicht, zumindest nicht im Sinne der deutschen Behörden. Mit meinem Aufenthalt hier gelte ich nicht als arbeitssuchend, ich könnte ja auch gar keine Arbeit in Deutschland suchen, Vorstellungstermine wahrnehmen oder mich bei der Agentur melden. Damit erhalte ich auch keine Arbeitslosenunterstützung. Rein statistisch zähle ich zu den Nichterwerbspersonen, also Menschen im arbeitsfähigen Alter, die aber nicht am Arbeitsmarkt aktiv sind. Um es vorweg zu nehmen: bisher komme ich ganz gut damit klar.

Um mit M mitgehen zu können, musste ich meinen Vertrag auslaufen lassen. Trotz allem Entgegenkommen meines Arbeitgebers und einem erneuten Verlängerungsangebot, wäre es nicht möglich gewesen, fünf Monate am Stück vom anderen Ende der Welt aus zu arbeiten. Das passte zu meinem Gefühl, dass meine Zeit in der Wissenschaft fürs Erste zu Ende ist. Geahnt hatte ich das schon eine Weile, aber seit unsere Pläne konkreter wurden, habe ich daran nicht mehr gezweifelt.  Meine Talente liegen woanders und ich brauche ein Umfeld, wo ich sie einsetzen und weiterentwickeln kann. Ich nahm das Ende meines Vertrags zum Anlass, den Absprung aus der Wissenschaft zu wagen. Und, bisher fehlt sie mir nicht.

Der erste Monat, September, war geprägt von Orga. Ausstand, Reisevorbereitungen, Flug, Ankunft, Wohnungssuche, Wohnungsüberbrückung, die Tage am Meer und Einzug in unser jetziges Appartment. Im Oktober kamen dann alle weiteren Dinge hinzu, die es zum Heimischwerden in der neuen Stadt braucht: Konto, Mobilfunkvertrag, Einkäufe für die Wohnung, in der neuen Stadt umherlaufen, die Heimat auf Zeit kennenlernen. Sich bei allen lieben Menschen melden, die zu Hause sind und uns gut aufgehoben wissen wollen. Es war keine Arbeit, aber Urlaub war es auch nicht. Rückblickend kam mir alles wie eine lange To-Do-Liste vor. Beim Aufstehen morgens musste ich nur noch überlegen, welche Punkte ich heute in Angriff nehmen will. Sport ist im November dazu gekommen. Nicht weit von unserem Haus gibt es eine öffentliche Sportstätte, in der mittwochs bis freitags verschiedene Kurse von Fitness über Pilates bis hin zu Yoga angeboten werden. Durch die probiere ich mich gerade durch.

Die größte Veränderung ist, dass mir der – nennen wir ihn mal –  „Achtstundenblock“ zur Strukturierung des Tages fehlt. Als ich noch morgens ins Büro und abends nach Hause ging, konnte ich tagsüber nur sehr sporadisch andere Dinge erledigen oder Termine wahrnehmen. Daraus ergab sich eine irgendwie natürliche Priorisierung. Erst Arbeiten und in der Zeit, die übrigbleibt, Lebensorga und Freizeit. Das war schon in der Schule so, auch das Studium war ein Vollzeitjob und die Diss sowieso. Nur jetzt ist alles anders.

Plötzlich fehlt der Achtstundenblock und mit ihm diese Priorisierung. Die Lebensorga konnte einen viel größeren Raum einnehmen. Zusammen mit der neuen Umgebung führte das dazu, dass ich einfach mehr Zeit aufwenden konnte (und teilweise musste), für die alltäglichen Dinge wie Lebensmittel einkaufen, kochen, backen, waschen. Zum anderen, habe ich manche Dinge auch deutlich intensiviert, M würde vielleicht sagen verkompliziert. Ich konnte auf Craigslist – dem Ebay von San Francisco – einfach so lange nach Mixern suchen, bis ich mein Wunschgerät gefunden hatte. Ich konnte anfangen, Brot zu backen, anstatt es zu kaufen. Ich konnte jede Woche einen Kuchen oder Kekse backen. Ich kann online vorher Bewertungen für die „besten Adressen, um in San Francisco ein Kleid zu kaufen“ recherchieren, anstatt mich einfach in den Bus zu setzen, und in die Stadt zu fahren.

(Einschub: Im Nachhinein stellte sich das als viel einfacher heraus. Ich war nämlich tatsächlich erst einmal in die Stadt gefahren, um Macy’s, Bloomingdale’s & Co. einen Besuch abzustatten. Die Kleiderabteilungen kann man sich ungefähr vorstellen, wie die im Peek & Cloppenburg, nur dreimal so groß und fünfmal so plüschig. Und ich war da völlig falsch. Bei dem bei Yelp gefundenen Laden hingegen, handelte es sich um ein wirklich gut sortiertes, kleines Geschäft im mittleren Preissegment, wo sich Laura aufmerksam, aber nicht aufdringlich, meiner annahm.)

Hauptsächlich nutze ich die Zeit momentan also tatsächlich anders. Die BWLerin in mir stellte letzte Woche fest, dass ich die Fertigungstiefe deutlich erhöht habe. In unserem Vorratsschrank und Kühlschrank finden sich momentan ziemlich viele Produkte, auf deren Zutatenliste nur ein Bestandteil steht. Rohstoffe sozusagen. Mehl, Bohnen, Reis, Kartoffeln, Gemüse. Und die werden vorbereitet, gekocht, gerührt, gemixt, gebraten und dann irgendwann zu Mittag oder Abend gegessen. Das dauert nicht zwingend länger, als mit fertigen (Vor-)Produkten. Ist halt einfach ein bisschen komplexer und braucht manchmal ein wenig mehr Vorlauf. Und ersthaft, gerade genieße ich das. Deswegen gibt es hier auch ständig Rezepte zu lesen. Ich fröhne meinem Dasein als Hausfrau.

Das Blog kriegt auch ein paar Stunden in der Woche ab, Fotos sortieren, verkleinern, hochladen einbinden, Texte schreiben, manchmal hier und da was an den Titelbildern oder der Struktur schrauben. Wie stellte Bodo letztens so treffend fest:

Ich merke schon, jetzt wo das Grundgeruest des Blogs steht, geht das Blogschreiben etwas schneller. Dennoch bin ich beeindruckt von den vielen teilweise zeitintensiven Schritten, bis so ein Eintrag steht. Erst muessen all die (viel zu vielen) Fotos auf der Kamera gesichtet und dort bereits schlechte Schnappschuesse geloescht werden. Dann folgt die Auswahl der Bilder, von denen es dann auch nur eine zweite Auswahl in den Blog gibt. Diese Fotos muessen dann hochgeladen, zum Teil gedreht, skaliert, zentriert und natuerlich beschriftet werden.

Außerdem stehen Bücher und Filme gerade hoch im Kurs, weil es inzwischen abends früher dunkel wird. Und natürlich immer wieder Erkundungen. In der Stadt, raus aus der Stadt, um die Stadt herum.

Erst jetzt, nach fast drei Monaten nicht arbeiten, fühlt es sich nach einer Pause an. Nach einem Wochenende, das nicht endet. Oder auch wie Urlaub. So langsam entspannt sich mein Gehirn von der Vorstellung, jeden Tag etwas schaffen und einen Punkt auf der To-Do-Liste abhaken zu müssen. Eigentlich eine sehr schöne Zeit gerade. Um den Umzug muss ich mich nicht mehr kümmern. Um die Zukunft muss ich mich noch nicht kümmern.

Ich war jedoch erstaunt, wie lange es gedauert hat, bis ich in diesem Zustand ankam. Naja, wir sind zum ersten Mal zusammengezogen, dafür umgezogen und in einem anderen Land angekommen. Vielleicht konnte das nicht schneller gehen mit dem entspannten Loslassen.

Haferbrot

Dieses Brot ist ein dunkles Vollkornbrot, das aus einem Fehler beim Lesen des Rezepts entstanden ist. Da es uns gut geschmeckt hat und das Rezept offensichtlich trotz des Fehlers funktioniert, möchte ich es gerne festhalten. Für die Fotos blieb nur das letzte Eckchen, ich hatte das Brot in der Springform gebacken und anschließend geviertelt.

Eigentlich wollte ich das 70-Prozent-Roggenbrot mit Weizenvollkornmehl aus dem Buch von Jeffrey Hamelman backen. Das Rezept steht auf den Seiten 237 bis 238. Doch mittendrin habe ich einfach auf der falschen Buchseite weitergemacht. Anstatt auf 238 umzublättern habe ich auf der gegenüberliegenden Buchseite 236 weitergelesen, und mich damit an die Anleitung für das 80-Prozent-Roggenbrot gehalten. Blöder Fehler. Mitbekommen habe ich das allerdings erst, als das Brot fertig gebacken war. Mein Brot ist jetzt also eine Mischung aus beiden Rezepten. Und da 235-236-Brot ein komischer Name war und ich, statt des im Rezept angegebenen Roggenschrots, geschnittene Haferkörner (steel-cut oats) und zur Deko Haferflocken verwendet habe, nenne ich es einfach Haferbrot.

Da ich mittlerweile quasi „unter der Backofendecke backe“, so dass gerade noch genug Platz zum Aufgehen bleibt, diesmal ohne verkohlten Boden.

Zutaten:
für ein großes Brot (gebacken in einer 26 cm Springform)

Vorteig:
318g Roggenmehl (11.2 oz)
255g Wasser (9.0 oz)
17g gereifter Roggensauerteig-Ansatz (0.6 oz, 2 EL)

Quellstück:
318g Roggenschrot (11.2 oz)
318g kochendes Wasser (11.2 oz)
5.7g Salz (0.2 oz, 1 TL)

Hauptteig:
227g Roggenmehl (8 oz)
181g Weizenmehl mit hohem Glutengehalt (6.4 oz)
264g Wasser (9.3 oz)
5g Trockenhefe (0.16 oz, 1.5 TL)
Quellstück
Vorteig
Haferflocken für die Form und zum Bestreuen

Zubereitung:
1. Für den Vorteig alle Zutaten in einer Schüssel miteinander verrühren, abdecken und bei Zimmertemperatur (21°C) 14-16 Stunden gehen lassen.

2. Gleichzeitig das Quellstück ansetzen. Dazu das kochende Wasser über das Roggenschrot und das Salz gießen, gut durchmischen und noch heiß mit Klarsichtfolie oder einem Deckel abdecken, um Wasserverlust zu verhindern. Bei Zimmertemperatur so lange stehen lassen wie den Vorteig.

3. Hauptteigzutaten, Vorteig und Quellstück in der Küchenmaschine oder mit Hand zu einem weichen Teig zusammenkneten. In der Küchenmaschine dauert das ungefähr 3 Minuten, mit Hand 5-8 Minuten. Der Teig wird relativ weich und klebrig sein, da sich aufgrund des geringen Anteils an Weizenmehl kaum ein Glutengerüst ausbildet.

4. Den Teig 30 Minuten gehen lassen. In der Zwischenzeit den Boden einer Springform mit Backpapier auslegen, Springform-Rand einsetzen, den Rand mit einem neutralen Öl (z.B. Distelöl) leicht ölen und den Backpapierboden mit Haferflocken bestreuen.

5. Den Teig aus der Schüssel nehmen, grob formen und in die Springform geben. Oberseite mit Haferflocken bestreuen und diese mit beiden Händen leicht andrücken.

6. Teig in der Form 60 Minuten gehen lassen.

7. Backofen auf 280°C (530°F) vorheizen und Brot mittig (im Gasbackofen soweit oben wie möglich) einschieben und bedampfen. Temperatur nach 15 Minuten auf 230°C (450°F) reduzieren und das Brot 50-60 Minuten backen.

8. Brot etwa 24 Stunden lang auskühlen lassen und erst dann anschneiden. In zwei oder vier Teile geschnitten lässt es sich gut einfrieren.

Quelle: 80 Percent Sourdough Rye with a Rye-Flour Soaker und 70 Percent Rye with a Rye Soaker and Whole-Wheat Flour, Jeffrey Hamelman, Bread, 2nd edition, pp. 235-236 and 237-238.

Elizabeth Gilbert: Committed

Nach Kafka on the Shore hat mir meine Audiobuch-App nun dieses Buch vorgelesen. Committed ist – nach Eat Pray Love – das zweite Buch, das ich von Elizabeth Gilbert kenne. Ich hatte ich es aus Neugier ausgeliehen, ich wollte wissen, wie es mit ihr und dem Mann aus dem ersten Buch weitergeht. Die Autorin liest es selbst und erzählt dem Zuhörer sozusagen persönlich, welche Überlegungen sie anstellt, bevor sie sich entschließt, ihn und damit auch ein zweites Mal zu heiraten.

Das Buch ist, wie schon Eat Pray Love, keiner von Elisabeth Gilberts Romanen sondern ein Sachbuch. Mit offensichtlich der gleichen Zielgruppe wie der Bestseller: Frauen zwischen 25 und 65 auf Sinnsuche. Dazu zähle ich dann wohl auch. Nun ja, am besten nicht länger drüber nachdenken.

Sie beleuchtet die kulturgeschichtliche Bedeutung der Ehe in verschiedenen Epochen und Ländern. Das ist ganz nett, weil sie viele Seiten Sachliteratur auf unterhaltsame Art und Weise zusammenfasst und immer wieder zu ihrer eigenen Situation spiegelt. Aber – aufgrund des Themas – nicht so abwechslungsreich und vielfältig, wie es die Orts- und Personenbeschreibungen in Eat Pray Love waren. Da sie jedoch auch hier immer wieder von ihren eigenen Entscheidungen und Schwierigkeiten schreibt ist es tatsächlich ganz unterhaltsam. Und, ich mag ihren Humor einfach.

Über die Autorin war ich vor ein paar Jahren mal im Internet gestolpert, da sie auf einer der TED Konferenzen eingeladen war. Und ich fand ihren Vortrag unterhaltsam und lehrreich zugleich. Wenn ihr sie also mal hören wollt, ohne gleich zu Frauenselbsthilfeliteratur greifen zu müssen, und euch für Autoren und ihre Arbeit interessiert, sind das 20 gut investierte Minuten.

[ted id=453 lang=de]

Elizabeth Gilbert (2010): Committed – A Skeptic Makes Peace with Marriage, Unabridged Edition, Peguin Audiobooks.

Wochenrückblick (#10)

|Gesehen| Vertigo, Downton Abbey (Erste Staffel)
|Gelesen| Elizabeth Gilbert: Committed (gehört), Sheryl Sandberg: Lean In
|Getan| das SF Art Institute angeschaut, über die Golden Gate Bridge geradelt, mit der Fähre nach SF übergesetzt, beim Pilates gewesen
|Gegessen| Beef Stroganoff mit Kartoffelbrei und gebratenem Grünzeug, Lachs mit Sahnesauce und Pasta, Kürbis-Süßkartoffelsuppe, Kuchen und Sandwich von Greens (Fort Mason), Tacos bei Papitos in unserem Viertel, Pancakes mit Ahornsirup
|Gedacht| boah ist das laut, in allen meinen romantisch-naiven Vorstellungen zur Überquerung der Golden Gate Bridge hatte ich die vorhandenen sechs Fahrspuren samt Verkehr irgendwie nicht berücksichtigt
|Gefreut| über den wiedergefundenen Fahrradschlüssel
|Gelacht| über Ms Movember-Bart, mit dem sieht er momentan ein bisschen aus wie d’Artagnan von den drei Musketieren
|Geärgert| über meinen Hinterradreifen am Fahrrad, der bei voller Fahrt geplatzt ist. Ich habe mich zwar sehr erschrocken, konnte aber gut die Spur halten und rechts ranfahren
|Gekauft| einen neuen Fahrradschlauch, Fahrradlichter, eine Jeans, zwei Bücher beim City Lights Bookstore
|Geklickt| Fähren und Fahrpläne

Haruki Murakami: Kafka on the Shore

Ich habe Ewigkeiten schon kein Hörbuch mehr gehört. Dabei gab es immer Menschen, die Hörbücher konsumiert haben. Omas, die nicht mehr gut sehen und lesen konnten, Mütter, die Spaß daran fanden, und sogar Bekannte, die beruflich was mit Hörbüchern machen und regelmäßig  darüber twittern. Irgendwie ging es an mir vorbei.

Seit zwei Wochen bin ich jedoch im Hörbuch-Sog. Angefixt hatte mich die Mitbewohnerin, die zu jeder Gelegenheit, zu der sie nicht denken oder schreiben oder reden muss, ihr Tablet anwirft und sich von ihm was erzählen lässt. Meist sind es Fantasy-Geschichten, die ihr beim Möhrenschnippeln, Wäschelegen oder Bodenwischen die Zeit angenehmer machen. Ich verließ fluchtartig den Raum, sobald ich die bedächtige Erzählstimme hörte. Ich konnte nichts daran finden. Es ging an mir vorbei.

Zuletzt verfingen sich jedoch zwei ihrer Sätze in meinem Gehirn: „Wenn ich mal nachts ins Grübeln gerate, aber lieber schlafen will, mache ich mir das Hörbuch an und bin sofort wieder eingeschlafen.“ Und: „Seit ich Bücher höre, konsumiere ich wieder viel mehr Bücher.“ Seit der Zeit vor unserer Abreise und auch in der ersten Zeit hier schlief ich nachts manchmal schlecht. Einfach weil ich mir, unnötigerweise, Gedanken um alles Mögliche machte. Auch hatte ich mir für meine Auszeit hier vorgenommen, mehr zu lesen. Während der Diss und auch in der Zeit danach, habe ich mir dafür schlicht zu wenig Zeit genommen. Zudem entdeckte ich, dass die Bib hier über eine elektronische Bibliothek verfügt, und neben Ebooks auch Audiobooks verleiht. Eine gute Möglichkeit also, es einmal mit Hörbüchern zu probieren, ohne gleich einen Stapel CDs zu kaufen oder ein Hörbuch-Abo abzuschließen.

Als erstes suchte ich mir „Kafka on the Shore“ von Haruki Murakami aus. Eine bessere Wahl hätte ich nicht treffen können. Es ist eine ungekürzte Fassung, über 19 Stunden lang. Anfangs dachte ich noch, dass schaffe ich nie in den 21 Tagen Leihzeit. Ich griff mir innerlich an den Kopf, nach der 1000seitigen Anna schon wieder so einen Wälzer ausgesucht zu haben. Aber Murakami ist nicht Tolstoi. Und der Sog setzte ein.

Das Buch an sich ist schon wahnsinnig toll, komplex ohne anstrengend zu sein und spannend bis zum Schluss. Aber ich finde, die Audio-Version macht die Geschichte nochmal um 100% besser. Ich konnte es tagsüber manchmal nicht erwarten, dass ich im Bett noch schnell ein Kapitel hören konnte vor dem Einschlafen. Der Plot ist gar nicht so einfach zu erklären. Es geht um einen 15-jährigen Jungen, Kafka Tamura, der von zu Hause wegläuft. Und im zweiten Handlungsstrang um den älteren Mr. Nakata, der vielleicht nicht der Schlauste ist, jedoch mit Katzen sprechen kann und den irgendetwas mit dem jungen Ausreißer verbindet.

Kafkas Geschichte wird in den ungeraden Kapiteln erzählt, Nakatas Geschichte in den Geraden. Die Wechsel zwischen beiden Handlungssträngen machen es schon anspruchsvoll. Hinzu kommen Zeitsprünge und Rückblenden, so dass ich sehr aufpassen musste, um alles halbwegs zusammen zu bekommen. Aber auch hier hilft es, die verschiedenen Personen sprechen zu hören. Ihre japanischen Namen hätte ich als Leserin wahrscheinlich sehr schnell durcheinander gebracht. Gefühlt dachte ich, jeder Charakter würde von jemand anderem gelesen. Hinterher fand ich heraus, es sind nur zwei Sprecher. Unglaublich, was Stimmlage und Modulation ausmachen.

Mr. Nakata ist mir während der Zeit richtig ans Herz gewachsen. Die Figur wird mit einer eigenen Stimme viel plastischer. Ich konnte ihn bildlich vor mir sehen. Und die von Murakami eingebauten Eigenheiten kommen durch sein Sprechen erst richtig zum Tragen. Zum Beispiel behauptet Nakata bei fast jedem Essen, das ihm angeboten wird, dass eben dieses oder jenes eines seiner Leibgerichte sei: „Eel is one of Nakata’s favorites“, „Sardines are one of Nakata’s favorites.“ Ich kann mich nicht erinnern, dass er das einmal nicht sagt. Und musste jedes Mal schmunzeln, wenn der Satz mit der gleichen Betonung in jeder geschilderten Essenssituation wieder kam.

Wegen der ganzen Komplexität hatte ich gehofft, dass am Ende nochmal ein erzählender Teil folgt und Murakami mir alles erklärt, was ich bis dahin nur halb verstanden hatte. Den gibt es aber nicht. Ich werde das Buch also irgendwann nochmal lesen oder hören. Und dabei sicher noch mehr von dem entdecken, was er darin versteckt hat. Das ist aus meiner Sicht das sicherste Zeichen dafür, dass es ein gutes Buch war.

Die Version, die ich gehört habe, ist von Naxos Audiobooks. Auf der verlinkten Homepage gibt es eine Hörprobe. Und auch bei Audible gibt es den Titel.

Haruki Murakami: Kafka on the Shore (unabridged), read by Sean Barrett, and Oliver Le Sueur, Naxos Audiobooks, 2006.

Wochenrückblick (#9)

Es war ruhig diese Woche, nicht nur auf dem Blog. Eine Erkältung hat M für drei Tage das Haus hüten lassen. Davor lag ein Haufen Arbeit für seinen Vortrag im Seminar, der dann am Tag vor dem Termin abgesagt wurde, weil die halbe Fakultät auf einer Konferenz war. Wir haben die Woche also nicht sehr viel unternommen, sondern vor allem unsere Film- und Lesestapel ein bisschen dezimiert. Nur gestern sind wir länger in der Stadt gewesen, um den Union Square herumspaziert und haben Kultur mit Kommerz verbunden. Der Katze hat unsere Häuslichkeit offenbar gefallen, so konnte sie stundenlang auf dem Stuhl schlafen, während wir gegessen oder gelesen haben.

|Gesehen| „The Heat“ und „Now you see me“ (im Flugzeug), „The Maltese falcon“, „Hammett“ und „The social network“ (in unserer Reihe: Filme, die etwas mit der Stadt zu tun haben), die ersten Folgen von Downton Abbey (für den Jane-Austen-Fan in mir)
|Gelesen| Kafka on the shore beendet (gehört, nicht gelesen), Die Schatzinsel gehört
|Getan| die Gegend um den Union Square erkundet, weiterhin Yoga ausprobiert
|Gegessen| gebackene Süßkartoffeln mit Balsamico und Salat aus Green Frills Mustard (Grünzeug, das aussieht wie Frisée und ganz leicht wie Senf schmeckt); Pasta mit Tomatensauce; Shrimp-Tempura, Kartoffelsalat mit Wasabi-Mayo und Wasserkastaniensalat bei Delica im Ferry Building; Espresso und Cappuccino von Blue Bottle
|Gedacht| Jetzt wird es auch hier früher dunkel. Letzte Woche wurde die Zeit umgestellt.
|Gefreut| Über das nach wie vor warme und schöne Wetter. Die Nachbarn sagen, es ist selbst für die Verhältnisse hier ungewöhnlich lange spätsommerlich.
|Gelacht| Beim Darts und Autorennen-Spielen.
|Geärgert| Über den verlorenen Schlüssel vom Fahrradschloss und Mehlmotten im erst frisch gekauften Getreide.
|Gekauft| eine Hose bei GAP und einen OPI-Nagellack. Dass OPI’s aktuelle Sonderedition San Francisco gewidmet ist, war ein zwingendes Kaufargument. Und gleichzeitig wird er später eine schöne Erinnerung sein.
|Geklickt| Museumsseiten, SF Ballet und Basketball – so langsam müssen wir uns die Termine für die restliche Zeit hier vormerken.

Rund um den Union Square

Gestern haben wir einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt gemacht. Meike Winnemuths Empfehlungen folgend sind wir rund um den Union Square spaziert und haben uns ein paar der Häuser von außen und innen angeschaut. M wollte vor allem die Schauplätze sehen, die irgendwas mit dem Autor Dashiell Hammett und Privatdedektiv Sam Spade, der Hauptfigur in dessen bekanntem Roman „Der Maltester Falke“ zu tun haben. Sowohl den Film „The Maltese Falcon“ als auch „Hammett“ (von Wim Wenders) hatte er diese Woche angeschaut, als er krank im Bett lag.

Los ging es in der Sansome Street 400, in der sich bis 1983 das Gebäude der Federal Reserve Bank of San Francisco befunden hat. Die Bank ist zur Market Street umgezogen und nun befinden sich Büros in dem Gebäude mit den ionischen Säulen. Weiter ging es durch die vier Teilgebäude des Embarcardero Building hinüber zum Ferry Building. Dort haben wir den Eisläufern unter Palmen zugesehen (total verrückt) und eine kurze Mittagspause eingelegt. Entsprechend des Tagesmottos haben wir unseren Kaffee natürlich auf den Namen „Sam“ bestellt.  Satt und ausreichend koffeiniert sind wir in Richtung Union Square losgezogen.

Unser erster Stopp war die Xanadu Gallery in der Maiden Lane 140. Diese befindet sich in einer mit kleinen Eisentoren geschützten Seitenstraße und von außen deutet nicht viel darauf hin, dass hier teure und verdammt alte asiatische Kunst verkauft wird. Wir haben Stücke gesehen, deren Preisschilder über eine Million Dollar auswiesen und die mehr als tausend Jahre alt waren. Sehenswert ist die Galerie aber vor allem wegen ihrer Architektur. Der V.C. Morris Gift Shop, wie das Gebäude offiziell heißt, wurde von Frank Lloyd Wright 1948 entworfen. Der Rundaufgang im Inneren diente ihm als Vorstudie für seinen deutlich bekannteren Rundaufgang im 1952 entstandenen Guggenheim Museum in Manhatten/New York.  Das weiß hier anscheinend aber fast keiner und dementsprechend war  – trotz des belebten Samstags –  sehr wenig los.

Unsere nächste Station war das Hochhaus in der Sutter Street 450, das aufgrund seiner Art Deco Austattung im Stil der Maya sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Hier kann man silberne Deckengewölbe des Architekten Timothy L. Pflueger im Foyer bewundern – und auf der Namensübersicht direkt neben dem Eingang lesen, wie viele Ärzte und Anwälte in so ein Hochhaus passen, die diese Decke jeden Morgen beim Gang zum Fahrstuhl bewundern können.

Als nächstes wandeln wir auf den Spuren von Dashiell Hammett. An der Ecke Hyde Street und Post Street finden wir das Haus, in dem er einige Jahre gelebt hat. Die große Plakette an der Hauswand macht langes Suchen überflüssig. Und auf der Ellis Street, befindet sich das Restaurant John’s Grill, in der die Romanfigur Sam Spade einmal isst. Das reicht aus, um es gleichzeitig zum Sitz der Dashiell Hammett Gesellschaft zu machen.

Zum Abschluss gibt es noch ein wenig Hotel- und Kaufhausarchitektur zu bestaunen. Zunächst das Restaurant Grand Café im Hotel Monaco, das zur Jahrhundertwende mal ein Ballsaal war und dessen Art Deco Elemente noch gut erhalten sind. Im Neiman Marcus Kaufhaus gibt es die Glaskuppel eines alten Kaufhauses, dem „City of Paris“ zu bestaunen, das zuvor an anderer Stelle am Union Square stand. Beim Abriss wurde die Kuppel erhalten und in das neue Gebäude eingefügt. Abgebildet ist das Schiff, so wie es sich auch im Stadtwappen von Paris selbst findet.

Inzwischen wird es auch hier schon gegen fünf dunkel. Und – wie eigentlich jeden Nachmittag – ziemlich windig. Wir lassen uns mit dem Bus den Hügel hinaufschaukeln und genießen nochmal die Aussicht auf die Hochhäuser der Stadt, bevor wir ins warme Nest zurückkehren.