Gemüse-Paella

Bisher war ich ja eher ignorant, was Reis angeht. Ich esse ihn vergleichsweise selten und koche ihn, abgesehen von Milchreis oder Risotto, fast nie. Einfach, weil er für mich vor allem in die asiatische Küche gehört.  Als Beilage zu ur-deutschen Gerichten wie Geschnetzeltes oder Gulasch geht Reis für mich gar nicht. Beides kann man prima mit Kartoffeln essen. Oder von mir aus auch noch mit Spätzle.

Wahrscheinlich habe ich dem Reis mit meiner Verweigerung ein wenig Unrecht getan, ist er doch das meist konsumierte Nahrungsmittel der Welt. Und manchmal muss man mir die Dinge auch einfach schmackhaft machen. In der Paella macht er sich jedenfalls ganz ausgezeichnet. Das Rezept basiert auf einem (stark dem Inhalt unserer Gemüsekiste angepassten) Rezept aus Yotam Ottolenghis Kochbuch Plenty.

Zutaten:
1 große Zwiebel
1 Stange Lauch
3 Paprika (gelb, rot oder gemischt)
1 Bund Mangold (wir hatten Erbette Chard)
2 Stangen Sellerie
3 Jalapenos (alternativ Chili oder Chiliflocken, dann weniger)
1 Handvoll Edamame (grüne Sojabohnen, TK) oder Fava-Bohnen
100 ml Weißwein
3/4 l Brühe
etwa 200g Reis (bei uns war es etwas mehr als ein großer Kaffeepott voll)
2 TL Kurkuma
1 TL Cumin
15 Kalamata Oliven
1/2 Bund gehackte, glatte Petersilie
Distelöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung:
1. Zwiebel in halbe Ringe schneiden, Lauchstange in Ringe schneiden. Paprika und Mangold in Streifen schneiden. Jalapenos entkernen und in Streifen schneiden. Edamame in kochendem Wasser auftauen und kurz garen. (wenn Fava-Bohnen verwendet werden, danach die Häutchen abziehen). Kalamata-Oliven entsteinen und halbieren oder vierteln.
2. In einer Pfanne zuerst Öl erhitzen und dann Zwiebel darin langsam 5 Minuten anbraten und bräunen. Lauch, Paprika, Mangold und Jalapenos hinzufügen und weitere 5 Minuten anbraten.
3. Gemüsebrühe zusammenrühren (oder auftauen oder aufwärmen) und entsprechend dem eigenen Geschmack salzen. Reis und Gewürze zum gebratenen Gemüse geben, kurz mitbraten und dann mit Weißwein und Gemüsebrühe ablöschen. Auf minimaler Hitze 20 Minuten leicht köcheln lassen, dabei nicht abdecken und nicht umrühren.
4. Wenn der Reis weich ist, Fava-Bohnen und Oliven zufügen, kurz durchrühren, damit auch die oben liegenden Körner Flüssigkeit bekommen, ggf. nachwürzen und abgedeckt nochmal 10 Minuten auf sehr kleiner Hitze oder ausgeschaltetem Herd stehen lassen.
5. Mit gehackter Petersilie bestreuen und servieren.

Quelle: Yotam Ottolenghi, Plenty, Chronicle Books, 2011, S. 80.

Fünf-Korn-Weizenbrot

Dies ist eines der ersten Brote, das man als vorzeigbar bezeichnen kann. Nachdem die Schwierigkeiten der Teigzubereitung seit dem Einzug der Waage in unseren Haushalt behoben sind, kämpfe ich jetzt vor allem mit dem Gasbackofen. Die hohen Temperaturen zum Brotbacken bekommt er hin, aber den Broten ist es von unten deutlich zu heiß. Momentan scheiden wir also immer mal wieder schwarze Krusten weg. Außerdem funktioniert die Dampferzeugung mit der Gasflamme im Ofen auch nur so halb gut, so dass die Brote nicht so schön  aufgehen. Ich probiere gerade mehr Grundfeuchte hinzubekommen, in dem ich unten im Herd in einer kleinen Pfanne Eiswürfel schmelze. Dampf erzeuge ich mit einem zusätzlich eingelegten Backblech, auf das ich heißes Wasser gieße.

Das Fünf-Korn-Weizenbrot (Five-Grain Levain) ist ein helles Brot, das ein Viertel Weizenvollkornmehl enthält. Die vier weiteren Kornsorten sind Roggenschrot, Leinsamen, Sonnenblumenkerne und Haferflocken. Zur gleichen Zeit, zu der man den Vorteig ansetzt, muss man die Körner einweichen und beides letztendlich zum Brotteig verkneten. Herauskommt ein Weizenbrot, das keine zu großen Löcher hat und sich so gut für Frühstück und Sandwiches aller Art eignet.

Zutaten für zwei Brote:

Vorteig:
227g Weizenmehl, Typ 550 (8 oz)
284g Wasser (10 oz)
45g  Weizensauerteig-Ansatz (1.6 oz, 1 EL)

Quellstück:
82g Roggenschrot (2.9 oz)
82g Leinsamen (2.9 oz)
71g Sonnenblumenkerne (2.5 oz)
71g Haferflocken (2.5 oz)
369g kochendes Wasser (13 oz)
5.7g Salz (0.2 oz, 1 TL)

Hauptteig:
454g Weizenmehl, Typ 550 (1 lb)
227g Weizenvollkornmehl (8 oz)
238g Wasser (8.4 oz)
17g Salz (0.6 oz)
2.8g Trockenhefe (0.1 oz, 1TL)
Quellstück
Vorteig

Zubereitung:

1. Für den Vorteig alle Zutaten in einer Schüssel miteinander verrühren, abdecken und bei Zimmertemperatur (21°C) 12-16 Stunden gehen lassen.

2. Gleichzeitig das Quellstück ansetzen. Dazu das kochende Wasser über die Körner und das Salz gießen, gut durchmischen und noch heiß abdecken, um Wasserverlust zu verhindern. Bei Zimmertemperatur stehen lassen. Wenn nur (gequetschte) Flocken und kein (hartes) Schrot für das Quellstück verwendet werden, reicht es aus, dieses mit kaltem Wasser anzusetzen.

3. Hauptteigzutaten, Vorteig und Quellstück in der Küchenmaschine oder mit Hand zu einem weichen Teig zusammenkneten. In der Küchenmaschine 3 Minuten, mit Hand 5-8 Minuten.

4. Teig 90 Minuten gehen lassen und nach 45 Minuten einmal falten.

5. Zwei Laibe formen (oval oder rund) und nochmals 60 Minuten gehen lassen. Die Laibe können auf Backpapier lagern, Kastenform oder Gärkörbchen sollten auch gut gehen.

6. Eine halbe Stunde vor Ende der Gehzeit den Ofen auf 240°C (460°F) vorheizen, wenn vorhanden Backstein einlegen. Brote auf einem Backblech oder Backstein 40-45 Minuten backen.

Anstelle der 60 Minuten Gehzeit in Punkt 5. können die Laibe auch über Nacht im Kühlschrank lagern und am Morgen gebacken werden. Dann sollte dem Hauptteig jedoch keine Hefe zugegeben werden und die erste Gehzeit in Punkt 4. auf 120 Minuten verlängert werden (mit Falten nach 60 Minuten).

Quelle: Five-Grain Levain, Jeffrey Hamelman, Bread, 2nd edition, p. 182-183.

Pecan-Chocoloate-Chip Cookies

Immer wenn ich in eine neue Küche komme, z.B. in einer Ferienwohnung oder eben jetzt hier, dauert es häufig nur wenige Tage, bis ich nicht nur kochen, sondern auch etwas backen möchte. Blöderweise denke ich dabei immer zuerst an die Zutaten, nie aber an die notwendigen Geräte. Simple Kuchen wie Rührkuchen oder Muffins scheitern dann ganz schnell am fehlenden Schneebesen oder der nicht vorhandenen Backform. Ganz zu schweigen von Dingen wie Mixer, Waage oder Nudelholz. Daher überlege ich dann jedes Mal aufs Neue, welche Rezepte ich kenne, die möglichst nur mit einer Schüssel, einem Löffel und einem Backblech auskommen. Und die auch dann funktionieren, wenn man die Mengen nicht aufs Gramm genau abwiegen kann.

Kekse gehen da fast immer. Hier das Rezept für die Pekannuss-Schokoladensplitter-Kekse, die ich letzte Woche gebacken habe. Das Rezept ergibt ungefähr 20 Kekse. Wer keine Waage hat, misst den Zucker und das Mehl mit dem Esslöffel ab. Ein gehäufter Löffel Mehl sind etwa 20g, ein nicht-glatt-gestrichener Löffel Zucker sind rund 15g. Die Maßeinheiten für die Butter stehen in so ziemlich jedem Land auf der Butterpackung. Die Menge lässt sich anhand der aufgedruckten Skalen also ganz gut schätzen.

Und beim ersten Einkauf nicht nur an das Klopapier, sondern auch an Backpapier denken!

Zutaten:

260 g Mehl (2 cups)
1 TL Backpulver
1/4 TL Salz
220 g weiche Butter (2 Sticks)
150 g brauner Zucker (3/4 cup)
75 g Chocolate Chip (1/2 cup)
60 g Pekannüsse (1/2 cup)

Zubereitung:

1. Butter mit Salz und Zucker verrühren, so dass der Zucker sich zumindest zum Teil auflöst.

2. Mehl mit Backpulver mischen und unterrühren.

3. Chocolate Chips und Nüsse zugeben und unterkneten.

3. Mit den Fingern oder zwei Löffeln kleine Teighäufchen auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech setzen.

4. Bei 180°C (350°F) etwa 12 Minuten backen. Die Kekse sind dann noch weich, sollten aber durchgebacken sein.

5. Auf einem Rost auskühlen lassen, dabei werden die Kekse fest.

Focaccia

Seit einer Woche sind wir Tierpfleger. Genau genommen halten wir eine Horde kleiner Mikroorganismen bei Laune, deren liebstes Futter Mehl und Wasser sind. Bei ACME in Berkeley haben wir bisher immer unser Brot gekauft. Dort habe ich nachgefragt, ob sie auch ihren Sauerteig-Ansatz verkaufen. Tun sie nicht. Sie verschenken ihn.

Und seitdem wohnt ein kleines Glas mit Sauerteigansatz im Kühlschrank. Und ich backe ziemlich exzessiv Brot. Die Anzahl der Sauerteigkinder vermehrt sich stetig und ich werde der Plage langsam nicht mehr Herr. Die Resultate sind zudem noch nicht wirklich vorzeigbar, aber wir essen sie. Ein Erfolgserlebnis gibt es jedoch zu vermelden: Die Umstellung von Evas Focaccia Rezept mit Hefe auf ein Sauerteig-Rezept habe ich selbst erdacht und es hat auch prompt funktioniert. Eignet sich prima, wenn man aufgefrischten Sauerteigansatz sonst entsorgen würde, weil man nicht alles davon für das geplante Brot benötigt. Wer keinen Sauerteig hat, macht das Rezept wie im Original mit 20g Hefe und lässt es im Kühlschrank gehen.

Hier die Zutaten:

250 g Mehl (Type 550 bzw. Bread Flour)
1/4 L Wasser
1 TL Sauerteigansatz
1 TL Salz
2-3 EL Olivenöl
1 Zweig frischer Rosmarin
1 Handvoll Datteltomaten
grobes Meersalz

Zubereitung:

1. Sauerteig auffrischen (40g Mehl, 40g Wasser, 1 TL Sauerteigansatz aus dem Kühlschrank) und 8-15 Stunden stehen lassen. Das kann man gut über Nacht machen.

2. Vom aufgefrischten Sauerteig 2 TL abnehmen und mit dem Mehl, Wasser und Salz zu einem Teig verrühren. Der ist ziemlich flüssig, aber das ist so gewollt. In warmer Umgebung (rund 26°C) 10-12 Stunden stehen lassen. Das funktioniert gut bei den momentanen Temperaturen in Kalifornien 😉 oder im Backofen mit eingeschalteter Lampe.

3.  Ofen auf 210°C (410°F) vorheizen. Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech gießen, möglichst behutsam, damit die entstandenen Blasen erhalten bleiben. Fingerkuppen in Öl tauchen und kleine Vertiefungen für die Tomaten in den Teig drücken. Tomaten waschen und in die Vertiefungen legen. Mit Olivenöl beträufeln und mit Rosmarinnadeln sowie Salz bestreuen.

4. Bei 210°C (410°F) rund 20 Minuten goldbraun backen.

Die Reste ergeben aufgewärmt im Toaster und belegt mit zusätzlichen frischen Tomaten, Avocado und Olivenöl einen netten kleinen Mittagssnack.

Die Küste nach Süden

Was macht man, wenn man einen Tag Zeit hat, über einen Mietwagen verfügen kann und es bestes Sommerwetter ist? Richtig, ans Meer fahren. Genau das haben wir am Samstag gemacht. Wir hatten uns vorgenommen, die Küste südlich von San Francisco zu erkunden. Unsere Ziele waren Carmel, Pacific Grove, Monterey und Salinas. Ganz schön viel für einen Tag, oder? Klar. Dennoch war es ein perfekter Sommertag.

Die Region um Monterey liegt etwa zwei Stunden südlich von San Francisco. Als erstes wollten wir beim Point Lobos State Park anhalten, der sich ganz im Süden unserer geplanten Tour befindet. Aufgrund des guten Wetters war hier aber jede Menge los, so dass wir beschlossen haben, uns die Seelöwen ein anderes Mal anzuschauen und nach Carmel zu fahren.

Carmel by the Sea ist ein kleines Städtchen, das mit seinen engen, hügeligen Straßen so ganz anders aussieht, als die Städte, die wir bisher so gesehen haben. Zu Fuß lassen sich die kleinen Häuschen, die zentrale Einkaufsstraße, die Ocean Avenue, und die vielen kleinen Restaurants und Cafés perfekt erkunden. Das Forge in the Forest und auch Katy’s Place sahen zumindest von außen sehr einladend aus. Außerdem konnten wir so prima Touristen und Einheimische beim samstäglichen Shopping beobachten. Höhepunkt für uns war aber der großartige Strand, mit feinem Sand, Sonne und Pazifikwellen. Den haben wir zum Picknicken, Schlafen und Spazierengehen genutzt, bevor wir nach Pacific Grove weitergefahren sind.

Im Vergleich zu Carmel ist Pacific Grove schon wieder deutlich weitläufiger, breitere Straßen, weniger Hügel. Aber insgesamt immer noch sehr heimelig. Hier im Monarch Grove Sanctuary überwintern im November und Dezember tausende von Monarch-Schmetterlingen. Auch die Küste ist hier wieder felsiger und von kleinen Wasserstellen gekennzeichnet, in der viele Meerestierchen leben, die unter Naturschutz stehen. Außerdem gibt es in Pacific Grove die Happy Girl Kitchen, eine Mischung aus Café und Einkocherei, wo man sowohl Kaffee trinken und essen kann, als auch selbstgekochte Marmeladen und eingelegtes Gemüse kaufen. Beides wird vor Ort direkt hergestellt. Wir haben Probeeinkäufe getätigt und werden berichten.

Monterey schließt direkt an Pacific Grove an, so dass wir nicht weit fahren mussten, um zu unserem dritten Halt zu kommen. Hier hatten wir uns den historischen Rundweg durch das alte Monterey vorgenommen. Zuvor haben wir eine kurze Pause eingelegt, die Reste vom Pflaumenkuchen gegessen und die Herbstspezialitäten bei Starbucks probiert. Der Salted Caramel Mocha ist ganz gut (man glaubt es nicht, selbst für den gibt es eine Seite im Internet). Salz und Karamellsirup gehen prima zusammen, die seltsame Kaffee-Kakao-Mischung dazu hätte es für mich jedoch nicht gebraucht. Lieber Karamellbonbons mit Fleur de Sel und einen gescheiten Cappuccino dazu.

Der Spaziergang, bei dem man sich die alten Häuser Montereys anschauen kann, ist mit kleinen, gelben Punkten im Boden markiert. Nach diesen muss man am Anfang nur kurz Ausschau halten und ihnen dann, wie beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel, folgen. Wir sind also fröhlich durch die Stadt gelaufen, haben links und rechts Häuser fotografiert, und nebenbei so ziemlich alles gesehen, was man in Monterey gesehen haben sollte.

Danach konnten wir schon wieder ein bisschen Autofahren und bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Salinas. Hier wollten wir vor allem wegen John Steinbeck hin, der hier geboren ist, und für seine Romane Früchte des Zorns oder Jenseits von Eden berühmt ist. Wir haben sein Geburtshaus und das ihm gewidmete Museum angeschaut. Wiederum von außen, alles schon geschlossen, da schon halb Nacht.

Dann machten wir uns auf dem Rückweg und beendeten den Tag mit einem Besuch im Tex-Mex-Schnellimbiss Chipotl in Oakland. Eine ausdrückliche Empfehlung von J, an die wir bei Wraps und Burritos auch ganz feste gedacht haben.

Sonnenuntergang an der Marina

Heute Abend haben wir uns etwas kleines zu Essen geholt und sind zum Sonnenuntergang-Bestaunen an die Marina von Berkeley gefahren. Von dort hat man einen super Blick auf die Innenstadt von San Francisco und die Golden Gate Bridge.

(Die Bilder sind als Diashow eingebunden. Draufklicken macht sie groß und auch die Bildunterschrift sichtbar. Mit „Esc“ lässt sich die Diashow beenden und man kommt zum Artikel zurück.)

Die Küste nach Norden (Teil 3)

Mendocino bis Eureka und Arcata

Nachdem wir bei Jim nur kurz ein Honigbrot gefrühstückt haben, ist unser erstes Ziel heute das etwa 15 Minuten entfernte Fort Bragg. Dank F+Ks Lonely Planet Kalifornien, der uns schon unsere ganze Reise lang gute Tipps gibt, wissen wir auch schnell, wo wir ein schönes Café finden. Im Headlands Coffeehouse lassen wir uns für ein zweites Frühstück nieder. Morning Bun (eine Art süßer Hefeknoten mit Zimtzucker) und Kaffee für G, belgische Waffel und decaf-Kaffee (frischgezapft aus der Thermoskanne) für M. Anschließend nutzt G noch ihr refill, und wir checken Mails und telefonieren kurz mit Ms Eltern, die zufällig gerade online sind.

Nach einer Stunde brechen wir auf. Unser Ziel für heute ist der Humboldt State Park, der etwa eine Stunde vor unserem Ziel Eureka liegt. Hier soll es einige der dicksten und höchsten Bäume der Westküste geben. Insgeheim bin ich davon ja nur so halb begeistert. Hohe Bäume mit Stämmen,  die man mit beiden ausgestreckten Armen nicht umfassen kann. Tausendmal gesehen auf Bildern von Amerikaurlaubern. Was der Reiz dabei sein soll, erschließt sich mir nicht ganz.

Und plötzlich führt der Highway, also quasi die Fernverkehrsstraße, genau zwischen solchen Bäumen durch. Und, schon bin ich ihrer Faszination erlegen. Da geht die Straße mitten durch den Nationalpark und nur Zentimeter hinter dem Randstreifen stehen riesige Bäume.  Noch regnet es wie aus Kübeln, also erstmal Mittagspicknick im Auto und kurzer Stopp bei der Besucherinformation. Dann beschließen wir, noch weiter in den Park hineinzufahren, parken das Auto auf einem der Parkplätze und gehen ein wenig spazieren. Zum Wandern bleibt uns nicht mehr viel Zeit und außerdem erscheint uns das Wetter zu unbeständig. Dann halt eine Renterrunde, große, hohe, dicke und alte Bäume bestaunen, Fotos machen, Infotafeln lesen.

Gegen vier brechen wir nach Eureka auf, das wir allerdings erstmal durchfahren, um uns noch Arcata anzuschauen, das etwa 5 Meilen weiter nördlich liegt. Die beschauliche Studentenstadt, hier befindet sich die Humboldt University, gefällt uns gut. Das Abendessen fällt typisch amerikanisch aus: Burger und Pommes im basket, Milchshake bzw. Cola. Und es ist, dank eines sehr guten Tipps aus dem Lonely Planet, das beste Essen bisher. Gegessen bei Stars Hamburgers in Arcata.

Auch das gebuchte Town House Motel in Eureka erweist sich als Glücksgriff und beste Unterkunft der Reise. Das Townhouse Motel wird auf der deutschen Seite von Tripadvisor sehr gelobt, vor allem für seine Sauberkeit. Als wir die Zimmertür öffnen, wissen wir sofort warum. Ein Chlorlüftchen weht uns entgegen, so dass wir erstmal alle Fenster aufreißen, um den Schwimmbadgeruch zu vertreiben. Aber Zimmer und Bad sind wirklich tiptop sauber, sogar eine Kaffeemaschine und einen Kühlschrank gibt es. Am nächsten Tag erzählt uns der Besitzer, dass er dafür auch im Reiseführer „Rough Guide to California“ erwähnt wird und er täglich selbst die Zimmer kontrolliert.

Weiteres nettes Detail in diesem Motel ist der 70er Jahre Charme des Baustils. Die Parkplätze für die Autos befinden sich nämlich direkt unterhalb der Zimmer. Diese sind über eine Galerie verbunden, so dass man direkt auf das unten stehende Auto schauen kann, wenn man die Zimmertür öffnet.

Da das Zimmer wieder ohne jede Verpflegung ist, gibt es am nächsten Morgen nochmal amerikanisches Frühstück. Dann machen wir uns auf die Heimreise. Nach guten fünf Stunden Fahrt erreichen wir Berkeley. Einen kleinen Zwischenstopp haben wir in Sonoma, in der Weinregion gemacht, aber nur um einen ersten Eindruck zu bekommen. Vielleicht schaffen wir es ja nochmal dahin.

Die Küste nach Norden (Teil 2)

Bodega Bay bis Mendocino

Der zweite Tag unseres Küsten-Road-Trips soll mit einem typisch amerikanischen Frühstück beginnen, da wir über Mittag wahrscheinlich mehr oder weniger im Auto sitzen werden.  Es gebe nicht viele Restaurants in Bodega Bay, die Frühstück anbieten, erklärt uns die Dame an der Touristen-Information, aber das Tides liegt direkt gegenüber, hat einen schönen Blick auf die Bucht (siehe Link) und Frühstück. Also entscheiden wir uns dafür. Spiegeleier, Speck und Brot für M. Eierkuchen, Ahornsirup, Eier und Speck für mich.

Nach einem kurzen Stop im örtlichen Supermarkt und an der Tankstelle, geht es weiter in Richtung Norden und Mendocino auf dem Highway No. 1. An ein paar schönen Abschnitten halten wir an und gehen an der Küste spazieren. Auch die kleine Sea Ranch Kapelle, ein Tipp von K+Hs Nachbarin Amanda finden wir. Hier picknicken wir unsere Supermarkteinkäufe.

Danach geht es auf direktem Weg nach Mendocino. Inzwischen ist regnerisches Wetter herangezogen, so dass wir uns in Mendocino erstmal ein Café suchen. Viel mehr gibt es im ganzen Ort auch nicht zu sehen, irgendwie hatten wir uns Mendocino größer und mondäner vorgestellt.

Da es in der ganzen Region kaum Handy-Empfang gibt, checken wir schnell per Internet, wann wir unsere Übernachtungsgelegenheit beziehen können. Diesmal haben wir kein Hotel gebucht (das Bed and Breakfast, das K+H uns empfohlen hatten, war wie erwartet schon ausgebucht), sondern wir haben ein Zimmer über AirBnB gemietet. Unser Gastgeber ist Jim, schätzungsweise 70 Jahre alt. Sein Haus ist Teil eines ganzen Wohnparks für ältere Menschen, der etwas außerhalb von Mendocino liegt. Wir bekommen sein Gästezimmer und ein eigenes Bad. Sogar die Küche können wir mit nutzen, so dass wir abends schnell Pasta und morgens Tee kochen können.  Nachts regnet es immer mal wieder, so dass wir nicht sicher sind, ob aus unserer geplanten Wanderung für den nächsten Tag tatsächlich etwas wird.

Die Küste nach Norden (Teil 1)

Am Donnerstag Nachmittag haben wir uns in Berkeley einen Mietwagen geliehen. Unser Ziel ist der Küstenstreifen nördlich von San Francisco: über Point Reyes, Bodega Bay, Mendocino, Fort Bragg, den Humboldt State Park bis nach Eureka wollen wir bis zum Sonntag fahren. Insgesamt sind das etwa 260 Meilen und insgesamt etwa 12 Stunden Fahrt, die wir auf drei Tage aufteilen wollen.

Berkeley bis Bodega Bay

Die erste Etappe führt von unserem Startpunkt Berkeley heraus über die Richmond-St. Rafael-Brücke in Richtung Norden. Von der Brücke aus sieht man in westlicher Richtung San Quentin, eine Halbinsel, die vor allem wegen des dortigen Gefängnisses bekannt ist.

Kurz nach der Brücke geht es in Richtung Point Reyes, eine Halbinsel, die sowohl Marschland als auch Pazifikküste hat und die auch für ihre Austernzucht bekannt ist. Leider hat Drakes Oyster Farm schon geschlossen, als wir Point Reyes erreichen. Dafür haben wir einen fantastischen Blick auf den Pazifik. Es geht kaum Wind und ist noch schön warm, so dass wir mit den Füßen im Wasser planschen, als wir den Stand entlanglaufen.

Weiter geht es dann in Richtung Bodega Bay. Hier wurden Alfred Hitchcocks Vögel gedreht und wir haben uns für die Nacht ein Zimmer im Bodega Bay Inn reserviert. Abendessen gibt es direkt im daneben gelegenen Restaurant Terrapin Creek. Hier holen wir die Austern als kleine Vorspeise nach und bestellen dann Parppadelle (das sind die ganz breiten Nudeln), einmal vegetarisch und einmal mit Ochsenschwanz-Ragout. Beides wunderbar. Dazu gibt es die hausgemachte Limonade und ein amerikanisches Hefeweizen, das auch so heißt und so schmeckt.

Von den Annehmlichkeiten, die das Bodega Bay Inn noch bietet (Kaffee, riesige Auswahl an DVDs) nutzen wir nichts mehr. Das Hotel liegt direkt am Highway No. 1, dennoch ist es nachts vergleichsweise ruhig. Der Zimmerpreis ist für das was es (auch an Sauberkeit) bietet, deutlich zu hoch. Aber das Bett ist riesig und wir schlafen gut, das war das wichtigste.

Auf der Suche nach Brot

Und es gibt sie doch, die Bäcker. In den ersten Tagen hier war mir aufgefallen, dass es nur sehr wenige reine Bäckerein gibt. So langsam kommen sie jedoch aus ihren Verstecken. Nach dem Brot von ACME, dass ich bei Wholefoods gekauft hatte, und dem Brot von Boudins am Fishermans Wharf, habe ich als nächstes eine kleine Bäckerei in der Valencia Street, Ecke 24te Straße ausprobiert: Arizmendi.

Der kleine Laden verkauft Brote, Baguettes, süße Stückchen und auch Pizza. Zwei Brote habe ich schon gekauft, fotografiert allerdings nur eines. Das Vollkornweizen-Sauerteig Brot. Es ist  „dunkelste“ Brot, dass ich bisher hier gegessen habe, schmeckt mir aber, genauso wie das Baguette von Arizmendi, bisher am besten. Der Preis liegt bei 3 Dollar.

Bekannter als Arizmendi – und auch eine Kooperative – ist die Cheeseboard Factory in Berkeley.  Vielleicht kommt nächste Woche die Gelegenheit, dort ein Brot oder eine Pizza zu probieren.