Monatsrückblick – April 2017

|Gesehen| Akira Kurosawa: Rashomon (1950) – Akira Kurosawa: Die sieben Samurai (1954) – Akira Kurosawa: Ran (1985) – Ozu Yasujiro: Tokyo monogatari (1953) – Kenji Mizoguchi: Ugetsu monogatari (1953) – Kenji Mizoguchi: Sansho Dayu (1954) – Sebastián Lelio: Gloria – Haaifa Al Mansour: Wadjda – Pier Paolo Pasolini: Il vangelo secondo Matteo – Pier Paolo Pasolini: Uccellacci e uccellini – George Ovashvili – Die Maisinsel
|Gelesen| George Orwell: 1984 – William Golding: Lord of the Flies – Das Evangelium nach Matthäus
|Gehört| Johann Sebastian Bach: Jesu bleibet meine Freude
|Getan| ein ruhiges Osterwochenende zu Hause verbracht, viel Frühstücken, viel Kuchenbacken, überhaupt viel Kochen, sehr schönen Familienbesuch zum Spargelessen gehabt, mit Freunden in den USA skypen, alte Freunde zum Essen besucht, allerlei kleine und größere Kinder bespaßt, zum Gallery Weekend in Berlin gegangen
|Gegessen| Sushi bei Ishin, Bratwürste auf der Domäne Dahlem, mit T&AS im LuLa, Brot vom Bäcker Kapp: Chapeau und Pain Breton, Abendessen im Cookies Cream,
|Getrunken| Achel Blond 8° (belgisches Trappistenbier)
|Gefreut| Über gleich zwei neue Babies bei Freunden. Dass das alte Sofa eine neue Besitzerin gefunden hat und dass sich die beiden Berliner Sauerteiglinge tatsächlich haben reaktivieren lassen.
|Geärgert| Über diese verdammte Kälte: Wind und 3 Grad morgens Ende April.
|Gekauft| Fahrkarten und Übernachtungen für unseren Urlaub im Juni.
|Geklickt| ebay Kleinanzeigen, um das alte Sofa zu verschenken. Nachdem das Sozialkaufhaus sich nie zurückgemeldet hatte, gab es über ebay gleich fünf Interessenten.
|Hätt‘ ich Zeit und Geld, würd‘ ich…| mit einer DS alle Nationalstraßen Frankreichs abfahren

Zeitereignisse – März 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Der EuGH urteilt, dass Mitgliedsstaaten der EU keine humanitären Visa ausstellen dürfen.

Im Vorfeld des Verfassungsreferendums in der Türkei gibt es Diskussionen über Wahlkampfauftritte türkischer Politiker – vor allem der Regierungspartei AKP – in Deutschland. Von behördlicher Seite werden Verbote ausgesprochen. Türkische Politiker sprechen von Nazi-Methoden. Die Diskussionen und Verbote weiten sich auf andere europäische Länder aus. Tage später erklärt die AKP ihren Verzicht auf Wahlkampfauftritte in Deutschland.

Nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts dürfen Todkranke in schwerwiegenden Ausnahmefällen Suizid begehen. Mediziner müssen das Gift in diesen Fällen bereit stellen.

Bei der niederländischen Parlamentswahl gewinnt die Volkspartei von Mark Rutte den höchsten Stimmenanteil. Zweitstärkste Kraft wird die rechtspopulistische Partei von Geert Wilders. Im Vorfeld der Wahl gab es Befürchtungen, dass die niederländische Wahl den Auftakt für einen Rechtsruck westeuropäischer Staaten gibt.

Die Bundesversammlung wählt Frank-Walter Steinmeier zum zwölften Bundespräsidenten Deutschlands.

Nach einer Gesetzesvorlage gelten Männer, die wegen sexuellen Handlungen mit anderen Männern nach §175 verurteilt wurden, nicht mehr als vorbestraft und sollen finanzielle Entschädigung für Verurteilung und Haftstrafen erhalten.

Vor dem Gebäude des britischen Parlaments werden Passanten getötet. Der Attentäter wird erschossen.

Die Landtagswahl im Saarland ist der Auftakt für das Wahljahr. Stärkste Kraft bleibt die regierende CDU, vor der SPD, den Linken und der AfD.

Das schottische Parlament stimmt für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum.

Die britische Regierung beginnt offiziell mit dem Austrittsprozess aus der EU.

Gelesen – gesehen – gehört #2

Durch den Wald von Nara streifen die Sikahirsche unter den Wipfeln der Sicheltannen und Zypressen. Manchmal findet man die Hirsche auch im Schatten der Tempelanlagen. Im 8. Jahrhundert war Nara für 74 Jahre der Sitz des Machthabers von Japan. Geblieben sind aus dieser Zeit buddhistische und shintoistische Heiligtümer ganz aus Holz.

Akira Kurosawa streift durch die alten Bauten in Vorbereitung seines Films Rashomon. Er denkt über die Beschaffenheit des Tores nach, zu dessen Füßen Szenen des Films spielen sollen. Im Anblick der alten Bauten steigert sich in Kurosawas Vorstellung die Größe der Kulisse immer mehr. Der Zusammenhalt des Filmteams ist groß. Die Filmcrew erfindet eine Mahlzeit, die aus Rindfleisch, rohen Zwiebeln und einer Sauce aus Currypulver und Butter besteht. Jedesmal bevor die Gruppe den Wald betritt, streuen sie sich Salz über die Haut, um das Anhaften der Blutegel zu verhindern. Die Kamera richtet sich direkt in die Sonne. Um den Regen im Bild sehen zu können, wird dem Wasser schwarze Tinte hinzugesetzt.

Drei Vertreter der Filmfirma verstehen das Skript des Films nicht und lassen es sich von Kurosawa erklären. Zwei der drei kann er überzeugen, es noch einmal genau zu lesen. Kurosawa erklärt:

Human beings are unable to be honest with themselves about themselves. They cannot talk about themselves without embellishing. This script portrays such human beings–the kind who cannot survive without lies to make them feel they are better people than they really are. […] Egoism is a sin the human being carries with him from birth; it is the most difficult to redeem. This film is like a strange picture scroll that is unrolled and displayed by the ego. You say that you can’t understand this script at all, but that is because the human heart itself is impossible to understand. If you focus on the impossibility of truly understanding human psychology and read the script one more time, I think you will grasp the point of it.

Unter einem Tor suchen ein Holzfäller, ein Mönch und ein Bürger Schutz vor dem Regen. Der Holzfäller starrt ins Feuer und murmelt Unverständnis über eine Geschichte. In einem Wald trifft ein Ehepaar auf einen Banditen. Der Bandit vergewaltigt die Frau. Die Leiche ihres Mannes wird vom Holzfäller gefunden. Vor einem Gericht sagen alle drei beteiligten Personen aus: der Bandit, die Frau und der verstorbene Mann, der durch ein Medium spricht. Alle drei Aussagen unterscheiden sich voneinander, sind aber einzeln gesehen plausibel und logisch.

Unter dem Tor gibt der Holzfäller zu, dass er die Begegnung versteckt im Gebüsch beobachtet hat. Nach der Vergewaltigung habe der Bandit die Frau gebeten, sich ihm anzuschließen. Sie lehnte das ab und forderte stattdessen von ihrem Mann und dem Banditen einen Kampf, so dass sie sich dem Sieger anschließen könne. Die beiden Männer haben nicht kämpfen wollen. Der Ehemann verlangte von seiner Ehefrau den sofortigen Selbstmord. In ihrer Verzweiflung klagte die Frau beide Männer an, nicht um sie kämpfen zu wollen. In einem unrühmlichen Handgemenge mit dem Banditen sei der Mann schließlich umgekommen. Die Frau und der Bandit fliehen auf getrennten Wegen. Der Holzfäller tritt aus seinem Versteck und nimmt heimlich einen Dolch an sich, den die Frau verloren hat.

Unter dem Tor wird die Erzählung durch das Weinen eines Babys unterbrochen. Der Bürger nimmt ein Amulett und einen Kimono aus dem Körbchen. Er wird vom Holzfäller angeklagt, weist diesen aber wegen seines eigenen Diebstahls zurecht, und verschwindet. Der Holzfäller nimmt das Baby aus den Armen des Mönches. Dessen Enttäuschung über die Menschen vergeht, als er vom Holzfäller erfährt, dass dieser schon sechs Kinder hat und sich auch noch um ein weiteres kümmern kann.

Akira Kurosawa: Rashomon (1950)

Quelle: Akira Kurosawa on Rashomon

Monatsrückblick – März 2017

|Gesehen| Robert Rodriguez, Frank Miller, Quentin Tarantino: Sin City – Clint Eastwood: Million Dollar Baby – Maren Ade: Alle Anderen – Detlev Buck: Same Same But Different – Cary Fukunaga: Sin Nombre –  Bong Joon-ho: Snowpiercer – Steve McQueen: Twelve Years A Slave – Jonathan Dayton, Valerie Faris: Little Miss Sunshine – David Mackenzie: Young Adam – Aki Kaurismäki: Der Mann ohne Vergangenheit – Alfonso Cuarón: Gravity – Schulz und Böhmermann, Folge 6 – Ryan Coogler: Fruitvale Station – Ulrich Seidl: Paradies: Glaube – Ulrich Seidl: Paradies: Hoffnung – Aki Kaurismäki: Ariel, Abgebrannt in Helsinki – Aki Kaurismäki: Le Havre
|Gelesen| Luther Blissett: Q – Hans-Jörg Gilomen: Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters – Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln – Robert Seethaler: Der Traffikant
|Gehört| Philip Glass: Glassworks – Philip Glass: Akhnaten – Philip Glass: Violinkonzert No. 1, „Happy“ – Die Reportage zum Film bei DRadio Wissen, Jonathan Franzen – Freedom (als Hörbuch)
|Getan| am Frauentag nicht gestreikt aber frei genommen, den Balkon wieder mit Stühlen und Tisch ausgestattet, liebe Übernachtungsgäste gehabt, Baby schuckeln – Baby anschauen – Baby schieben, einen fröhlichen Abend mit Freunden und Literatur verbracht, ein MRT von innen gesehen (Teiluntersuchung für die NaKo), Frühlingsspaziergang im Waldpark
|Gegessen| im Freistoff in den Edison Höfen (Berlin), Lütticher Waffeln – Brioche vendéenne – Gänseleber – Cassoulet au Confit de Porc – Rinderbraten an Morchelrahmsoße und Klöße – Mezze (Blumenkohlkuchen, Fenchelsalat, Hummus, Datteln in Speck, Carottes Rapées) – Entrecôte, Spinat und Pommes – Käsespätzle – Chocolat Noir Manjari (Valrhona)
|Getrunken| Müller Thurgau 2014, Stefan Vetter, Franken – Scheurebe Qventera 2014, Kühling-Gillot, Rheinhessen – La Chouffe (belgisches Bier) – selbstgemachte Zitronenlimonade
|Gedacht| von Winterjacke auf T-Shirt in nur zwei Tagen: Freitag morgen mit Winterjacke zur Arbeit, abends im Pullover heim, Samstag morgen nur im T-Shirt auf dem Rad
|Gefreut| über die beiden ersten sonnigen Frühlingswochenenden
|Geärgert| über zwei fiese Erkältungen (Husten, Schnupfen, Halsschmerzen), darüber, die beiden Sauerteige zu wenig gepflegt zu haben und sie wegwerfen zu müssen (Hoffnung: die beiden Berliner Ableger leben noch und können wieder reaktiviert werden)
|Gekauft| jede Menge Semi-Medikamente, um die Erkältung abzumildern (Nasenspray, Thymian-Kapseln, Vitamintabletten und eine große Box Taschentücher)
|Geklickt|  Demos zu Software Synthesizern
|Hätt‘ ich Zeit und Geld, würd‘ ich…| einen ER-101 Sequencer kaufen

Museum Ludwig in Köln

Vor 40 Jahren schenkte das Ehepaar Ludwig der Stadt Köln Werke aus ihrer Sammlung, die sich seit 30 Jahren im Museumsbau hinter dem Kölner Dom befinden. Zum Jubiläum wurden nun Kunstwerke, die in besonderer Verbindung mit dem Museum stehen.

Schon an der Außenfassade des Museums hängt ein Plakat der Guerrilla Girls, die ironischerweise die Vorzüge des Mäzenatentums preisen. Die Vorzüge, ein eigenes Kunstmuseum zu besitzen, sind unter anderem, dass man – wie in der eigenen Firma – der Chef ist, dass Kunstproduzenten und -vermittler einem in den Hintern kriechen und dass man mit Schenkungen steuern sparen kann.

Im Innern überwindet der Besucher dann gleich zu Beginn Ahmet Ögüts Installation Bakunin’s Barricade – indem er hinter den beiden umgekippten Autos in die Sammlungsräume geht. Michail Bakunin hatte während den revolutionären Vorgängen 1849 in Dresden die Idee, Bilder aus der Staatlichen Gemäldesammlung auf die Straßenbarrikaden zu hängen, um die anrückenden Soldaten zu stoppen. In Anlehnung dazu legte Ögüts fest, dass der Käufer seines Kunstwerk im Falle eines Konflikts zur Verfügung stellen soll.

Hans Haackes Arbeit Der Pralinenmeister dokumentiert kritisch das Entstehen des Museums Ludwig: Peter Ludwig war Kunsthistoriker und mit der Erbin eines Schokoladenfabrikanten verheiratet. Auf welche Weise das Sammlerehepaar sich Einfluss auf die Sammlung auch nach der Schenkung an die Stadt Köln sichert, wird der Besucher zusammen mit den Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten ihres Unternehmens  schriftlich informiert. Die Gesinnung der Spender wird genüsslich verrissen.

Meschac Gabas Arbeit Reflection Room besteht aus einem Zelt, das einen unwillkürlich an eine provisorische Flüchtlingsunterkunft denken lässt. Die Zeltplane stellt die Flaggen aller Staaten der Welt dar. Symbolisch treffen sich also alle Nationen der Welt im Reflection Room. In seinem Innenraum sind tatsächlich auf Tischen Malutensilien für jedermann/-frau verteilt. Pratchaya Phinthong schenkte im Vorfeld der Ausstellung  geflüchteten Menschen in Bangkok hergestellte Jeans, welche diese dann für die Dauer der Austellung an die Mitarbeiter des Museums übergaben. An die Aktion erinnern in der Ausstellung zwei Teller, die von einem Essen des Künstlers mit den geflüchteten Menschen stammen.

Ansonsten kann man sich in der Menge der Sammlunghighlights verlieren. Das Museum ist weltbekannt für Pop-Art. Daher sind mehrere Räume dicht gehängt mit den Erzeugnissen deren Vertreter, wie etwa Jasper Johns Map, die auf Buckminster Fullers Versuch, eine verzerrungsfreie Projektion der Weltkugel zu schaffen, zurückgeht, Edward Kienholz silbrig-klebrige Soldatenhelden ohne Kopf, die im The Portable War Memorial unter der ewigen Wiederholung des Songs „God Bless America“ mit der Flagge in der Hand einen Imbisstisch erobern und den verkohlten Tarzan im Eck nicht wahrnehmen, das Punktraster in Roy Lichtensteins M-Maybe (A Girl’s Picture), das der Emotion des Bildausschnitts aus einem Comic-Strip keinen Abbruch tut, Richards Lindners trivialisierende Fetischobjekte in Disneyland, Tom Wesselmanns plakative Collage eines VW Käfers in Landscape No. 2 und eines Badezimmers mit Wäschekorb, Duschvorhang und Handtuch als reale Objekte in Bathtub 3, und zuletzt James Rosenquists Star Thief, dessen im Weltraum liegende, monumentale Speckstreifen das gesamte Treppenhaus ausfüllen (auch weil es als Wandgemälde des Miami Airport nicht akzeptiert wurde).

Zudem gibt es einige Klassiker zu sehen wie Paul Klees Hauptweg und Nebenweg oder Pablo Picassos Musketier und Amor (hinter welchem der beiden mag sich der Künstler verbergen?). Und auch Arbeiten jüngerer deutscher Künstler sind zu sehen: A. R. Pencks Gemälde Ich in Deutschland (West) zeigt aus der Sicht des Künstlers alles, wird aber aufgrund seiner Ausmaße (6m auf 12m) selten gezeigt. Bei Isa Genzkens Installation Kinder filmen werden destruktive Elemente der Konsumwelt inszeniert. Wolfgang Tillmans bekommt wie immer einen ganzen Raum für seine Fotos in unterschiedlichen Formaten und Martin Kippenbergers Kanarienvögel zerfließt das Zitronengelb im Angesicht des Mündungsrohrs eines Panzers.

 

Zeitereignisse – Februar 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Das House of Common stimmt dem Gesetz zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU zu.

Das Europäische Parlament stimmt dem Handelsabkommen CETA zu.

Ein internetfähiges Kinderspielzeug wird wegen eines ungesicherten Zugriffs auf das Mikrofon vom Markt  genommen.

Bei einem Pressekommuniqué des Weißen Hauses werden Vertreter bestimmter Medien ausgeschlossen.

Monatsrückblick – Februar 2017

Und auch in diesem Monat gibt es wieder einen Rückblick. So spät waren wir damit noch nie dran, momentan sind aber selbst die Wochenenden voll mit Arbeit:

|Gesehen| Michael Haneke: Funny Games – Michael Haneke: Code: Unbekannt – Roman Polanski: The Ghostwriter – Xavier Dolan: Laurence Anyways – Atom Egoyan: The Captive – Duncan Jones: Moon – Wes Anderson: The Darjeeling Limited – Jules Dassin: Rififi
|Gelesen| Dave Eggers: The Circle – Lembcke, Ritzi, Schaal: Zeitgenössische Demokratietheorien
|Gehört| Fest & Flauschig als Podcast bei Spotify
|Getan| als Proband an der Nationalen Kohorte (NaKo) teilgenommen, Geburtstagsfrühstücksbrunch unter Frauen, einen neuen Chef bekommen und eine Kollegin verabschiedet, Babysitting, mit Mama Geburtstag gefeiert, gute Freunde in ihrer neuen Wohnung besucht
|Gegessen| Stroopkoeken, Freitagspizza, jede Menge selbst gemachten Kuchen (Baumkuchen, Aprikose-Rahm, Käse-Sahne-Torte, Schweizer Nuss-Rührkuchen), Suppe aus gelben Beeten, Mohrrüben, Steckrüben und Butterrüben
|Getrunken| Rochefort 8, Trappistenbier – Schloss Proschwitz, Goldriesling, 2015 – Chablis Premier Cru 2014, Fourchaume, Domaine L. Chatelain
|Gedacht| jeden Sonntag Kuchen backen wäre auch schön
|Gefreut| über die Geburt des Patenkindes
|Geärgert| über zu viel Arbeit
|Gekauft| Geschenke fürs Baby (Nagelschere, Zeitungen vom Geburtstag) und die Eltern (Blumen, Luftballons)

Zeitereignisse – Januar 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Der aufgrund des Putschversuches in der Türkei verhängte Ausnahmezustand wird verlängert. Frankreich hatte den ursprünglich wegen eines Terrorangriffs verhängten Ausnahmezustand zwischenzeitlich auch verlängert.

Ford gibt bekannt, eine geplante Fabrik in Mexiko nicht zu bauen und eine Fabrik in Michigan, USA, zu bauen.

Das türkische Parlament stimmt für eine Verfassungsänderung, nach der sich das parlamentarische Regierungssystem in ein Präsidialsystem ändert.

Das Bundesverfassungsgericht lehnt den Antrag auf Verbot der NPD ab, da die Partei „nicht das Potenzial [habe], die Demokratie in Deutschland zu beseitigen“.

Donald Trump unterzeichnet ein Dekret zum Austritt aus der Transpazifischen Partnerschaft (TPP).

Der Supreme Court weist die Berufung der britischen Regierung bezüglich des Urteils, dass das House of Commons dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU zustimmen muss, zurück.

Donald Trump unterzeichnet ein Dekret, das den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko anordnet.

Donald Trump erlässt ein Dekret zum Einreisestopp für Flüchtlinge aus Syrien und zu extremen Überprüfungen von Einreisewilligen aus dem Irak, Iran, Jemen, Libyen, Somalia und Sudan. Bundesgerichte heben das Einreiseverbot wieder auf.

In Rumänien protestieren Hundertausende gegen die neue Regierung, die u. a. ein Amnestiegesetz bei Amtsmissbrauch anstrebt.

Die Waffenruhe in der Ostukraine wird mehrmals gebrochen.

Monatsrückblick – Januar 2017

|Gesehen| Rainer Werner Fassbinder: Despair – Rainer Werner Fassbinder: Die dritte Generation – Michael Fengler und Rainer Werner Fassbinder: Warum läuft Herr R. Amok? – David Cronenberg: Cosmopolis – Krzysztof Kieślowski: Drei Farben: Blau, Weiß, Rot – Paolo Sorrentino: Il Divo – Paolo Sorrentino: La grande bellezza – Todd Haynes: I’m not there – Paul Thomas Anderson: The Master – Ulrich Seidl: Paradies: Liebe – Peter Weir: The Truman Show – Sonja Heiss: Hedi Schneider steckt fest – John Frankenheimer: The Manchurian Candidate – Charles Laughton: The Night of the Hunter – Joel and Ethan Coen: Barton Fink – Roman Polanski: Der Mieter – Ken Loach: Angels‘ Share, Grey’s Anatomy Staffel 12, Big Bang Theory Staffel 9
|Gelesen| Jonathan Franzen: Freedom – Andrzej Stasiuk: Die Welt hinter Dukla – Daniel Kehlmann:  Ruhm
|Gehört| NAS: Illmatic
|Getan| Herzbrötchen, Bagels und Kuchen gebacken, Kinder und Schwangere gehütet, im Museum Ludwig in Köln gewesen, im Jüdischen Museum in Berlin gewesen, Diskussionen über Politik geführt und die ersten Trump-Tage in den USA mit eingermaßen fassungslos verfolgt, bei der Nationalen Kohorte als wissenschaftliches Erkenntnisobjekt gewesen, den alten Chef verabschiedet, schlecht geschlafen, zu viel gearbeitet
|Gegessen| Burger bei Die fette Kuh in Köln, Ramen-Nudeln bei Cocolo’s in Berlin-Mitte, selbstgemachter Porridge aus geschrotetem Hafer (nicht aus Flocken), Engadiner Nusstorte, Geburtstags-Frühstück im LuLa
|Getrunken| Spätburgunder von Salwey, Baden – Karthäuser Silvaner Spätlese von Max Mülller, Franken
|Gelacht| über die #everysecondcounts-Videos der verschiedenen Länder
|Gefreut| über den Schnee in der ersten Januarwoche (auch wenn er zu spät kam, um noch in den Schwarzwald zu fahren), das neue Sofa, die Geburtstagsgeschenke, Geburtstagsblumen und Geburtstagskuchen
|Geärgert| über die vielen, vielen US-Amerikaner, denen jetzt erst auffällt, wen sie gewählt haben
|Gekauft| ein neues, tolles Sofa
|Gewünscht| dass der große Schreck am Jahresanfang keine langfristigen Folgen hat
|Geklickt| jede Menge auf der Website der Bahn, zum Züge buchen und umbuchen

Monatsrückblick – Dezember 2016

|Gesehen| Anthony Asquith: A Cottage on Dartmoor – Xavier Dolan: Tom à la ferme – Alexander Mackendrick: Sweet Smell of Success – Roman Polanski: Carnage – Lars von Trier: Dancer in the Dark  – Lars von Trier: The Boss of It All – Gareth Edwards: Rogue One, A Star Wars Story – Rian Johnson: Bricks – Christopher Nolan: Memento – Lindsay Anderson: if…. – Olivier Assayas: Die Wolken von Sils Maria – Olivier Assayas: Irma Vep – Rainer Werner Fassbinder: Chinesisches Roulette – Rainer Werner Fassbinder:  Angst vor der Angst- Rainer Werner Fassbinder: Mutter Küsters Fahrt zum Himmel – Jean-Pierre und Luc Dardenne: La fille inconnue – Rainer Werner Fassbinder: Satansbraten
|Gelesen| Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß – David Held: Models of Democracy – Wolfgang Büscher: Ein Frühling in Jerusalem
|Gehört| Radiohead: A  Moon Shaped Pool – Henry Purcell: Music for the Funeral of Queen Mary – Plainchant, Ars nova – Robert Greenberg: How to listen and understand great music – Björk: Post – Björk: Medúlla – Hector Berlioz: Requiem, op. 5 – Gabriel Fauré: Requiem, op. 48 – Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquintett g-moll, KV 516 – Freundeskreis: Quadratur des Kreises
|Getan| Stollen gebacken, am Brandenburger Tor #zusammen gestanden, Weihnachten zu Hause verbracht und das Menü gekocht, bei Emma Wolf gegessen, Haare geschnitten, Silvester spazieren gegangen
|Gegessen| Porridge bei Haferkater -Würstchengulasch – Chicken Tikka Masala und Paneer Karahi – Marrokanisches Zitronenhühnchen – Rehgulasch mit Cumberland-Sauce – Orecchiette alle cime di rapa – Stollen, Plätzchen, Schokolade, selbstgemachtes Müsli


|Getrunken| Kaffee (zubereitet als Mokka) aus Papua-Neuguinea (Sigri) – Go West! IPA und Porter von Anchor Steam Beer – Chimay Brune – Sacknacht! und Citra Ale von Hopfenstopfer – Fentimans Curiosity Cola – Siegfried Gin – Kubanischer Rum
|Gedacht| jetzt wird es aber ganz schön kalt
|Gefreut| über ein beruflich äußerst produktives Jahr, über lieben Besuch, über ruhige Tage zu Hause
|Gestaunt| dass schon fast zwei Berlin-Jahre vergangen sind
|Gelacht| über Twitter-Memes
|Geärgert| darüber, dass es nicht geschneit hat und wir zwischen den Jahren nicht in den Schwarzwald zum Langlaufen können
|Gekauft| zwei Paar Schuhe, Ski-Unterwäsche, eine Edelstahlpfanne, Weihnachtsgeschenke
|Gewünscht| weniger Sorgen, in der kleinen Welt und in der großen
|Geklickt| einen Streaming-Dienst probeabonniert