Wochenrückblick (#15)

|Gesehen| Akira Kurosawa: Kagemusha; David Cronenberg: Naked Lunch
|Gelesen| Jack Kerouac: On the Road; Tom Wolfe: The Kandy-Kolored Tangerine-Flake Streamline Baby
|Gehört| Mozart: Requiem; Liszt: Années de Pèlerinage
|Getan| morgens im Bankenviertel rumspaziert, in einem Pop-Up-Restaurant gewesen, die Weihnachtsbeleuchtung im Viertel angeschaut, Plätzchen und Stollen gebacken
|Gegessen| Bratwurst mit Bratkartoffeln und Rosenkohl, Pizza, Spaghetti alla Carbonara (gab es gleich zweimal, deswegen das Artikelbild oben), Käsetoast, Eierkuchen
|Getrunken| San Pellegrino Pompelmo, Smoothie bei Native Juice & Co. im Financial District (Popeye on Vacation in Thailand, sehr gut!)
|Gedacht| total abgefahren: zwei Tage vor Weihnachten die Zitrone für die Plätzchen barfuß aus dem Garten holen
|Gefreut| über jede Menge tolle Sonnenuntergänge diese Woche
|Gelacht| über Gs Papa, der am Telefon sagte:  „Ich habe meinen Adventskalender erst am 16. bekommen. Dafür habe ich dann gleich die ersten acht Türchen auf einmal gegessen.“
|Geärgert| über nur halb funktionierendes Internet, es fällt immer stundenlang aus
|Gekauft| geliehen: Yogamatte und ein Foam-Roller für die Weihnachtspause
|Gewünscht| mehr Schnee in den Bergen
|Geklickt|  Wetter und Schneehöhen in Squaw Valley

Wochenrückblick (#14)

|Gesehen| THX 1138, The Good Wife (zweite Staffel), The Intouchables.
|Gelesen| Michael Pollan: In Defense of Food, T.C. Boyle: Grün ist die Hoffnung.
|Getan| Mal wieder einen Spaziergang durch unser Viertel unternommen, über den Campus in Stanford geschlendert, Dirk Nowitzki Basketball spielen gesehen (Golden State Warriors gegen Dallas Mavericks), den Rundumblick am Mount Tamalpais genossen, Wale gesehen, am Point Lobos und in den Muir Woods gewandert.
|Gegessen| Lachs mit Gemüse-Strozzapreti (Pasta), Primi und Pizza im Piccino, Austern frisch aus dem Pazifik, sehr gut und original im Duarte’s Tavern in Pescadero.
|Getrunken| Vor allem Tee, ansonsten noch Limo, Cola, Eistee und Anchor Steam Christmas Ale.
|Gedacht| Es gibt Weihnachtsdeko, Menschen, die Weihnachtsbäume nach Hause tragen, und überall läuft Weihnachtsmusik – so richtig vorweihnachtlich fühlen wir uns trotzdem nicht.
|Gefreut| Über M’s Eltern, die momentan zu Besuch sind.
|Gelacht| Über die Kolibris am Eukalyptus-Baum vor unserem Haus.
|Geärgert| Über einen ausgefallenen Bus auf der Fahrt zum Basketballspiel – wir haben es zum Glück trotzdem pünktlich geschafft.
|Gekauft| Wanderkarten für die Muirwoods und Point Lobos.
|Gewünscht| Weniger Nebel bei Point Reyes – ist aber nicht in Erfüllung gegangen.
|Geklickt| Autovermieterseiten für die Mietwagenbuchung.

Wochenrückblick (#13)

|Gesehen| ein paar Folgen der ersten Staffel „The Good Wife“, „On the road“ von Walter Salles
|Gehört| Herbie Hancock: „Thrust“ und „Head Hunter“
|Gelesen| Timothy Ferris: The 4-Hour-Work-Week
|Getan| Tour durch die Anchor Steam Brewery, Murals im Stadtteil Mission angeschaut, Stadtwandern durch den Golden Gate Park und weiter zu Land’s End
|Gegessen| Pasta mit Hack von glücklichen Schweinen, frischer Salat aus der Gemüsekiste, Kürbissuppe, Rib Eye Steak mit Ofenkartoffeln, mal wieder Bäckerbrot
|Getrunken| fast alle Sorten Anchor Biere
|Gedacht| Mensch ist das kalt geworden.
|Gefreut| über Weihnachtspost von meinen Eltern.
|Gelacht| mit den anderen Brauereibesuchern bei der Verkostung
|Geärgert| über die hohen Preise für Leihfahrräder
|Gekauft| nix
|Gewünscht| Dass das neue Thermostat rechtzeitig kommt und die Heizung funktioniert.
|Geklickt| Stadtpläne und Busfahrpläne, um unsere Unternehmungen zu planen

Radwandern in San Francisco

Wie ich aus der Ferne mitbekommen habe, kippt gerade in Mannheim der Plan, die große Verkehrsader direkt an der Uni mit einem ordentlichen Radweg auszustatten. Ich rufe deshalb leise aus der Ferne: Nehmt euch ein Beispiel an San Francisco!

Wir radwandern ja schon seit einiger Zeit durch die Stadt. Und obwohl wir im täglichen Verkehr zahlenmäßig eine Randgruppe darstellen, fühlen wir uns eigentlich ganz wohl. Hier ein paar Beispiele wie Fahrradfahrer in San Francisco umsorgt werden: Zu aller erst, ja, es gibt verschiedene nummerierte Fahrradwege, die durch die Stadt führen. Das hätten wir vorher auch nicht gedacht. Und die Fahrradwege sind zum größten Teil sehr gut ausgeschildert. Weiterhin werden teilweise abgetrennt von den Autospuren eigene Fahrradspuren angeboten. Sie sind im satten grün auf dem Asphalt markiert (natürlich grün, die Farbe für Umweltbewusstsein und freie Fahrt ;-)).

Die Autofahrer scheinen nicht wie in Deutschland der natürliche Feind des Fahrradfahrers zu sein (und im Übrigen die Radler wiederum auch nicht diejenigen der Fußgänger). Vielmehr läuft alles recht gemütlich ab. Durch die Rasterstruktur der Straßen kommt man alle hundert Meter an eine Kreuzung, die mit einem Stoppschild versehen verlangt, einen Moment innezuhalten. Als erster darf sich derjenige wieder bewegen, der auch als erster zur Kreuzung kam. Wir Fahrradfahrer indessen können die Kreuzungen gemütlich überrollen, bekommt man doch von jedem Autofahrer mit einer Hand- oder Kopfbewegung signalisiert, dass man gerne den Vortritt lässt. Und nicht häufig ist diese kleine non-verbale Kommunikation mit einem Lächeln verbunden. Wir sind uns allerdings noch nicht klar darüber, was hinter diesem netten Verhalten steckt: ein Eingeständnis, dass man sich doch auch mal etwas umweltbewusster die eine Meile durch die Stadt bewegen könnte; oder aber eine Form der stillen Verachtung: „Fahrt nur ihr armen Irren. Ihr könnt euch wohl kein Auto leisten“.

Wie schon erzählt, hat die Stadt zahlreiche Hügel, wobei jeder für sich teilweise heftige Anstiege hat. Unbedarftes Vorgehen kann schnell damit enden, dass man einen der Hügel mit letzter Kraft hochkeucht, im Vertrauen dann endgültig oben zu sein. Nicht selten gibt die Spitze des Hügels dann aber den Blick auf eine rasante Abfahrt und die nächste Maximalst-Steigung frei. Vorallem das Vorankommen in Ost-West-Richtung ist dadurch erschwert. Mitten in der Stadt wurde deshalb ein Zickzack-Kurs (Wiggle) über mehrere Blöcke hinweg ausgeschildert, der die zu überwindenden Höhenmeter in beide Richtungen fast auf null reduziert. Und damit man auch des Nachts keinen der mehreren Abzweige verpasst, befinden sich lichtreflektierende Markierungen auf der Straße.

Zuletzt kann man sogar sagen, dass die Stadt auch ein wenig stolz auf ihre Radfahrer ist. Heute haben wir auf der Market Street (eine der Hauptverkehrsadern) bemerkt, dass die hier durchkommenden Fahrradfahrer gezählt und mit einem Dank versehen werden. An dieser Stelle sind dieses Jahr wohl schon gut 350.000 Radler vorbeigekommen. Das sind immerhin über 1.000 pro Tag.

Wochenrückblick (#12)

|Gesehen| Downton Abbey (3. Staffel), Fahrstuhl zum Schafott
|Gelesen| Jacob Tomsky: Heads in Beds, Piper Kerman: Orange is the New Black
|Gehört| Miles Davis, Louis Armstrong, Herbie Hancock, John Coltrane
|Getan| die Twin Peaks hinaufgeradelt, am Meer gewesen, größere Mengen Brot gebacken und eingefroren, ins Einkaufsgetümmel am Black Friday (Freitag nach Thanksgiving) gestürzt, die Mission Dolores angeschaut, im Asian Art Museum gewesen
|Gegessen| Blumenkohl-Curry, Pasta mit Stängelkohl und Speck, Birchermüsli, Focaccia, Eierkuchen, Gemüse-Paella, Blumenkohl Frittata mit frischem Hausbrot, Ramen bei Waruku in Japantown, Frühstück bei der Tartine Bakery
|Getrunken| Orangina, Anchor Steam Beer
|Gedacht| dass die Kirche an der Ecke vom Dolores Park gar nicht die Mission Dolores ist. Die steht etwa 300 m weiter nördlich.
|Gefreut| über das erste Türchen im Tee-Adventskalender und den Pumpkin Pie von unserer Nachbarin
|Gelacht| über mich selbst. Ich bin am Dienstag mit riesigem Muskelkater wie ein Omi umhergeschlichen , weil ich am Abend zuvor versucht hatte, Rückenverspannungen mit Tennisbällen zu lockern.
|Geärgert| immer noch über meine Backkünste, vor allem bei hellen Weizenbroten. Sie schmecken prima, aber sie sehen furchtbar aus.
|Gewünscht| So einen Foam Roller, wie wir ihn beim Pilates immer zum Muskeln lockern benutzen. Die Tennisbälle waren dann aber ähnlich effektiv.
|Gekauft| ein Luftbett, Jeans beim Blackfriday
|Geklickt| die interaktiven Erklärungen auf der Webseite des SF Moma. Das ist Internet „at it’s best“ für die Erkundung des Museumsbestandes und weitere Erklärungen, während das Museum umgebaut wird.

Wie wir hier einkaufen Teil 1: Der Supermarkt

Der Supermarkt, der für uns am nächsten liegt, ist ein WholeFoods Market. Frei übersetzt bedeutet der Name in etwa „Vollwertige Lebensmittel“. Das ist eine Kette relativ kleiner Supermärkte mit einem großen Angebot an biologischen Lebensmitteln. Es ist definitiv nicht der Durchschnittssupermarkt der Amerikaner, insofern kann ich hier keine weiteren Klischees bedienen. Für uns ist er aus vier Gründen unser erster Anlaufpunkt: Er ist nah, hat Bioprodukte, es gibt Fahrradparkplätze und viele Sachen, die aus der Region kommen.

Auffällig ist, dass man viele Sachen aus Europa findet. Nicht nur Käse aus Frankreich oder Pasta von De Checco sondern auch Wasser aus Deutschland: Gerolsteiner Mineralwasser. Evian gibt es übrigens auch. Die schippern Wasser aus Europa an die Westküste, es ist kaum zu glauben. Zudem gibt es eine wahnwitzige Palette an importiertem Bier und Wein. Grüner Veltiner aus Österreich gefällig? Kein Problem. Absurd, wenn man überlegt, dass mit Sonoma und Napa zwei großartige Weingebiete nur etwa eine Autostunde entfernt liegen. Allein am Anteil der importierten, konventionellen Produkte sieht man, dass nicht das ganze Angebot aus Bio-Ware besteht und nur zu einem kleinen Teil wirklich regional ist.

Nicht nur bei WholeFoods, sondern auch bei anderen Supermärkten hier, findet sich eine Abteilung mit loser Ware. Das habe ich so noch in keinem Land gesehen. Oben im Artikelbild sieht man die Boxen mit Getreidekörnern, Mehlen, getrockneten Früchten, Nüssen, Samen. Manchmal gibt es auch lose Tees, Kräuter und Gewürze zum Selbstabwiegen, was sehr praktisch ist, wenn man wie wir das alles irgendwann auch aufessen muss. Den Boxeninhalt schaufelt man sich aus den Containern in kleine Tüten und bezahlt nach Gewicht. Auf diese Art und Weise kommen wir günstig zu unserem Roggenmehl, zu Haferflocken, gemahlenen Mandeln und Pekannüssen. Außerdem gibt es in manchen Märkten Mühlen für Erdnussbutter und Mandelbutter, die man sich selbst frisch quetschen und abfüllen kann.

WholeFoods bietet nur „natürliche“ Produkte an und definiert das nach eigenen Kriterien: ohne künstliche Aromen, frei von Farbstoffen, Süßungsmitteln und Konservierungsmitteln. Damit ist das Angebot deutlich abseits von typisch amerikanischen Produkten und relativ hochpreisig. Ich habe Bewertungen gelesen, in denen WholeFoods auch als „whole paycheck“ also „volles Gehalt“ verspottet wird. Das kann man gut dort ausgeben, denn die Preise liegen deutlich über denen in Deutschland. Aber das wundert niemanden, oder? (Nicht weil es in Amerika zu teuer, sondern eher weil es in Deutschland zu billig ist.) Wir geben pro Woche etwa 80 Dollar aus und kaufen vor allem Pasta, Käse und Wurst, Mehl und andere Backzutaten, Saft, Milch, manchmal Limo, Obst, Eis und Snacks. Gemüse kaufen wir kaum, da wir dies in unserer Gemüsekiste bekommen. Darüber dann nächste Woche mehr.

Wochenrückblick (#11)

|Gesehen| Blade Runner, The Help, Downton Abbey (2. Staffel)
|Gelesen| Tina Fey: Bossypants (gehört), Rebecca Solnit: Infinite City
|Getan| Spaziergang im Dogpatch, die Filmore Street erkundet, in Haight-Ashbury gewesen, das Civic Center und die City Hall erkundet, ausgiebiges Sonntagsfrühstück mit C, weiterhin ein bisschen Yoga und Pilates
|Gegessen| Kartoffelsuppe mit Kerbel, Kartoffel-Gemüse-Pfanne, Pasta mit Tomatensauce, Gebratener Butternuss-Kürbis mit Chorizo und Mangold, auf den Kopf gestellter Cranberry-Kuchen, Cheeseburger bei Naked Lunch, Kaffee im Farley’s
|Gedacht| Dienstag und Mittwoch waren die ersten Tage, an denen es geregnet hat. Die ersten Tage, seit wir hier sind!
|Gefreut| über den rumgedrehten Kuchen, der nach dem dritten Versuch endlich gelungen ist (Rezept kommt noch)
|Gelacht| beim Sockenfußball im Flur
|Geärgert| über die Waschmaschine, die unsere Sachen teilweise sehr rauh behandelt
|Gekauft| nix
|Geklickt|  Seite der SF Bücherei, um Nachschub an Büchern, Audiobooks und DVDs zu ordern

Wie es ist, nicht zu arbeiten

Mehr als sechs Wochen ist mein letzter offizieller Arbeitstag inzwischen her. Zuvor lagen noch einmal so viele Wochen Resturlaub. Zeit, darüber zu berichten, was ich so treibe und wie es sich so anfühlt ohne Job zu sein.

Arbeitslos bin ich nicht, zumindest nicht im Sinne der deutschen Behörden. Mit meinem Aufenthalt hier gelte ich nicht als arbeitssuchend, ich könnte ja auch gar keine Arbeit in Deutschland suchen, Vorstellungstermine wahrnehmen oder mich bei der Agentur melden. Damit erhalte ich auch keine Arbeitslosenunterstützung. Rein statistisch zähle ich zu den Nichterwerbspersonen, also Menschen im arbeitsfähigen Alter, die aber nicht am Arbeitsmarkt aktiv sind. Um es vorweg zu nehmen: bisher komme ich ganz gut damit klar.

Um mit M mitgehen zu können, musste ich meinen Vertrag auslaufen lassen. Trotz allem Entgegenkommen meines Arbeitgebers und einem erneuten Verlängerungsangebot, wäre es nicht möglich gewesen, fünf Monate am Stück vom anderen Ende der Welt aus zu arbeiten. Das passte zu meinem Gefühl, dass meine Zeit in der Wissenschaft fürs Erste zu Ende ist. Geahnt hatte ich das schon eine Weile, aber seit unsere Pläne konkreter wurden, habe ich daran nicht mehr gezweifelt.  Meine Talente liegen woanders und ich brauche ein Umfeld, wo ich sie einsetzen und weiterentwickeln kann. Ich nahm das Ende meines Vertrags zum Anlass, den Absprung aus der Wissenschaft zu wagen. Und, bisher fehlt sie mir nicht.

Der erste Monat, September, war geprägt von Orga. Ausstand, Reisevorbereitungen, Flug, Ankunft, Wohnungssuche, Wohnungsüberbrückung, die Tage am Meer und Einzug in unser jetziges Appartment. Im Oktober kamen dann alle weiteren Dinge hinzu, die es zum Heimischwerden in der neuen Stadt braucht: Konto, Mobilfunkvertrag, Einkäufe für die Wohnung, in der neuen Stadt umherlaufen, die Heimat auf Zeit kennenlernen. Sich bei allen lieben Menschen melden, die zu Hause sind und uns gut aufgehoben wissen wollen. Es war keine Arbeit, aber Urlaub war es auch nicht. Rückblickend kam mir alles wie eine lange To-Do-Liste vor. Beim Aufstehen morgens musste ich nur noch überlegen, welche Punkte ich heute in Angriff nehmen will. Sport ist im November dazu gekommen. Nicht weit von unserem Haus gibt es eine öffentliche Sportstätte, in der mittwochs bis freitags verschiedene Kurse von Fitness über Pilates bis hin zu Yoga angeboten werden. Durch die probiere ich mich gerade durch.

Die größte Veränderung ist, dass mir der – nennen wir ihn mal –  „Achtstundenblock“ zur Strukturierung des Tages fehlt. Als ich noch morgens ins Büro und abends nach Hause ging, konnte ich tagsüber nur sehr sporadisch andere Dinge erledigen oder Termine wahrnehmen. Daraus ergab sich eine irgendwie natürliche Priorisierung. Erst Arbeiten und in der Zeit, die übrigbleibt, Lebensorga und Freizeit. Das war schon in der Schule so, auch das Studium war ein Vollzeitjob und die Diss sowieso. Nur jetzt ist alles anders.

Plötzlich fehlt der Achtstundenblock und mit ihm diese Priorisierung. Die Lebensorga konnte einen viel größeren Raum einnehmen. Zusammen mit der neuen Umgebung führte das dazu, dass ich einfach mehr Zeit aufwenden konnte (und teilweise musste), für die alltäglichen Dinge wie Lebensmittel einkaufen, kochen, backen, waschen. Zum anderen, habe ich manche Dinge auch deutlich intensiviert, M würde vielleicht sagen verkompliziert. Ich konnte auf Craigslist – dem Ebay von San Francisco – einfach so lange nach Mixern suchen, bis ich mein Wunschgerät gefunden hatte. Ich konnte anfangen, Brot zu backen, anstatt es zu kaufen. Ich konnte jede Woche einen Kuchen oder Kekse backen. Ich kann online vorher Bewertungen für die „besten Adressen, um in San Francisco ein Kleid zu kaufen“ recherchieren, anstatt mich einfach in den Bus zu setzen, und in die Stadt zu fahren.

(Einschub: Im Nachhinein stellte sich das als viel einfacher heraus. Ich war nämlich tatsächlich erst einmal in die Stadt gefahren, um Macy’s, Bloomingdale’s & Co. einen Besuch abzustatten. Die Kleiderabteilungen kann man sich ungefähr vorstellen, wie die im Peek & Cloppenburg, nur dreimal so groß und fünfmal so plüschig. Und ich war da völlig falsch. Bei dem bei Yelp gefundenen Laden hingegen, handelte es sich um ein wirklich gut sortiertes, kleines Geschäft im mittleren Preissegment, wo sich Laura aufmerksam, aber nicht aufdringlich, meiner annahm.)

Hauptsächlich nutze ich die Zeit momentan also tatsächlich anders. Die BWLerin in mir stellte letzte Woche fest, dass ich die Fertigungstiefe deutlich erhöht habe. In unserem Vorratsschrank und Kühlschrank finden sich momentan ziemlich viele Produkte, auf deren Zutatenliste nur ein Bestandteil steht. Rohstoffe sozusagen. Mehl, Bohnen, Reis, Kartoffeln, Gemüse. Und die werden vorbereitet, gekocht, gerührt, gemixt, gebraten und dann irgendwann zu Mittag oder Abend gegessen. Das dauert nicht zwingend länger, als mit fertigen (Vor-)Produkten. Ist halt einfach ein bisschen komplexer und braucht manchmal ein wenig mehr Vorlauf. Und ersthaft, gerade genieße ich das. Deswegen gibt es hier auch ständig Rezepte zu lesen. Ich fröhne meinem Dasein als Hausfrau.

Das Blog kriegt auch ein paar Stunden in der Woche ab, Fotos sortieren, verkleinern, hochladen einbinden, Texte schreiben, manchmal hier und da was an den Titelbildern oder der Struktur schrauben. Wie stellte Bodo letztens so treffend fest:

Ich merke schon, jetzt wo das Grundgeruest des Blogs steht, geht das Blogschreiben etwas schneller. Dennoch bin ich beeindruckt von den vielen teilweise zeitintensiven Schritten, bis so ein Eintrag steht. Erst muessen all die (viel zu vielen) Fotos auf der Kamera gesichtet und dort bereits schlechte Schnappschuesse geloescht werden. Dann folgt die Auswahl der Bilder, von denen es dann auch nur eine zweite Auswahl in den Blog gibt. Diese Fotos muessen dann hochgeladen, zum Teil gedreht, skaliert, zentriert und natuerlich beschriftet werden.

Außerdem stehen Bücher und Filme gerade hoch im Kurs, weil es inzwischen abends früher dunkel wird. Und natürlich immer wieder Erkundungen. In der Stadt, raus aus der Stadt, um die Stadt herum.

Erst jetzt, nach fast drei Monaten nicht arbeiten, fühlt es sich nach einer Pause an. Nach einem Wochenende, das nicht endet. Oder auch wie Urlaub. So langsam entspannt sich mein Gehirn von der Vorstellung, jeden Tag etwas schaffen und einen Punkt auf der To-Do-Liste abhaken zu müssen. Eigentlich eine sehr schöne Zeit gerade. Um den Umzug muss ich mich nicht mehr kümmern. Um die Zukunft muss ich mich noch nicht kümmern.

Ich war jedoch erstaunt, wie lange es gedauert hat, bis ich in diesem Zustand ankam. Naja, wir sind zum ersten Mal zusammengezogen, dafür umgezogen und in einem anderen Land angekommen. Vielleicht konnte das nicht schneller gehen mit dem entspannten Loslassen.

Wochenrückblick (#10)

|Gesehen| Vertigo, Downton Abbey (Erste Staffel)
|Gelesen| Elizabeth Gilbert: Committed (gehört), Sheryl Sandberg: Lean In
|Getan| das SF Art Institute angeschaut, über die Golden Gate Bridge geradelt, mit der Fähre nach SF übergesetzt, beim Pilates gewesen
|Gegessen| Beef Stroganoff mit Kartoffelbrei und gebratenem Grünzeug, Lachs mit Sahnesauce und Pasta, Kürbis-Süßkartoffelsuppe, Kuchen und Sandwich von Greens (Fort Mason), Tacos bei Papitos in unserem Viertel, Pancakes mit Ahornsirup
|Gedacht| boah ist das laut, in allen meinen romantisch-naiven Vorstellungen zur Überquerung der Golden Gate Bridge hatte ich die vorhandenen sechs Fahrspuren samt Verkehr irgendwie nicht berücksichtigt
|Gefreut| über den wiedergefundenen Fahrradschlüssel
|Gelacht| über Ms Movember-Bart, mit dem sieht er momentan ein bisschen aus wie d’Artagnan von den drei Musketieren
|Geärgert| über meinen Hinterradreifen am Fahrrad, der bei voller Fahrt geplatzt ist. Ich habe mich zwar sehr erschrocken, konnte aber gut die Spur halten und rechts ranfahren
|Gekauft| einen neuen Fahrradschlauch, Fahrradlichter, eine Jeans, zwei Bücher beim City Lights Bookstore
|Geklickt| Fähren und Fahrpläne

Wochenrückblick (#9)

Es war ruhig diese Woche, nicht nur auf dem Blog. Eine Erkältung hat M für drei Tage das Haus hüten lassen. Davor lag ein Haufen Arbeit für seinen Vortrag im Seminar, der dann am Tag vor dem Termin abgesagt wurde, weil die halbe Fakultät auf einer Konferenz war. Wir haben die Woche also nicht sehr viel unternommen, sondern vor allem unsere Film- und Lesestapel ein bisschen dezimiert. Nur gestern sind wir länger in der Stadt gewesen, um den Union Square herumspaziert und haben Kultur mit Kommerz verbunden. Der Katze hat unsere Häuslichkeit offenbar gefallen, so konnte sie stundenlang auf dem Stuhl schlafen, während wir gegessen oder gelesen haben.

|Gesehen| „The Heat“ und „Now you see me“ (im Flugzeug), „The Maltese falcon“, „Hammett“ und „The social network“ (in unserer Reihe: Filme, die etwas mit der Stadt zu tun haben), die ersten Folgen von Downton Abbey (für den Jane-Austen-Fan in mir)
|Gelesen| Kafka on the shore beendet (gehört, nicht gelesen), Die Schatzinsel gehört
|Getan| die Gegend um den Union Square erkundet, weiterhin Yoga ausprobiert
|Gegessen| gebackene Süßkartoffeln mit Balsamico und Salat aus Green Frills Mustard (Grünzeug, das aussieht wie Frisée und ganz leicht wie Senf schmeckt); Pasta mit Tomatensauce; Shrimp-Tempura, Kartoffelsalat mit Wasabi-Mayo und Wasserkastaniensalat bei Delica im Ferry Building; Espresso und Cappuccino von Blue Bottle
|Gedacht| Jetzt wird es auch hier früher dunkel. Letzte Woche wurde die Zeit umgestellt.
|Gefreut| Über das nach wie vor warme und schöne Wetter. Die Nachbarn sagen, es ist selbst für die Verhältnisse hier ungewöhnlich lange spätsommerlich.
|Gelacht| Beim Darts und Autorennen-Spielen.
|Geärgert| Über den verlorenen Schlüssel vom Fahrradschloss und Mehlmotten im erst frisch gekauften Getreide.
|Gekauft| eine Hose bei GAP und einen OPI-Nagellack. Dass OPI’s aktuelle Sonderedition San Francisco gewidmet ist, war ein zwingendes Kaufargument. Und gleichzeitig wird er später eine schöne Erinnerung sein.
|Geklickt| Museumsseiten, SF Ballet und Basketball – so langsam müssen wir uns die Termine für die restliche Zeit hier vormerken.