The Perks of Being a Wallflower

Das ist einer dieser Filme, der schon seit Evas Rezension letztes Jahr auf meiner Filmliste steht. Auf die Liste kommen die Filme, die ich gerne sehen will, zu denen ich es aber nicht ins Kino geschafft habe. M war anfangs zu Recht skeptisch, weil meine Filmauswahl doch eher selten seinem Geschmack entspricht. Aber als dann in der zentralen Tunnelszene „Heroes“ von David Bowie als Filmmusik lief, war er zumindest neugierig.

The Perks of Being a Wallflower (deutscher Titel: Vielleicht lieber morgen)  ist eine Coming-of-Age Geschichte (früher hätte man dazu wohl Highschool-Drama gesagt), in der die Hauptfigur Charlie (Logan Lerman), ein introvertierter Außenseiter, auf sein erstes Jahr an der neuen Schule zurückblickt. Er ist psychisch labil und fürchtet sich vor den vier endlos scheinenden Highschooljahren, die vor ihm liegen. Entgegen seiner Erwartungen findet er jedoch Freunde und verliebt sich in Sam (Emma Watson). Und am Ende wird alles schlimm und doch irgendwie gut.

Klingt total emo, ist es auch ein bisschen. Der Film kippt aber nie ins Kitschige, weil die Figuren allesamt sympathische Freaks sind. Der Regisseur (Stephen Chbosky, der auch der Autor der Romanvorlage ist) zeigt eben nicht nur die übliche Highschool Liebesgeschichte. Er hält vielmehr eine gute Balance zwischen den psychischen Belastungen seiner „Mauerblümchen“ und ihrer Freude am Leben.

Dabei kommt ein Film heraus, der berührt und über den man hinterher vielleicht noch eine Weile nachdenkt. Weil wir die DVD hier hatten, konnten wir auch die ausgelassenen Szenen mit dem Audio-Kommentar des Regisseurs sehen. Ich finde, das lohnt sich, weil damit seine Idee von der Umsetzung bestimmter Szenen nochmals erklärt bekommt und man viele Details des Films erst so entdeckt.

Der Film hat in der IMDB ein Rating von 8,0 und besteht den Bechdel-Test nicht.

Zuhause

Da wir jetzt schon über einen halben Monat unser neues Zuhause in San Francisco bezogen haben, wird es Zeit ein wenig davon zu berichten. 91 Meter über dem Meer (recht genau 300 feet) liegt unsere Wohnung auf der Spitze des Potrero Hill. Das klingt jetzt eher überschaubar, aber unser Hügel hat es ganz schön in sich. Wann immer wir aus der Stadt von Normalnull zurückkommen, sind wir ganz schön aus der Puste. Die Steigung der Straßen in unserer Nachbarschaft beträgt gut und gerne mal 30 Prozent! Dafür haben wir vor dem Haus einen grandiosen Rundblick über die Gegend: Nach Norden hinunter auf die Wolkenkratzer in Downtown, nach Westen auf die Twin Peaks (ca. 300m hoch) und nach Osten auf die San Francisco Bay bis hinüber nach Oakland.

Geschichten behaupten ja, dass San Francisco wie Rom auf sieben Hügeln erbaut wurde. Heutzutage listet zumindest Wikipedia 47 Hügel auf dem Stadtgebiet auf. Und diese hügelige Struktur der Stadt hat Folgen für die Siedlungsstruktur und die Behaglichkeit des Wohnsitzes. Die reichen Stadtbewohner bauen ihre Häuser gerne auf die Hügel (bspw. die Eisenbahnbarone auf den Nob Hill), um auf die Arbeiter im Tal (bspw. Mission) herunter zu blicken. Nur haben die reicheren Bewohner teilweise das Wetter nicht bedacht: In San Francisco gibt es unterschiedliche Mikroklimata. Je näher zum Pazifik und vor allem je höher sieht man mitunter vor lauter Nebel keine fünf Meter weit. Unsere Vermieterin hat uns diesbezüglich gleich am Anfang mitgeteilt, dass wir in einer priviligierten Stellung seien. Der pazifische Nebel wandert zwar in unsere Richtung, bleibt aber ungefähr einen Kilometer vor uns an den Twin Peaks hängen, so dass wir bis jetzt praktisch ständig Sonnenschein über den Tag hinweg genießen konnten.

Portrero Hill hat sich als Arbeitersiedlung entwickelt. Nachdem sich Mitte des 19. Jahrhunderts im Dogpatch unten an der Bay mehrere Industrieunternehmen angesiedelt hatten, wanderten die Beschäftigten nach und nach den Hügel hinauf. Heute hat wohl auch schon hier die aus nahezu allen Großstädten bekannte Gentrifizierung eingesetzt. Unser Monatsblatt The Potrero View behauptet sogar, dass Potrero Hill die höchste Konzentration an Risikokapitalinvestment in der Bay Area hat (geschrieben von einem kommenden Berkeley-Absolventen). Deshalb denken die Stadtplaner auch schon über die Entwicklung der Verkehrsanbindung nach, die mit dem Bahnhof am Fuße des Hügels für den Regionalzug ins Silicon Valley eigentlich schon ganz gut ist.

Allzu viele Yuppies und Neureiche, die in hipp-postmoderner Architekur leben, haben wir noch nicht gesehen, weshalb sich die Stadtsoziologen wohl noch keine großen Sorgen machen müssen (Wohnen ist ja eh im ganzen Stadtgebiet enorm teuer). Unsere direkte Nachbarschaft arbeitet zum großen Teil in durchaus interesseranten Berufen: Mit Fotografen, bildenden Künstlern und Yoga-Lehrerinnen teilen wir uns die Waschmaschine und den Garten. Und Besuch bekommen wir dann und wann auch von Olivia – einer sehr selbstbewusst-eigenwilligen, neugierigen, zwischen scheu und schreckhaft schwankenden und konstant haarenden Person – ich spreche natürlich von einer Katze. Es hat uns einige Tage gekostet, sie digital abzulichten. Herausgekommen ist ein kleines „Bewegungsprofil“ (siehe Bilder). Man kann, um sie zu locken, miauen. Aber eine Sekunde später ist sie schon wieder abgehauen. Unsere Beziehung entwickelt sich wohl noch….

Jedenfalls stolziert Olivia mit großer Nonchalance durch unsere Wohnung: Unser Schlafzimmer geht zur Straße raus und hat die für die Häuser in San Francisco typischen Erkeransätze mit Fenstern. In der Küche ist Olivia nur selten. Dort steht ein für amerikanische Verhältnisse recht kleiner Kühlschrank, der unsere Gemüsevorräte und anderes aber locker aufnimmt. Herd und Ofen werden beide mit Gas betrieben; die offene Flamme beim Kochen vermittelt ein wenig das Gefühl, an einer vormodernen Feuerstelle zu stehen. Viel lieber ist Olivia im geräumigen Wohnzimmer, das über einen kleinen Tresen räumlich mit der Küche verbunden ist. Dort rekelt sie sich auf dem Teppich, während ich mich auf der Couch in die Geheimnisse um die Fernseh-Übertragung von Baseballspielen eindenke.

Wochenrückblick (#6)

|Gesehen| The Perks of  Being a Wallflower, Bullitt, Simpsons, How I met your mother
|Gelesen| Anna Karenina,  Plenty und Jerusalem von Yotam Ottolenghi, Bread von Jeffrey Hamelman (Kochbücher), The Love of a Good Woman von Alice Munro
|Getan| Brot gebacken, Gemüse zu Fonds gekocht, mit dem Fahrrad durch die Stadt gecruist, beim Nachbarschaftsmarkt mit Bewohnern des Viertels gesprochen, am Ozean gewesen, den Spendenlauf der Nachbarstochter unterstützt (mit Spenden, nicht mit laufen), auswärts gegessen
|Gegessen| Casarecce mit Stängelkohl, Risotto mit gebratenem Kürbis und Kerbel, gebackene Süßkartoffeln mit Balsamico und Löwenzahnsalat, Wraps mit Stängelkohl, Hummus und Guacamole, Fritatta (alles daheim), Frühstückskaffee im Thinkers, Sandwiches im Outerlands, Kaffee bei Sightglass, Tacos bei Tacolicious, Salziges Karamell-Softeis bei der Bi-Rite Creamery
|Gedacht| morgens mit Blick über das Wasser aufwachen ist toll
|Gefreut| über das viele Gemüse in unserem Kühlschrank, das immer noch tolle Wetter, die Fahrradtouren durch die Stadt und immer wieder das Essen
|Gelacht| über die Simpsons-Halloween-Folge
|Geärgert| hat sich M über einen Schnitt in den Finger
|Gekauft| eine Küchenwaage
|Geklickt| Restaurantempfehlungen auf yelp, zagat und sfeater

Postkartenblick

Nachdem ich beim ersten Mal im Nebel stand, hat es diesmal geklappt. Bei unserer ersten Fahrradtour konnten wir die Eleganz der Golden Gate Bridge im Sonnenschein bewundern.

Es ist noch immer traumhaftes Wetter hier, sonnig und für die Jahreszeit ungewöhnlich warm. Wir haben uns also am Sonntag Nachmittag unsere Räder geschnappt und sind – immer am Wasser lang – einmal um die Halbinsel bis zur Golden Gate Bridge gefahren. Zuerst ging es vorbei am AT&T Park, in dem die Giants (diese Saison leider nicht mehr) spielen. Danach konnten wir die Oakland Bay Bridge von unten bewundern, und weiter zum Ferry Building und an den Landungsbrücken entlang.

Danach gab es einen Zwischenstopp bei Ghirardelli für einen kleinen Eisbecher mit heißer Schokosauce. Gestärkt konnten wir dann gegen den Wind um Crissy Field herum antreten, um endlich die kleine Anhöhe hinauf zur Golden Gate Bridge zu erklimmen.

Zurückgerollt sind wir durch den Presidio Park, weiter ins Reichenviertel Presidio Heights, und dann mitten durch die Stadt. Es gibt relativ gut beschilderte Wege und einige Straßen haben auch Fahrradwege. Als wir endlich wieder auf unserem Hügel ankamen, wurde es schon dunkel.

Fülle

Dieser Moment: Wenn du – nachdem du die Gemüsekiste in Empfang genommen hast, die von einer der besten Bio-Farmen der Gegend kommt, einer Farm, von der auch die guten Restaurants ihr Gemüse beziehen und die ihren Truck einmal in der Woche mit Gemüse belädt, in die Stadt schickt, vor einem dieser Restaurants parkt und ihre Kisten an jedermann verkauft – wenn du also, eine dieser Kisten abbekommen hast und dann, wie ein Lasteselchen bepackt, mit dem ganzen Grünzeug im Rucksack durch den Golden Gate Park radelst. Am Spätnachmittag. In der Sonne. Einfach so. Weil es dein Heimweg ist.

Pecan-Chocoloate-Chip Cookies

Immer wenn ich in eine neue Küche komme, z.B. in einer Ferienwohnung oder eben jetzt hier, dauert es häufig nur wenige Tage, bis ich nicht nur kochen, sondern auch etwas backen möchte. Blöderweise denke ich dabei immer zuerst an die Zutaten, nie aber an die notwendigen Geräte. Simple Kuchen wie Rührkuchen oder Muffins scheitern dann ganz schnell am fehlenden Schneebesen oder der nicht vorhandenen Backform. Ganz zu schweigen von Dingen wie Mixer, Waage oder Nudelholz. Daher überlege ich dann jedes Mal aufs Neue, welche Rezepte ich kenne, die möglichst nur mit einer Schüssel, einem Löffel und einem Backblech auskommen. Und die auch dann funktionieren, wenn man die Mengen nicht aufs Gramm genau abwiegen kann.

Kekse gehen da fast immer. Hier das Rezept für die Pekannuss-Schokoladensplitter-Kekse, die ich letzte Woche gebacken habe. Das Rezept ergibt ungefähr 20 Kekse. Wer keine Waage hat, misst den Zucker und das Mehl mit dem Esslöffel ab. Ein gehäufter Löffel Mehl sind etwa 20g, ein nicht-glatt-gestrichener Löffel Zucker sind rund 15g. Die Maßeinheiten für die Butter stehen in so ziemlich jedem Land auf der Butterpackung. Die Menge lässt sich anhand der aufgedruckten Skalen also ganz gut schätzen.

Und beim ersten Einkauf nicht nur an das Klopapier, sondern auch an Backpapier denken!

Zutaten:

260 g Mehl (2 cups)
1 TL Backpulver
1/4 TL Salz
220 g weiche Butter (2 Sticks)
150 g brauner Zucker (3/4 cup)
75 g Chocolate Chip (1/2 cup)
60 g Pekannüsse (1/2 cup)

Zubereitung:

1. Butter mit Salz und Zucker verrühren, so dass der Zucker sich zumindest zum Teil auflöst.

2. Mehl mit Backpulver mischen und unterrühren.

3. Chocolate Chips und Nüsse zugeben und unterkneten.

3. Mit den Fingern oder zwei Löffeln kleine Teighäufchen auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech setzen.

4. Bei 180°C (350°F) etwa 12 Minuten backen. Die Kekse sind dann noch weich, sollten aber durchgebacken sein.

5. Auf einem Rost auskühlen lassen, dabei werden die Kekse fest.

Drehort San Francisco – Heimat

In San Francisco wird ja so einiges gedreht. Ecke Powell & Market St. ist zum Beispiel der Ort, an dem die cable car einen ihrer Endpunkte hat und um 180 Grad gedreht wird – um ihren Dienst in entgegengesetzter Richtung wieder anzutreten. Aber – kleiner Scherz am Rande – um solch einen „Drehort“  gehts im Folgenden nicht ;-).

Denn wir haben uns in der letzten Woche (ich zum ersten Mal auf Englisch) den Film Dirty Harry aus dem Jahre 1971 mit Clint Eastwood in der Hauptrolle angeschaut, der in San Francisco spielt. Das lustige daran war, das uns viele der Drehorte bekannt waren und wir einige Wiedererkennungsmomente aus unserer direkten Nachbarschaft hatten. Der Plot ist recht einfach erzählt: Es geht um den etwas unkonventionellen, mürrisch-wortkargen Inspektor Harry Callahan (Clint Eastwood) des SFPD, der einen Serienmörder jagt. Dieser erpresst die Stadt, indem er wahllos von Dächern auf Passanten schießt. In einer sehenswerten Einstellung zu Beginn, befindet sich Callahan am ersten Tatort auf dem Dach eines Hochhauses und die Kamera folgt ihm, während sein Blick rundherum über die Stadt schweift. Und auch in der weiteren Verfolgung des Täters jagt Callahan durch die Straßen von San Francisco, was den Film für uns sehr lebendig machte, da wir teilweise kurz zuvor an den verschiedenen Punkten in der Stadt gestanden waren (North Beach, Washington Square, Kezar Stadium, Sts. Peter and Paul Church, Dolores Park, …).

Ansonsten gab’s noch mehr Lokalkolorit für uns: Der Figur des Harry Callahans, die immer am Rande der Legalität agiert, Ermittlungen mit äußerster Brutalität durchführt und auch vor Folterung des Täters nicht zurückschreckt, sind wir trotz allem etwas verbunden. Wir erfahren, dass er wie wir auch in Portrero Hill wohnt. Und in einer Szene mit seinem Lieblings-Barmann spricht dieser von Callahan als seinem „Potrero brother“. Weiterhin wird Callahan zu einem Einsatz zu Ecke Texas und Sierra Street gerufen. Das ist just eine der Straßenkreuzungen, die ich morgens mit dem Fahrrad passiere, um zum Bahnhof zu kommen.

Na ja, irgendwie schön in einem US-Blockbuster – wenn auch etwas älteren Datums – so im Detail die Drehorte wiederzuerkennen. Das gibt einem eine gewisse Art von Heimat-Gefühl. Im deutschen Fernsehen haben wir das wohl auch etwas, wenn wir den Tatort sehen (eine der schönsten, die ich gesehen habe, war „Das Glockenbachgeheimnis“ des BR und „Bienzle und die schöne Lau“ des SDR). Durch sein regionales Konzept erkennen – jeden Sonntag wechselnd – die Zuschauer ihre Heimat als Filmrealität wieder und können ein positives Gefühl damit verbinden, dass ihr Zuhause – im Zuge der Verbreitung an ein Millionenfernsehpublikum – einer gewissen Aufmerksamkeit wert scheint.

Verzeichnis der im Text verwendeten Fremdwörter:

cable car – ist eigentlich eine Straßenbahn, die den Berg hochfährt, gezogen von einem unterirdisch laufenden Drahtseil. In Wahrheit ist sie vor allem der Anlass für jede Menge Fotos und Anreiz für eine Runde S-Bahn-Surfen der Touristen.

Dirty Harry –  Alter-Ego von Clint Eastwood und Titel des gleichnamigen Films. Fun Fact: Clint Eastwood war von 1986 bis 1988 Bürgermeister in Carmel-by-the-Sea.

SFPD – San Francisco Police Department, also der Name der örtlichen Polizei. Sieht man immer mal wieder hier rumfahren.

Blockbuster – Kassenschlager, meist völlig überbewerteter Film, der häufig nicht nur viel gekostet hat, sondern auch viel Geld einspielt. Wörtlich übersetzt ein Straßenfeger.

Wochenrückblick (#5)

|Gesehen| Dirty Harry von Don Siegel mit Clint Eastwood
|Gelesen| Bon Appétit (Essens-Zeitschrift), Grün ist die Hoffnung von T.C. Boyle
|Getan| die Nachbarschaft erkundet, mit dem Fahrrad im Zug zur Uni gependelt, Berge hochgestrampelt und runtergesaust
|Gegessen| Frittata, selbstgemachtes Brot, Spaghetti mit Kürbis, Brioche, Focaccia und jede Menge Chard (das sind verschiedene Sorten Kohl am Stängel bzw. auch Mangoldarten)
|Gedacht| dass unsere Beinmuskulatur auf Dauer diese Anstiege nicht aushält oder wir irgendwann stahlharte Wadeln haben
|Gefreut| über die ersten Meter mit dem Fahrrad
|Gelacht| über Olivia, die Vermieterkatze, die immer reinkommt und durch die Wohnung stolziert, als sei es ihre eigene
|Geärgert| über die drei Tage und mehrere Telefonate erfordernde Online-Banking-Registrierung
|Gekauft| Fahrräder, einen DVD-Player, einen Zauberstab mit so vielen Zauberzusatzfunktionen (Sahne schlagen, Pesto machen, Wäsche falten ;-)), und ganz wichtig: Karte von Fahrradwegen in SF mit Angabe der Steilheit der Straßen!!
|Geklickt| auf der Seite der San Francisco Public Library und jede Menge Bücher bestellt

Focaccia

Seit einer Woche sind wir Tierpfleger. Genau genommen halten wir eine Horde kleiner Mikroorganismen bei Laune, deren liebstes Futter Mehl und Wasser sind. Bei ACME in Berkeley haben wir bisher immer unser Brot gekauft. Dort habe ich nachgefragt, ob sie auch ihren Sauerteig-Ansatz verkaufen. Tun sie nicht. Sie verschenken ihn.

Und seitdem wohnt ein kleines Glas mit Sauerteigansatz im Kühlschrank. Und ich backe ziemlich exzessiv Brot. Die Anzahl der Sauerteigkinder vermehrt sich stetig und ich werde der Plage langsam nicht mehr Herr. Die Resultate sind zudem noch nicht wirklich vorzeigbar, aber wir essen sie. Ein Erfolgserlebnis gibt es jedoch zu vermelden: Die Umstellung von Evas Focaccia Rezept mit Hefe auf ein Sauerteig-Rezept habe ich selbst erdacht und es hat auch prompt funktioniert. Eignet sich prima, wenn man aufgefrischten Sauerteigansatz sonst entsorgen würde, weil man nicht alles davon für das geplante Brot benötigt. Wer keinen Sauerteig hat, macht das Rezept wie im Original mit 20g Hefe und lässt es im Kühlschrank gehen.

Hier die Zutaten:

250 g Mehl (Type 550 bzw. Bread Flour)
1/4 L Wasser
1 TL Sauerteigansatz
1 TL Salz
2-3 EL Olivenöl
1 Zweig frischer Rosmarin
1 Handvoll Datteltomaten
grobes Meersalz

Zubereitung:

1. Sauerteig auffrischen (40g Mehl, 40g Wasser, 1 TL Sauerteigansatz aus dem Kühlschrank) und 8-15 Stunden stehen lassen. Das kann man gut über Nacht machen.

2. Vom aufgefrischten Sauerteig 2 TL abnehmen und mit dem Mehl, Wasser und Salz zu einem Teig verrühren. Der ist ziemlich flüssig, aber das ist so gewollt. In warmer Umgebung (rund 26°C) 10-12 Stunden stehen lassen. Das funktioniert gut bei den momentanen Temperaturen in Kalifornien 😉 oder im Backofen mit eingeschalteter Lampe.

3.  Ofen auf 210°C (410°F) vorheizen. Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech gießen, möglichst behutsam, damit die entstandenen Blasen erhalten bleiben. Fingerkuppen in Öl tauchen und kleine Vertiefungen für die Tomaten in den Teig drücken. Tomaten waschen und in die Vertiefungen legen. Mit Olivenöl beträufeln und mit Rosmarinnadeln sowie Salz bestreuen.

4. Bei 210°C (410°F) rund 20 Minuten goldbraun backen.

Die Reste ergeben aufgewärmt im Toaster und belegt mit zusätzlichen frischen Tomaten, Avocado und Olivenöl einen netten kleinen Mittagssnack.

San Francisco in fünf Stunden

Am Freitag haben wir versucht, San Francisco in einer Stadttour von fünf Stunden zu erkunden. Unser Freund E kam morgens vom Flughafen und musste um 14.00 Uhr dort zurück sein. Wir haben versucht eine Route zusammenzustellen, bei der man nicht nur auf den Touristenpfaden unterwegs ist, trotzdem ein bisschen was sieht, und natürlich gut isst. Bei wunderschönem Wetter haben wir es uns gutgehen lassen.

Los ging es an der BART Station 16th Street Mission, dort haben wir E abgeholt. Zuvor gab es zum Wachwerden einen Espresso, den wir bei Blue Bottle Coffee auf dem Heath Ceramics Fabrikgelände getrunken haben. Es soll einer der besten Kaffeeröster der Stadt sein, wir fanden den Espresso schön anzusehen, aber vor allem sehr sauer.

Von der BART Station sind wir die Mission Street in Richtung Süden bis zur 18ten Straße gelaufen und nach Westen eingebogen. Nach ein paar Schritten sieht man schon das farbenprächtige Womens Building (3543 18th Street). Um das ganze Gebäude herum zieht sich das größte Wandgemälde von San Francisco. Der Lonely Planet sagt „90 Malerinnen ehrten hier die Stärke der Frauen.“

Dann ging es erstmal für ein zweites Frühstück zur Tartine Bakery (600 Guerrero Street). Die Menschen standen bis auf die Straße nach Croissants, Teilchen und Kaffee an. Wir ließen uns von der Schlange und den ordentlichen Preisen (3.75$ das Croissant) nicht abschrecken und wurden belohnt. Die Croissants sind sehr luftig und buttrig, ebenso perfekt auch die Breakfast Buns.

Mit den Teilchen in der Hand spazierten wir weiter zur Mission Dolores, das älteste Bauwerk in San Francisco und Teil der spanischen Missionen, von denen wir schon eine in Monterey gesehen hatten. Die Mission Dolores steht direkt neben dem Dolores Park, dort war zu dieser Uhrzeit aber noch nicht so viel los. Anschließend machten wir einen halbstündigen Spaziergang bis zum Alamo Square. Für die Strecke könnte man jedoch auch einfach den Bus nehmen. Hier wartete der obige Postkartenblick über die Stadt,

Weiter gings mit dem Bus – entweder direkt zum Pier 39 oder mit einem Schlenker über die Golden Gate Bridge. Wir sind diesmal direkt in die Stadt gefahren, da E bereits zwei Tage zuvor die Brücke sehen konnte. Am Pier 39 wird es touristisch, in direkter Nachbarschaft befindet sich das Fisherman’s Wharf und am Pier selbst locken die Seelöwen fotografierfreudige Touristen. Bei unseren Reisen an der Küste haben wir bisher noch keine gesehen, so dass natürlich auch wir Fotos machen – ich von den Seelöwen, M von den Touristen und den Seelöwen.

Mit einer der alten italienischen Straßenbahnen fahren wir dann gemütlich an den Piers entlang in Richtung Ferry Building zum Essen. Empfehlungen sind die Boccalone Salumeria (Pannini),  die Cowgirl Creamery (Käse und Sandwiches mit Käse, nicht probiert), die American Eatery (Sandwiches und Burger) und Delica (japanisches Deli, nicht probiert). Unsere Sandwiches, Pannini und Burger haben wir mit dem Blick auf den Hafen verspeist. Vom Ferry Building ist es nicht weit zur BART Station Embarcadero, von wo aus man in einer guten halben Stunde zurück zum Flughafen fahren kann. Bis hierher hatten wir gut vier Stunden gebraucht.

Nach einem kurzen Fotostop am Umkehrpunkt der Cable Car gleich an der BART Station Powell, haben wir E zum Flughafen verabschiedet und sind über Chinatown nochmal hinauf nach North Beach, zum Coit Tower und anschließend ein bisschen durch Telegraph Hill gelaufen. Von hier hat man einen guten Blick über die Stadt und auch auf die anscheinend erdbebensichere Transamerica Pyramid, das Wahrzeichen von San Francisco. Über die vielen Treppen lässt es sich schön zwischen den Häusern entlang spazieren. Kurz bevor uns der Bus in unser neues Zuhause zurückgebracht hat, haben wir noch einen kleinen Abstecher zum City Lights Bookstore gemacht, dessen Gründer Lawrence Ferlinghetti gerichtlich die Veröffentlichung eines Gedichtes Howl von Alain Ginsberg durchsetzte.

Den Spaziergang über den Telegraph Hill kann man auch direkt vom Ferry Building aus machen, so dass man mit der BART (Station Powell) nach guten fünf Stunden wieder in Richtung Flughafen aufbrechen kann.

Verzeichnis der im Text verwendeten Fremdwörter:

BART – heißt ausgesprochen Bay Area Rapid Transport und bezeichnet im Prinzip die U-Bahn hier. Diese läuft nur in Nord-Süd Richtung und auf mehr oder weniger einer Achse. Von U-Bahn-Netz kann man also nicht sprechen. Die Stadt ist im wesentlichen mit Bussen und Straßenbahnen durchzogen.

Breakfast Bun – ein Frühstücksteilen das aus einem blättrig gedrehten Hefeteig und Zimtzucker besteht und die Form eines unregelmäßigen Haarknotens (bun) hat.