Zeitereignisse – Juli 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Die Europäische Kommission eröffnet ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen. Ende des Monats hat das polnische Parlament ein Gesetz verabschiedet, welches ein geschlechtsspezifisches Rentenalter für RichterInnen vorsieht sowie den Grundsatz der Unabsetzbarkeit von RichterInnen durch die Möglichkeit eines intransparenten Einflusses des Justizministeriums auf die Amtszeitverlängerung untergräbt. Im Verlauf des Verfahrens kann der Europäische Rat mit qualifizierter Mehrheit beschließen, aus der Anwendung der Europäischen Verträge hergeleitete Rechte Polens auszusetzen. Gegen zwei weitere Gesetze, die den Einfluss der Regierung auf das Oberste Gericht und den Landesrichterrat regeln, hatte Präsident Duda sein Veto eingelegt.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart stellt fest, dass das Regierungspräsidium Stuttgart seiner Verpflichtung, die Immissionsgrenzwerte von Stickstoffoxiden einzuhalten, nicht in vollem Umfang nachgekommen ist. Laut dem Gericht ist ein ganzjährig geltendes Fahrverbot für Ottomotoren unterhalb der Schadstoffklasse Euro 3 und für Dieselmotoren unterhalb der Schadstoffklasse Euro 6/VI ab dem 01.01.2108 erfoderlich. Andere Maßnahmen wie etwa das Nachrüsten von Kraftfahrzeugen sind laut dem Gericht im Wirkungsgrad nicht gleichwertig. Eine Berufung gegen das Urteil ist möglich.

Die Organisation zur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sendet Beobachter zur Bundestagswahl im September. Ein Gutachter-Team hat im Juli Gespräche mit Vertretern von Parteien, Ministerien und Medien geführt. Untersucht wurden die Bedingungen hinsichtlich des Wahlsystems und der -administration, der Wähler- und Kandidatenegistrierung sowie der Wahlkampagnen, insbesondere deren Finanzierung und das Medienumfeld, im Vorfeld der Wahl. Einige Gesprächspartner, unter anderem Vertreter der AfD, gaben Bedenken hinsichtlich der Chancengleichheit im Wahlkampf und der Medienberichterstattung an. Wahlbeobachter der OSZE waren auch schon an den Bundestagswahlen 2009 und 2013 vertreten.

 

Momente in Gedanken #6

Das Rendez-vous der Freunde auf der Rigi

Die Rigi ist ein Bergstock, der sich über der Nordseite des Vierwaldstättersees emporragt. Sie bildet zwei Gipfel aus: Die Rigi Hochflue oberhalb von Gersau und den Rigi Kulm oberhalb von Küssnacht. Eine Besteigung des Rigi Kulms beginnt am Hauptplatz in Küssnacht, führt über den Alpenhof und die Seebodenalp hinauf zur Rigi Staffel, wo man über einen Gratweg zum Gipfel gelangt.

An einem Sommertag kann der Wanderer ganz schön ins Schwitzen kommen. Bei hoher Luftfeuchte bringt der Aufstieg einen konstanten Schweißfluss am ganzen Körper mit sich. Trocknen kann der Wanderer auf den Abschnitten in der Sonne, leichte Kühle findet er auf den Wurzelpfaden des Waldes. Für Brillenträger kann sich die Aussicht trüben, wenn der Schweiß von der Stirn auf die Gläser tropft. Die Luftfeuchte erschwert das Atmen, bringt zu wenig Luft in die Lungenflügel, um richtig voranzukommen. Weiter oben kann die Erschöpfung von Schwindelgefühlen abgelöst werden, wenn der Blick über zwei letzte Baumwipfel direkt runter zum See fällt. Dann erhöht sich die Geschwindigkeit des Wanderers drastisch bis er oben ankommt. Dort begegnet er den anderen Bergtouristen, die mit der Zahnradbahn heraufgekommen sind.

Ich stelle mir vor, wie Queen Victoria mit ihren Balmoral sociable den Berg hinauf gebracht wird und an den Gerüchten über die Beziehung zu ihrem Diener schwer trägt. Ich stelle mir vor, wie nur ein wenig dahinter Mark Twain fluchend den Pfad hinaufstapft, weil er wieder einmal zu spät erwacht ist, um den Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu erleben. Und mit Goethe und Dostojewski diskutiert er über das Jodeln der Einheimischen. William Turner hängt ein wenig hinterher. Er trägt seine Malutensilien den Berg hinauf, um das Gegenstück zu seiner Rigi-Ansicht zu malen: Den Blick hinunter auf den See. Auguste Escoffier sehe ich auch im Dunst herauf kommen. Der bereitet mal wieder seine Birne Helene im Hotel auf dem Rigi-Kulm zu zusammen mit Ho Chi Minh, der heute mal als sein Küchengehilfe nicht in London tätig ist.

Monatsrückblick – Juni 2017

Am Anfang und in der Mitte schön warm, v.a. die Tage in Italien, am Ende wurde es regnerisch und es geht mit vergleichsweise kühlen 20 Grad in den Juli. Der Juni war voller Höhepunkte: Potsdam, Waldbühne Berlin, Museum Brandhorst München, Biennale in Venedig und dann – ganz am Ende – eine Hochzeit.

|Gesehen| Wim Wenders: Every Thing Will Be Fine – Hirokazu Kore-eda: Vater und Sohn – Kiyoshi Kurosawa: Real – Luchino Visconti: Der Tod in Venedig – Luchino Visconti: Ludwig II. Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder – Dietrich Brüggemann: Kreuzweg – Kornél Mundruczó: Weißer Gott – Blaumacher (zdf, 6-Teiler)
|Gelesen| Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis – Peter Blickle: Der Bauernkrieg – Klaus Pfitzer: Reformation, Humanismus, Renaissance
|Gehört| Dmitri Shostakovich: Symphonie No. 5 – Ludovico Einaudi live in Concert in der Waldbühne Berlin – Museo Rosenbach: Barbarica – Body Count: Body Count – Emerson, Lake and Palmer: Tarkus
|Getan| Ausflüge ins Potsdamer Umland – das erste Mal in der Waldbühne gewesen – das Museum Brandhorst in München besucht – Urlaub in Venedig gemacht und die Biennale besucht – mit dem Nachtzug gefahren – auf dem Balkon gefrühstückt – Rharbarbermarmelade gekocht – einen schönen Sonntagnachmittag auf der Domäne Dahlem verbracht – klatschnass geworden im Regen in Berlin – Hochzeitsgäste gewesen
|Gegessen| Bigoli in salsa – Sarde in Saor – Olive taggiasche – Castelmagno (Käse) – Lunchmenü im Il Ridotto in Venedig – Artischockenböden, Zucchini-Blüten – Pasta mit ragù di chianina – Parmigiana
|Getrunken| Mate-Eistee von Voelkel – Chinotto – Bardolino – Fentiman’s Ginger Beer – Nexxus, Weizen Doppelbock, Braumanufaktur in Weinheim – Red George, Red ale, Braumanufaktur Weinheim – Valdobbiadene Prosecco Superior
|Gedacht| Hach, eine lange Sommerpause wäre auch schön. Direkt in Italien bleiben und erst im September zurückkommen.
|Gefreut| über ein Vogelkonzert um 5 Uhr morgens
|Geärgert| über die oberen Schlafwagenplätze
|Gekauft| Sneakers – Birkenstocks – Panama-Hut
|Geklickt| Venedig – Stadtpläne, Restaurants, Biennale
|Hätt‘ ich Zeit und Geld, würd‘ ich…| würde ich im Schlafwagen durch Europa fahren.

Momente in Gedanken #5

Im Juli 2017 kam es im Rahmen des in Hamburg stattfindenden G-20-Gipfels zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Was würde Charles Baudelaire dazu sagen?

Ihr alle, die die Neugier des Flaneurs des öfteren mitten in eine Meute hineintrieb, empfandet ihr jemals das gleiche Frohlocken wie ich, wenn ihr sahet, wie ein Hüter des öffentlichen Schlafes – Stadtwachtmeister oder Angehöriger der Munizipalgarde, der eigentlichen Armee – auf einen Republikaner einschlug? Und wie ich, so sprachet ihr in eurem Herzen: Schlag drauf, schlag noch ein wenig härter drauf, schlag immer drauf, mein Herzenspolizist; denn ich liebe dich in diesem allerhöchsten Draufschlagen und halte dich für ein Ebenbild Jupiters, des großen Richters und Rächers. Der Mann, den du verprügelst, ist ein Feind der Rosen und der Wohlgerüche, ein Fanatiker nützlicher Instrumente; er ist ein Feind Watteaus, ein Feind Raffaels, ein erbitterter Feind des Luxus, der schönen Künste und der schönen Literatur, eingeschworener Ikonoklast, Henker der Venus und des Apollo! Er will nicht länger als ein bescheidener und namensloser Arbeiter für die öffentlichen Rosen und die öffentlichen Wohlgerüche arbeiten; er will frei sein, der Nichtwisser, und ist unfähig, eine Werkstatt zu gründen für neue Blumen und neue Wohlgerüche. Schlag nur andächtig drauf auf die Schulterblätter des Anarchisten.

aus „Salon von 1846“

Man muss dabei bedenken, dass Baudelaire ein opportunistisches, ironisches Verhältnis zum Bürgertum hatte und ein zynisches zu seinem Leser.

Zeitereignisse – Juni 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Im Nationalen Begleitgremium für das Standortauswahlverfahren eines Atommüllendlagers sind Bürger vertreten, die über eine telefonische Zufallsauswahl und eine anschließende geheime Wahl durch Vertreterinnen und Vertreter eines Beratungsnetzwerkes bestimmt wurden. Das Gremium kann dem Gesetzgeber Änderungen des Verfahrens empfehlen.

Bei der vorgezogenen Neuwahl des britischen House of Commons verliert die Conservative Party als bisherige Regierungspartei die absolute Mehrheit. Wenige Wochen zuvor ereigneten sich in Manchester und London Terroranschläge. Tage später wird ein Terroranschlag auf eine Gruppe von Muslimen vor einer Moschee verübt.

Bei den Parlamentswahlen in Frankreich erzielt die von Präsident Macron im April 2016 gegründete Partei La République en Marche die absolute Mehrheit. Die aufgestellten Kandidaten hatten zur Hälfte bisher kein politisches Amt begleitet und sind weiblich.

WDR und Arte strahlen eine Dokumentation über herrschenden Antisemitismus mit dem Titel Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa aus. Die Entscheidung zur Ausstrahlung der Dokumentation fiel erst als die Bild-Zeitung die Dokumentation illegalerweise online zur Verfügung gestellt hatte. Die beiden Sender warfen den Autoren handwerkliche Mängel vor und wollten daher von einer Veröffentlichung absehen. Im Film findet sich durchgehend der Hinweis auf diesen Sachverhalt. Auf einer Internetseite des WDR können ein Faktencheck sowie die vom Sender an das Autorenteam gestellten Fragen zu Inhalten der Arbeit eingesehen werden.

Der Bundestag beschließt das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts. Die Fraktionen der SPD, Die Grünen, Die Linke stimmen geschlossen dafür. Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion stimmen mehrheitlich dagegen. Tage später stimmt der Bundesrat dem Gesetz zu.

 

Zeitereignisse – Mai 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen erhält die CDU jeweils den höchsten Stimmenanteil. In beiden Bundesländern leitete die SPD zuvor als stärkste Fraktion die Regierung.

Das OVG Münster hat in einem Urteil einem syrischen Kriegsdienstverweigerer den Anspruch auf Asyl nicht zuerkannt. Dies wurde damit begründet, dass es sich dabei nicht um eine politische Verfolgung handele, und dass völkerrechtswidrige und verbrecherische Taten nicht von der gesamten syrischen Armee sondern nur von Teilen begangen werden.

Deutschland gewährt türkischen NATO-Soldaten Asyl. Diese waren in Deutschland stationiert und sind in der Regel in Besitz eines Diplomatenpasses. Die Soldaten waren in Folge des Putschversuches entlassen worden.

Im zweiten Wahlgang wird Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten gewählt. Er ist damit das jüngste Staatsoberhaupt Frankreichs seit Napoleon.

Donald Trump entlässt FBI-Direktor Comey. Das FBI untersucht mutmaßliche Hackerangriffe auf die US-Demokraten im Präsidentschafts-Wahlkampf und mögliche Verbindungen von Mitarbeitern Trumps nach Russland.

Eine Schadsoftware befällt weltweit mehrere Hunderttausend Computer – teilweise großer Konzerne. Für die Entschlüsselung bzw. Freigabe der von der Schadsoftware betroffenen Daten verlangen die Hacker eine Geldsumme. Schadsoftware, die zur Erpressung von Geld verbreitet wird, nennt sich Ransomware.

Präsident Trump twittert einen Text mit dem Wortlaut constant negative press covfefe. Über die Unverständlichkeit des letzten Wortes berichten mehrere Medieninstitutionen – u. a. CNN, politico, FAZ, NYT, SZ, Le Figaro. Diskutiert wird auch die Versendung von Nachrichten durch den amerikanischen Präsidenten unabhängig von Absprachen und Sprachregelungen. Eine Studie des Shorenstein Center an der Harvard University zeigt, dass während der ersten 100 Tage der Präsidentschaft Donald Trump in 41 Prozent aller Nachrichten das Thema war. Laut der Studie ist dieser Wert dreimal so hoch als bei seinen Amtsvorgängern.

Monatsrückblick – Mai 2017

Endlich wurde es warm. Die kurzen Nächte animieren zum frühen Aufstehen. Es wurde jede Menge Kuchen gebacken. Die Zimmerpflanzen sind auf den Balkon umgezogen. Die Orchideen blühen um die Wette. Und wir sind endlich mal zu zweit Wandern gegangen. Für Anfänger. In den Hunsrück. Oben im Bild, die Zutaten für eine Pizzasauce. Freitags ist Pizzatag.

|Gesehen| Alice Rohrwacher: Land der Wunder – Krzysztof Kieslowski: Dekalog, Fünf –  Bob Fosse: All that Jazz – Krzysztof Kieslowski: Die zwei Leben der Veronika – Xavier Dolan: Mommy – Felix van Groeningen: Broken Circle – Benoit Jacquot: 3 Herzen
|Gelesen| Graham Greene: Der stille Amerikaner – Arne Karsten: Geschichte Venedigs – Fernand Braudel: Venedig – T. C. Boyle: Tortilla Curtain – Thomas Kaufmann: Martin Luther – Thomas Mann: Der Tod in Venedig
|Gehört| ab halb fünf morgens die Vögel, das Rauschen der Bäume beim Wandern,
|Getan| die Räder sommerfit gemacht, einmal von Nord nach Süd durch Berlin spaziert, das erste Eis der Saison auf dem Heimweg auf dem Rad, eine DreiTagesWanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig über Himmelfahrt
|Gegessen| Arme Ritter, Gnocchi mit Mangold und roten Zwiebeln, Pizza vom Pizzastein, Gemüselasagne, Eis von Jones Icecream, Orangenkuchen, Rharbarbertarte mit Frangipane, Rharbarber-Himbeer-Streusel-Kuchen, Zimtschnecken, Ofengemüse
|Getrunken| Bitter von Brauart (Sausenheim) – Pale Ale, Mosaic Edition von Jungbusch Ale  – American Pale Ale, Citra Ale von Hopfenstopfer – Trappistes Rochefort 6 – Doldenbock, Riedenburger Brauhaus – The Brale, Brown Ale, Braufactum – Yirgacheffe, Äthiopien – Zitronenlimonade – Wasser mit Granatapfelsirup
|Gedacht| wurde Zeit, dass es warm und sonnig wird, lange Tage und kürzere Nächte fallen dann gar nicht mal so ins Gewicht, die Energie reicht trotzdem für alles
|Gefreut| über Zuwachs bei den Auswanderern, dass das Knie hält und Wandern über drei Tage klappt
|Geärgert| über einen vergessenen Geburtstag
|Gekauft| Jeans, Sommerkosmetik von The Ordinary und Dermasence, Wanderrucksack für M
|Geklickt| Wanderwege und Pensionen im Hunsrück, Online-Shopping-Seiten
|Hätt‘ ich Zeit und Geld, würd‘ ich…| einen Raum ganz mit Moos auskleiden.

Galeriewochenende in Berlin

Für den Besuch des Galeriewochenendes in Berlin (offiziell: Galleryweekend Berlin) haben wir uns eine Strategie zurecht gelegt, damit wir uns von den Galeristen ernst genommen fühlen, obwohl wir 0815-Straßenkleider (Northface und so) für die Radfahrt am regnerisch-kalten Maianfang anhatten: Forsch rein in die Galerie; nicht zu lange vor einem einzelnen Bild stehen bleiben; assoziative Inhalte zum Werk halblaut miteinander austauschen (am besten nur zu zweit, sonst sieht es nach Ausflug mit Freunden aus) und kurz eine Bewertung fallen lassen; dann nach der Preisliste fragen. Falls man den Preis eines Werkes zu niedrig eingeschätzt hat, kann man das nutzen: Man spricht aus, dass man das Werk eigentlich nur für so viel wert hält; nach drei Sekunden Pause sollte man dann bekräftigen, dass man es auch für den tatsächlich höheren Preis mitnehmen würde; man hinterlässt seine E-Mail-Adresse und verlässt die Galerie zielstrebig.

Wie schon erwähnt fuhren wir mit dem Fahrrad von Galerie zu Galerie. Grundsätzlich hätten wir auch den Shuttle-Service, der von einem bayerischen Motorenhersteller betrieben wird, nutzen können (wer weiß, für welches Entgelt pro Fahrt). Die meisten Besucher treten uniformiert auf: Durchweg schwarze Klamotten, Mantel, Hut oder eine Kombination hat fast jeder an. Bei den älteren (gesetzteren, weniger rebellischen) Herren scheint der Schal fast unumgänglich. Besser man sieht so aus, oder nach sehr viel Geld, sonst fällt man auf, besonders wenn man mit Rad-Allwetter-Kluft und zersausten wind-verregnetem Haar auftaucht.

Am Sonntag ist großer Andrang im Gebäude, in dem Blain|Southern und Esther Schipper residieren: Hier hängt ein Gemälde von 22 Meter Länge von Jonas Burgert, und eine Video-Installation von Anri Sala wird präsentiert. Einige Tagesmedien (bspw. Tagesspiegel) haben die Werke im Vorfeld vorgestellt. Das Ergebnis ist ein Herdeneffekt, denn auch auf dem Kunstmarkt hat Spektakuläres meistens die Nase vorn. Zugegebenermaßen gefallen uns die beiden Werke auch recht gut. Beide Werke sind aber auch beispielhaft für mindestens die Hälfte der gezeigten Arbeiten, die nur in Museen bzw. Museumsräumen hängbar/ausstellbar zu sein scheinen. Aber es gibt durchaus auch Angebote für die private Umgebung, für die ein kleinerer Geldbeutel ausreicht und die uns auch gut gefallen.

Nebenbei bekommt man – vor allem im Westteil Berlins (Charlottenburg, Schöneberg) – sehr interessante Hinterhöfe, Hauseingänge und Treppenhäuser zu Gesicht. Insgesamt sind die Galerieräume staunenswert: Entweder sind sie so groß und hoch wie Museumsräume oder bestehen aus mehreren riesigen Zimmern in Altbauwohnungen, die natürlich ausschließlich mit der angepriesenen Kunst eingerichtet sind. Von den ausgestellten Werken abgesehen gleicht sich allerdings ingesamt das Erscheinungsbild der Galerien: Am Eingang steht die Theke oder der Tisch, auf denen die Informationen zum Ausgestellten nebst eines üppigen Blumenstrauß präsentiert sind. Dahinter sitzen ein bis zwei meist junge, weibliche Personen, die in ein Apple-Produkt starren. Irgendwo im Publikum ist der häufig männliche Galeriebesitzer oder -vertreter zu erkennen.

Wie erscheint uns zusammenfassend das Treiben am Galeriewochenende? Das Begleitmaterial der Galerie Neu zu Andreas Slominskis Arbeit transhumanistisch bringt es auf den Punkt:

Die Ros‘ ist ohn warumb

sie blühet weil sie blühet

Sich achtt nicht jhrer selbst

fragt nicht ob man sie sihet

Angelus Silesius, Der Cherubinische Wandersmann, 1675

Emotionale Beurteilung der besuchten Galerien:

Capitain Petzel – Charline von Reyl (**)

Galerie Gerken – Dieter Mammel (***)

Eigen+Art – Olaf Nicolai  (*)

Gerhardsen Gerner – Markus Oehlen ()

Galerie Neu – Andreas Slominski  (**)

Neugerriemenschneider – Michel Majerus (**)

Mehdi Chouakri – Charlotte Posenenske (*)

Galerie Max Metzler – Günther Förg ()

Galerie Guido W. Baudach – Jürgen Klauke (**)

Blain|Southern – Jonas Burgert (***)

Esther Schipper – Anri Sala, Angela Bulloch (***)

Buchmann Galerie – Tatsuo Miyajima (**)

Carlier|Gebauer – Thomas Schütte (***): Vielfalt der Technik: Skulpturen aus Bronze, Keramik, Stahl und Murano-Glas, Holzschnitt, Figurengruppe Gartenzwerge

König Galerie|St. Agnes – Michaela Heise, Anselm Reyle und andere (***)

Zeitereignisse – April 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

In Sankt Petersburg kommen mehrere Menschen bei einem Anschlag in der U-Bahn ums Leben.

Bei einem Angriff der syrischen Armee soll Giftgas eingesetzt worden sein. Syrien und Russland bestreiten den Einsatz.

In Stockholm tötet ein Attentäter, der einen LKW in eine Menschenmenge steuert, mehrere Personen.

Auf den Mannschaftsbus des Fussballvereins Borussia Dortmund (BVB) wird Stunden vor Spielbeginn ein Sprengstoffanschlag verübt. Tage später wird ein Mann festgenommen, der im Verdacht steht, das Attentat verübt zu haben, um vom folgenden Kursverlust der Aktie des BVB zu profitieren. Ein fingiertes Bekennerschreiben sollte die Tat in einen islamistischen Hintergrund rücken. Wenige Tage später wird ein deutscher Offizier mit rechtsradikaler Gesinnung wegen Terroverdachts festgenommen. Der Mann hatte sich zuvor als Syrer ausgegeben und erfolgreich Asyl beantragt, um mutmaßlich die Anschläge Asylbewerbern zuzuschieben.

Beim türkischen Verfassungsreferendum gewinnen die Vorschläge der regierenden AKP-Partei knapp die Mehrheit. Damit erhält der türkische Präsident mehr Exekutivbefugnisse.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen bekommen im ersten Wahlgang der französischen Präsidentenwahl die meisten Stimmen. Damit ist in der Stichwahl für das Präsidentenamt kein Kandidat der etablierten Parteien vertreten. Drei Tage vor dem ersten Wahlgang tötete ein Attentäter mit islamistischem Hintergrund in Paris einen Polizisten.

Der AfD-Parteitag findet unter dem Protest verschiedener Bevölkerungsgruppen in Köln statt. Im Vorfeld gab die Vorsitzende Frauke Petry ihren Verzicht als Spitzenkandidatin der Bundestagswahl bekannt.

Venezuelas Präsident Maduro schlägt eine Volksversammlung vor, um die Verfassung des Landes zu reformieren. In Venezuela gibt es seit Beginn des Monats gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des Präsidenten und der Opposition. Seit Monaten gilt der Ausnahmezustand; zeitweise war das Parlament, in dem eine oppositionelle Mehrheit besteht, durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes entmachtet. Die Opposition macht den Präsidenten für die schwere Wirtschaftskrise (bis hin zu Knappheit von Grundnahrungsmitteln aufgrund einer Hyperinflation) verantwortlich. Der Präsident hat den Ausstieg aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) angekündigt.

Momente in Gedanken #4

 

Mittagspause in Friedenau

 

Raus aus der Wohnung

Rüber über die Straßenkreuzung

zum Würstchenstand vor dem inhabergeführten Supermarkt.

 

Mit der Wurst in der Schrippe

die Straße entlang

an der Auslage der Buchhandlung langsam vorbei.

 

Weiter hinunter zum italienischen Café

Im Rücken die weißgekachelte Küche

Espresso mit Blick nach draußen.

 

Über die Straße

Zum Kiosk an der Bushaltestelle

Mit Zeitung noch die Zimtschnecke beim Restaurant-Deli am Platz.

 

Und dann zurück im Treppenhaus die Stufen hinauf.