|Gesehen| Lars von Trier: Nymphomaniac I und II – Johannes Naber: Zeit der Kannibalen – Christopher Nolan: Inception
|Gelesen| Michel Houellebecq: Unterwerfung – Michel Houellebecq: Karte und Gebiet – Patrick Modiano: Eine Jugend – Kamel Daoud: Der Fall Meursault, eine Gegendarstellung
|Gehört| G. F. Händel: Lascia ch’io pianga – César Franck: Sonate für Violine und Piano A-Dur
|Getan| an die Peripherie von Berlin geradelt – ein Wochenende an der Ostsee verbracht
|Gegessen| Dolsot Bibimbap (koreanisches Nationalgericht) – Bircher-Müsli in mehreren Varianten (mit Sahne/Joghurt/Erdbeeren/Orangen) – Brioche – Blumenkohlsalat mit getrockneten Tomaten und Sonnenblumenkernen – Zitronenkuchen – Rote-Beete-Crêpes im Mundvoll in Kreuzberg – Bulgursalat – Pancakes – weiterhin jede Menge Bagels – Eis am Stiel, im Becher und in der Waffel
|Getrunken| Morgenkaffee mit den Kolleginnen
|Gedacht| Nicht schon wieder: immer wenn ich morgens das Handy angemacht habe und es wieder schlechte Nachrichten gab. Wohin mit all der Sorge?
|Gefreut| über einen Familienbesuch – über einen Birkenwald im Süden Berlins – einen entspannten Samstag mit zwei super-coolen Mädchen – auf den Urlaub
|Gestaunt| über die vielen Bäume und Äste, die es während des Sturms hier am 22. Juli zerlegt hat, und die jetzt noch überall am Boden liegen
|Gelernt| „eine Urlaubslage geben“ = auf der Arbeit einen ausgeben (z.B. Süßes, Kuchen, Eis, belegte Brötchen) am Tag bevor der eigene Sommerurlaub beginnt. Und, es wäre ja nicht so, dass wir nicht auch Kuchenrunden zum Geburtstag hätten. So lässt es sich arbeiten.
|Gelacht| sehr viel während eines entspannten Sommerabends an der Spree
|Geärgert| über vergessene Geburtstage im Juli
|Gekauft| nur Kleinkram, u.a. die Reiseapotheke aufgestockt
|Gewünscht| dass die Tage bis zum Urlaub nicht zu stressig sind
|Geklickt| das Europamagazin im Ersten
Leben
Alles, was es im Alltag gibt.
Momente in Gedanken #3
Wer in diesen Tagen eine geraume Weile vor der Bahnhofshalle warten musste, konnte möglicherweise ähnlich Erstaunlichem beiwohnen, wie ich es tat. Gegen 13 Uhr sprangen aus dem Gebäude einige junge Männer in roten Trikots auf den Bahnhofsvorplatz. Sie waren mit albanischen Nationalflaggen umschlungen, auf deren satten roten Hintergrund ein massiv schwarzer Doppeladler prangt. Offensichtlich handelte es sich um Anhänger des albanischen Fußballteams, das bei den diesjährigen Europameisterschaften seinen ersten Auftritt hatte. Manche trugen als traditionelle Kopfbedeckung weißleuchtend die Queleshe. Das Erscheinen der Fans versah ein dahinschlendernder Bürger mit der Aufforderung, dass diese doch bitteschön in ihr Land zurückgehen sollen.
Einige Augenblicke später nahm ich am rechten Rand meines Blickfelds das Auftreten von zwei jungen Männer mit Trikots war, die mit dem kroatischen Schachbrett übersät waren. Meine Gedanken überschlugen sich sofort. Was, wenn die beiden Gruppen sich als Mehr- und Minderheit am Platz erkennen? Gab es denn nicht auch in Kroatien nationalistische Strömungen? Und Albanien als südlicher Abschluss des Balkans ist doch ein eher muslimisch geprägtes Land. Stereotype purzelten und verkündeten die Aussicht auf Streit und möglicherweise Gewalt.
Während die albanischen Jugendlichen Gesänge anstimmten, die weniger Schlachtrufe des Sports waren sondern zu ausdrucksstarken Volksliedern tendierten (es könnte natürlich auch die albanische Nationalhymne angestimmt worden sein), betrat eine ältere Dame die Szenerie. Sie war mir schon eher aufgefallen. Mit ihrem Stoffbeutel hatte sie den Platz überquert, um ins Bahnhofsinnere zu gelangen, mit Seitenblicken, die sie zuweilen sogar zu kurzen Stopps ausdehnte. Jetzt ging sie unter den Wartenden umher, wechselte teilweise einige Worte mit diesen und verwies ein, zweimal auf die albanischen Jugendlichen. Offensichtlich bewegte sie ein Unverständnis, das sich meines Erachtens auf zwei Beobachtungen stützen konnte. Entweder fragte sich sie, warum sich hier einige albanische Fußballfans versammelt haben (und damit nehme ich Vorwissen über die Fußball-EM bei ihr an). Oder sie wunderte sich über die lebhafte Zurschaustellung von Nationalität und missbilligte dies gar.
Inzwischen versammelten sich die albanischen Jugendlichen zu einem Gruppenfoto, das einer der beiden Kroaten schoss. Einen Moment später näherte sich die alte Dame der albanischen Formation. Unter heftigen Kopfnicken verständigte sie sich mit einem der Albaner und war bei meinem nächsten Blick in die Mitte der Gruppe verpflanzt. Der Moment der jubelnden Albaner mit der alten Dame in ihrer Mitte wurde natürlich vom kroatischen Passanten festgehalten.
Die UEFA-Europameisterschaften im Fußball der Männer erweisen sich doch als nützlich – bei all der Korruption und Manipulation im Sport sowie der solche Ereignisse begleitenden Unsicherheit für alle Beteiligten.
Momente in Gedanken #2
München hat viele Friedhöfe; einer davon ist besonders. Der Alte Nördliche Friedhof in der Maxvorstadt hat einen sehr schönen Baumbestand. Die Grabsteine des in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegten Friedhofs sind recht groß und teilweise sogar mit Skulpturen besetzt. Tote werden hier heute nicht mehr beigesetzt. Diese Merkmale teilt der Friedhof mit anderen Grabstätten.
Wer den Nordfriedhof betritt, kann allerdings durch das Sonnenlicht, das leise durch die Blätter fällt, die Besonderheit des Friedhofs erfahren. Schnell hat man dein Eindruck, als huschten Tiere, Menschen oder Ähnliches zwischen den Bäumen vorbei. Und nach weiteren Schritten begegnet man der ersten Person, die auf einer Decke zwischen den Gräbern sitzt, und einer anderen Person, die im Schatten meditiert oder Dehnübungen macht. Denn die Umherhuschenden sind Jogger, die ihre Runden auf den Wegen des Friedhofs drehen.
Die Stadt München und die Bürger haben sich geeinigt. Der Friedhof kann zu Freizeitzwecken genutzt werden, ohne dass dabei die Pietät des Ortes und die Ruhe der Begrabenen gestört wird (wie uns Schilder aufklären). Und nach einer Weile der Akklimatisierung, können wir das Konzept langsam nachvollziehen. Gerade weil wir auf einen Friedhof sind, finden wir Ruhe. Und warum sollte man diese nicht im leisen Gespräch oder beim Laufen nutzen? Nach und nach wird uns bewusst, dass diese Ruhe und Stille in Großstädten natürlich äußerst selten ist – und man das so auch nicht in den größten Parks (wie dem Englischen Garten) finden kann.
Es bleibt nur noch über unsere (christlich-europäische) Begräbnistradition nachzudenken. Meistens befindet man sich auf einem Friedhof, wenn ein Mensch gestorben ist, der einem persönlich nahe stand. Später besucht man das Grab noch mit gleicher Stille – aber vielleicht mit abgemilderter Trauer. Wer als Kind bei einer Beerdigung dabei war, dem wird sicherlich noch die Stille der schwarz bekleideten Erwachsenen in Erinnerung sein, die Ermahnung, nicht laut zu sein, die Erklärung, dass man die Ruhe der Toten nicht stören wolle.
Wie es zum requiescat in pace (Ruhe in Frieden) kam, wissen wir nicht so genau. Wir ahnen allerdings, dass es bei der Wandlung der eigenen alten Traditionen hilft, über die Traditionen anderer Menschen, Völker, Gesellschaften nachzudenken. Ist der Umgang mit dem Tod immer der gleiche? Allgemein bekannt ist, dass der Tod auch als eine Zwischenstation angesehen werden kann, auf dem Weg zum nächsten irdischen Leben (bspw. im Buddhismus oder bei den Mayas). Der Tod ist dann Teil des Lebens und nicht ihm entgegengesetzt. Der Tod kann auch als absolut endgültig angesehen werden, so dass nur das Diesseits zählt und die Toten keiner Behausungen bedürfen (bei den Griechen). Und manchmal wird die gemeinsame Erinnerung an Verstorbene sogar zu einem farbigen Fest mit Blumen, Gesang oder Tanz:
Zeitereignisse – Juni 2016
Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:
Der deutsche Bundestag verabschiedet mit großer Mehrheit eine Resolution zur Anerkennung des Völkermords an den Armeniern.
Die schweizer Bürger stimmen in einem Referendum mit 77 Prozent gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für jeden Einwohner.
Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe ist erstmals negativ.
Die britischen Bürger stimmen für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Gegen den Austritt haben vor allem jüngere Wähler gestimmt, sowie Londoner, Schotten und Nordiren. Die beiden Hauptkontrahenten der Debatte kamen beide aus der Conservative Party: David Cameron als Befürworter und Boris Johnson als Gegner des Verbleibs in der EU.
David Cameron kündigt nach der Abstimmung für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union seinen Rücktritt als Premierminister an.
Der Staat Kolumbien und die FARC-Rebellen unterzeichnen ein Waffenstillstandsabkommen.
Monatsrückblick – Juni 2016
|Gesehen| Florian Henckel von Donnersmarck: Das Leben der Anderen – Marcus H. Rosenmüller: Wer früher stirbt ist länger tot – Gus van Sant: Promised Land – André Schäfer: Deutschboden – Wim Wenders: Bis ans Ende der Welt – Dowton Abbey, Staffel 5 (1-4) – More than Honey (Doku) – die deutschen EM-Spiele bis zum Achtelfinale – Italo Zingarelli: Das Krokodil und sein Nilpferd – Enzo Barboni: Die rechte und die linke Hand des Teufels
|Gelesen| Umberto Eco: Nachschrift zum „Namen der Rose“ – Leopold von Sacher-Masoch: Venus im Pelz – Kristof Magnusson: Das war ich nicht
|Gehört| Herbie Hancock: Thrust – Cybotron: Cybotron – Jonny Greenwood: Popcorn Superhet Receiver – Claude Debussy: Suite Bergamasque – Erik Satie: Gymnopédies No. 1-3 – Erik Satie: Gnossiennes No. 1-4 – Antonin Dvorak: Romanze für Klavier und Violine op. 11 – Museo Rosenbach: Zarathustra – Franz Schubert: Schwanengesang D 957 – Der Anhalter (Podcast, WDR5) – No land called home (Feature, Deutschlandradiokultur)
|Getan| Joggen im Waldpark – Reichstagskuppel besichtigt – ARD-Hauptstadtstudio besucht
|Gegessen| Spargelsalat mit Sonnenblumenkernen und Petersilie – Brioche – Ricotta-Gnocchi – Ofengemüse mit Salat – Cigköfte in Dürüm – Parmigiana – Halloumi-Burger – Baba ganoush – kiloweise Erdbeeren
|Getrunken| Thè verde von San Benedetto – Preiselbeer-Schorle mit Limette
|Gedacht| Ziemlich viel Regen für Juni. Und dann auch gleich noch am Sommeranfang.
|Gefreut| über reibungsloses Baby-Sitten, das Spielergebnis im Island-England Achtelfinale der EM (2:1), schöne Neuigkeiten
|Gelacht| über die „Wikinger-Witze“ nach dem #brexit und dem folgenden Spielgewinn Islands
|Geärgert| über die Fahrlässigkeit der Briten
|Gekauft| Schuhe
|Gewünscht| mehr gute Nachrichten
|Geklickt| die Digitorials des Städel Museums
Momente in Gedanken #1
Es ist kaum zu glauben, dass Indien seit nunmehr fast 70 Jaren eine (funktionierende) Demokratie ist im Angesicht der vielfältigen Unterschiede, Gegensätze und Ungleichheit im Land. Bis jetzt können sich Reich und Arm, Stadt und Land, Hindus und Muslime, Männer und Frauen, Menschen unterschiedlicher Kasten, Menschen unterschiedlicher Sprachen auf die Wahl von Volksvertretern einigen.
Zeitereignisse – Mai 2016
Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:
Evakuierung von Fort McMurray aufgrund von Waldbränden – NYT: Wildfire Empties Fort McMurray in Alberta’s Oil Sands.
Donald Trump ist der verbleibende Kandidat der Republikanischen Partei auf das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten von Amerika.
Sadiq Khan wird Bürgermeister von London.
Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) tritt aufgrund von parteiinternen Differenzen von allen Ämtern zurück.
Ahmet Davutoglu tritt als türkischer Ministerpräsident zurück.
Mittlerweile sind alle Regierungen basierend auf den Landtagswahlen im März in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt vereidigt, bei denen die AFD seit dem Wechsel an der Parteispitze in weitere Landtage einzieht: Koalition aus SPD, Grüne und FDP in Rheinland-Pfalz, Koalition aus Grünen und CDU in Baden-Württemberg, Koalition aus CDU, SPD und Grünen in Sachsen-Anhalt.
Der Governeur von Kalifornien, Jerry Brown, verkündet permanente Maßnahmen im Zusammenhang mit der anhaltenden Dürre im Bundestaat- NYT: California Braces for Unending Drought.
Das türkische Parlament hebt die Immunität von 138 Abgeordneten auf.
Dürre in Indien aufgrund des Ausbleibens des Monsums: – BBC: India drought: ‚330 million people affected‘
Erste gerichtliche Entscheidung zu Jan Böhmermanns Gedicht Schmähkritik über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan: Das Gedicht ist in Teilen ehrverletzend. Ausschnitte daraus können daher nicht wiederholt werden.
Verhängung des Ausnahmezustands nach Sturm auf das Regierungsviertel in Bagdad.
Alexander van Bellen (parteilos) wird mit 50,3 Prozent der Stimmen zum österreichischen Bundeskanzler gewählt gegenüber dem Kandidaten der FPÖ.
(Quellen: Deutschlandfunk, Neue Zürcher Zeitung, New York Times, Washington Post, BBC, The Economist)
Monatsrückblick – Mai 2016
|Gesehen| Nicolette Krebitz: Wild – Robert Aldrich: Kiss Me Deadly – und kontemporäres Weltkino: Jia Zhangke: A Touch of Sin (China, 2014) – Amat Escalante: Heli (Mexiko, 2013) – Warwick Thornton: Samson and Delilah (Australien, 2009) – Ritesh Batra: Lunchbox (Indien, 2013) – Anthony Chen: Ilo Ilo (Singapur, 2013)
|Gelesen| Salman Rushdie: Midnight’s Children – Rainer Flassbeck: Das Ende der Massenarbeitslosigkeit (Auszug) – Ernst Gombrich: The story of art
|Gehört| Frédéric Chopin: Klaviersonate No. 1 c-moll op. posth. 4 – Alfred Schnittke: Concerto grosso No. 1 – John Lennon/Plastic Ono Band – Brian Eno: Taking tiger mountain (by strategy)
|Getan| mit dem Rad aus München raus an der Isar entlang gefahren und wieder zurück – gewandert auf dem E11 von Potsdam nach Nikolassee und gewandert im Grumsiner Forst (Uckermark) – im ICE in der ersten Klasse gereist
|Gegessen| Schnitzel mit Spiegelei und Bratkartoffeln, Carpaccio von der Zunge, Eis von Ballabeni, Türkisch im Hasir, Spargelsalat mit Parmaschinken, Möhrenpaste mit Harissa und Pistazien (Ottolenghi), Zerdrückte Alb-Linsen mit Tahini und Kreuzkümmel (Ottolenghi)
|Getrunken| Spezi aus dem Humpen, Weißbier, sehr sehr sehr guten méthode rurale Rieslingsekt (Weingut Bäder, Rheinhessen)
|Gedacht| Team Kurzurlaub!
|Gefreut| über den Gesang der Nachtigall vor unserem Fenster
|Gestaunt| über die waagrechten Pupillen von Ziegen
|Gelacht| über die popkulturelle Referenz zu den waagrechten Pupillen der Ziegen – über unsere Versuche, zu One-Minute-Sculptures zu werden – über Karl Poppers Übersetzungshilfen für Texte der Frankfurter Schule
|Geärgert| über die Voice-meets-Yoga Veranstaltung im Kloster Chorin, die uns darin hinderte das Kloster zu besichtigen – über wirtschaftspolitische Texte, die alles mit allem vermischen und bei weitem nicht alles erwähnen
|Gekauft| Besen mit Gummiborsten für den Kücheneinsatz
|Gewünscht| dass es manchmal einfacher wäre
|Geklickt| Karte mit eingezeichneten Wanderwegen, norwegischer Wettervorhersagedienst
Wandern im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und dem Unesco-Weltnaturerbe Grumsiner Forst
Für den Pfingstsonntag 2016 war das regnerischste Wetter des ganzen Pfingstwochenendes angesagt. Daher überlegten wir den halben Samstag, ob wir nun nochmal wandern gehen sollten oder uns doch ein Museum raussuchen. Als es am Sonntagmorgen um kurz nach Acht nicht regnet, fällt die Entscheidung zugrunsten des Wanderns.
Um 09.30 Uhr starten wir am Hauptbahnhof und nahmen den Regionalexpress in Richtung Schwedt/Oder. In Angermünde steigen wir in den Bus um, so dass wir um kurz nach 11.00 Uhr in Altkünkendorf ankommen. Hier ist der Hauptausgangspunkt, wenn man zu Fuß die Buchenwälder des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin durchstreifen will, wobei der Grumsiner Forst zum Unesco-Weltnaturerbe zählt.
Und was soll ich sagen: Es ist das lange Pfingstwochenende, es ist sonniges, windiges Wetter und – es ist kein Mensch da. Wir sind die einzigen, die aus dem Bus steigen, die Straßen leer, das Besucherzentrum in der Ortsmitte von Altkünkendorf zum Glück offen aber neben uns nur zwei weitere Personen anwesend. Eine davon ist der ortskundige Vertreter des Fördervereins, der heute Dienst hat. Kein Gasthof, kein Besuchercafé, nix. Zum Glück haben wir Wasser und ausreichend Proviant dabei, so dass wir nicht einkehren müssen. Die Hoffnung, in Groß-Ziethen, am Umkehrpunkt der Wanderung, dennoch einen Gasthof, Biergarten oder ähnliches zu finden, habe ich natürlich trotzdem.
Wir nehmen uns eine Karte mit und suchen uns den Rundweg nach Groß-Ziethen als Wanderstrecke aus. Dazu müssen wir erst dem gelben und später dem grünen Buchenblatt als Markierung folgen. Um 15.01 Uhr geht der Bus zurück, einer von zweien an diesem Nachmittag. Viel Flexibilität bleibt uns daher nicht und wir machen uns auf den Weg.
Von der Bushaltestelle aus folgen wir der Straße noch etwa 300m bevor wir auf die links abbiegende, ortsauswärts führende Straße in Richtung Wald laufen. Hier sehen wir auch das erste Mal die Markierungen, nach denen wir uns in den nächsten vier Stunden richten müssen. Und blühende Rapsfelder, die nur von den Buchenwäldern begrenzt werden, auf die wir zulaufen.
Auch im Wald ist nichts los. Wir hatten ja bis zuletzt vermutet, dass alle mit dem Auto anreisen und es irgendwo einen großen Parkplatz gibt, wo wir dann auf die Massen treffen. Stattdessen Waldeinsamkeit. Es begegnen uns insgesamt zwei andere Familien und zwei Menschen mit Hund. Ansonsten nur Bäume, Wind, Sonne, Vögel. Viel Tourismus scheint hier – zumindest zu dieser Jahreszeit – nicht zu sein.
Auch Groß-Ziethen ist ähnlich verschlafen wie Altkünkendorf. Wir umrunden einmal die Kirche, spazieren die eine Dorfstraße hinauf, die andere wieder hinab. Die Hoffnung einen offenen Gasthof zu finden, schwindet. Und das obwohl es Pfingstsonntag und kurz nach zwölf ist. Wenn es nicht jetzt irgendwo ein geöffnetes Restaurant gibt, wann dann? Wir spazieren zurück in Richtung Wald, zu der Stelle, an der die Karte das Symbol mit gekreuztem Messer und Gabel angibt. Und es ist nicht zu fassen – ein offener Gasthof: Zum Schwanenteich in Groß-Ziethen.
Es gibt Schnitzel mit Spiegelei und Bratkartoffeln für M sowie Spiegeleier und Bratkartoffeln für mich. Neben uns sind noch zwei weitere Tische besetzt, das Wirtsehepaar hat gut zu tun, ist aufmerksam und plaudert mit uns. Das Essen ist bodenständig gutbürgerlich, die Bratkartoffeln sind mit Speck und Zwiebeln verfeinert, der Salat wortwörtlich „bunt zusammengewürfelt“ und fein angemacht, längst nich nur das lieblose Salatblatt samt Tomatenscheibe, das bei solchen Gerichten oft euphemistisch in der Karte als „Salatbeilage“ angepriesen wird. Die Preise sind ländlich günstig, zu zweit zahlen wir 16,- Euro für Essen und Getränke.
Während wir essen geht draußen der ersten Schauer runter. Als wir uns gerade auf den Rückweg machen, folgt der zweite. Aber auch dieser dauert nur ein paar Minuten und dann können wir unseren Weg in Richtung Sperlingsherberge fortsetzen. Dort schauen wir uns noch das Modell an, dass die Landschaftsformung durch die Vorgänge während der Eiszeit erläutert und das wir – schauen wir auf und um uns herum – prima mit der Landschaft vergleichen kann, in dessen Mitte wir gerade stehen. Nun müssen wir uns sputen, der Bus wartet nicht und auch wir haben keine Lust, noch zwei Stunden in Altkünkendorf auf den nächsten zu warten. Wir legen die sechs Kilometer in einer knappen Stunde zurück und erreichen die Bushaltestelle gute 10 Minuten vor Abfahrt. Geschafft.
Zurück geht es nach Angermünde, dann eine Station mit dem RE in Richtung Berlin und kurzer Zwischenstop im Kloster Chorin. Auch hier ist nichts los, der Fahrradverleih am Bahnhof hat gar nicht offen. Außer uns steigt um die Uhrzeit niemand mehr aus dem Zug. Vom Bahnhof sind es etwa zwei Kilometer zu laufen, bevor wir erst den See und dann die Klosterruine erreichen.
Trotz vorheriger Recherche findet doch ein Konzert statt, so dass wir das Kirchenschiff nur von außen besichtigen können. Inzwischen ist es fast vier. Wir entscheiden uns daher für Kaffee und Kuchen im (bereits ziemlich leer gekauften) Kloster-Café, schauen uns noch kurz den Eiskeller an, in den demnächst die Fledermäuse umziehen sollen und machen uns auf den Rückweg zum Bahnhof. Der RE um 17.44 Uhr bringt uns zurück nach Berlin.
Monatsrückblick – April 2016
|Gesehen| House of Cards Staffel 4 – Gus van Sant: Last days
|Gelesen| Orhan Pamuk: Das neue Leben – Philip Ursprung: Die Kunst der Gegenwart- Thomas Kuhn: The structure of scientific revolutions – Salman Rushdie: Midnight’s Children – Hermann Kulke und Dietmar Rothermund: Die Geschichte Indiens, Vorgelesen: Pondarosa von Michael Sieben, Kristof Magnusson: Arztroman
|Gehört| Dimitri Shostakovich: Symphonie No. 5 – Mozart: Requiem
|Getan| im Botanischen Garten in Berlin gewandelt
|Gegessen| Banh Beo, das traditionelle Gericht der Küche von Hue (Vietnam) – Risotto mit grünem Spargel – Spargelpfannkuchen – Mittagessen im William am Staatsschauspiel Dresden – Abendessen im „großen“ Saigon – jede Menge selbst gebackene Bagels
|Getrunken| Vertonic: Noilly Prat (Vermouth) mit Tonic Water, Basilikum, Gurke, Minze
|Gedacht| so langsam könnte es mal wärmer werden
|Gefreut| endlich ein gemeinsames Haushaltskonto
|Gelacht| über corned beef
|Geärgert| Über eine runtergefallene, zerbrochene Milch im Supermarkt und ein vergessenes Frühstücksbrot am selben Tag.
|Gekauft| Geburtstagsblumen für J., Spargel, die ersten Erdbeeren
|Gewünscht| dass es die Zeit gut mit uns meint
|Geklickt| Ottos Reise, fitnessblender.com (für Yoga und Pilates zu Hause)






















































