Boston Tag 5 – Worcester, Cape Cod

Der Tag nach der Hochzeit beginnt mit Abschied nehmen. Nach und nach verabschieden sich die Gäste, die am Sonntag noch nach Hause oder weiter in den Urlaub fliegen. Wir haben für diesen Tag nur die Fahrt nach Cape Cod geplant und sind deswegen entspannt. Das Hotelfrühstück tauschen wir gegen Frühstück in der Birch Tree Bread Company, was sich als sehr gute Entscheidung herausstellt. Nicht nur guter Kaffee sondern auch gutes Brot.

Anschließend verabschieden auch wir uns von E und R und bekommen noch gute Tipps von Rs Tante für Cape Cod mit auf den Weg. Ausgestattet mit Restaurant- und Ausflugsempfehlungen machen wir uns auf den Weg. Da das Wrentham Outlet direkt auf dem Weg liegt, halten wir kurz und erstehen neue Jeans für M und einen Cardigan für mich.

Danach geht’s weiter über die Bourne Bridge hinauf auf die Halbinsel. Wir nehmen nicht den Highway #6 sondern den #6A, so dass wir die Landschaft, Häuser und Dörfer besser anschauen können. Gegen 17.30 Uhr erreichen wir das Captain Farris House in Yarmouth, Brass River Village, wo wir die nächsten drei Tage verbringen werden. Luke begrüßt uns herzlich, zeigt und beeindruckt uns mit einer Tour durch das Haus und unser Zimmer. Ein typisches, eher klassisch-antik eingerichtetes B&B. Perfekt.

Das Haus verfügt über eine ganze Kiste mit Speisekarten von Restaurants der Umgebung, die wir uns die nächste halbe Stunde vornehmen. Noch hat die Saison nicht begonnen, daher müssen wir auch ein bisschen nach den Öffnungszeiten schauen. Sonntagabend scheint aber kein Problem zu sein. Wir folgen Lukes Tipp und entscheiden uns für das Ocean House Restaurant in Yarmouth. Es wird das beste Essen auf unserer Reise werden. Mit Blick auf den Ozean genießen wir Calamari, Filet Mignon als Wrap im Salatblatt, Kabeljau mit perfektem Krautsalat und Pommes, Kotelett auf  Kartoffelpüree, Profiteroles, Rharbarber-Erdbeer-Creme. Aufs Foto haben es nur der Gruß aus der Küche und die Vorspeisen geschafft, danach war es zu dunkel.

03.05.2015

Boston Tag 4 – Hochzeit

Es ist Samstag. Heute wird geheiratet. Nach einer erholsamen Nacht im King-Size-Bett machen wir uns zum Frühstück auf, das praktischerweise auf der gleichen Etage nur wenige Schritte von unserem Zimmer serviert wird. Die angebotenen Speisen und Getränke sind nicht der Rede wert, jedoch treffen wir die ersten Hochzeitsgäste vom gestrigen Abend wieder und dann gesellt sich auch das Brautpaar kurz zu uns. Und plötzlich wird klar, wie viele der uns herum frühstückenden Menschen eigentlich dazu gehören. Fast alle.

Wir verbringen den Vormittag im Worcester Art Museum und schauen uns die wunderschön ausgesuchte Sammlung und die Sonderausstellungen an. Anschließend geht es für mich zur Schönheitspflege, Hand- und Fußnägel hochzeitstauglich machen. Gegen halb vier sind wir zurück im Hotel, es bleibt nur noch eine Stunde zum Anziehen und Schminken und schon fährt der erste Shuttle-Bus.

Wir entschließen uns, gemeinsam mit K und P das Auto zu nehmen, um rechtzeitig zum Ort der Trauung zu gelangen. Uns erwartet ein Raum in einem alten Industriegebäude, der liebevoll mit persönlichen Dingen von E und R dekoriert ist: Eine Tafel mit den wichtigsten Stationen ihres Kennenlernens (erster Kuss, erstes Date, Tag und Ort des Antrags, …), Hochzeitfotos von Eltern und Großeltern, ein witziges und gleichzeitig liebevoll zusammengestelltes „Programmheft“, Blumen, ein extra gebauter, Pavillion unter dem das Paar gleich stehen wird. Hier hat sich „ein ganzes Dorf“ wie die Trauzeugin später sagen wird, viele Gedanken gemacht, um den perfekten Tag auszurichten.

Unsere Eile war gar nicht notwendig, bevor nicht alle Gäste da sind und auch die Hochzeitsgesellschaft vom Fotos machen kommt, geht es nicht los. Doch dann beginnt der Einzug. Als erstes kommt die Traurednerin, eine Cousine von R, die extra für diesen Tag eine Lizenz zum Trauen bekommen hat. Als nächstes kommt schon E, Papa an der rechten und Mama an seiner linken Seite, danach die Trauzeugen und Brautjungfern und zuletzt R, ebenfalls an der Seite ihrer Eltern.

Die Trauung ist kurz, berührend und witzig zugleich. Nach einer halben Stunde erklingen die „I do’s“ und Mr. und Mrs. B sind Mann und Frau. So sehr, wie eine Trauung in Deutschland festgelegten Abläufen folgt – Texte unterbrochen von Musik und Andacht oder Gebet – so frei ist das Paar hier, den Ablauf der Trauzeremonie ganz nach seinen Vorstellungen zu wählen.

Nachdem die Verlobung, die Hochzeitsvorbereitungen mit Kennenlernen der Eltern und Auswahl der Trauzeugen sowie der Ablauf des Tages selbst den tradtionellen (wenig flexiblen) amerikanischen Gepflogenheiten entsprach, so sehr dringt jetzt die Freiheit durch, die man sich in Deutschland an dieser Stelle wohl nie nehmen könnte. E und R gelingt es, schon mit der Wahl der Traurednerin, aber auch mit den Inhalten der Trauversprechen eine sehr persönliche und familiäre Atmosphäre zu schaffen, die man einatmen und festhalten möchte.

Der Auszug der Brautleute endet direkt an der Bar und die Party beginnt mit der „Cocktail Hour.“ Es gibt lokales Bier und internationale Longdrinks. Später weichen die Getränke dem Essen, das Essen den Reden, die Reden dem Tanzen und das Tanzen dem gemeinsamen Ausklang in einer nahegelegenen Bar.

Schön war es. Erinnerungen sind es schon jetzt.

02.05.2015

Das Worcester Art Museum

Das dritte Museum auf unserer Reise ist das städtische Kunstmuseum in Worcester, kurz WAM. Wahrscheinlich sind wir einzigen Hochzeitsgäste, die den Morgen des Hochzeitstages im Museum verbringen. Wir fühlen uns jedoch sehr gut aufgehoben. Das Museumsteam gibt sich große Mühe, dass sich die Besucher wohl fühlen und verweilen. Es gibt immer wieder Inseln zum Hinsetzen, um Kindern Bücher vorzulesen, zum Kaffeetrinken und selbst eine Partie Dame kann man hier spielen. In fast jedem Raum stehen ein oder mehrere Guides, die nicht nur Sicherheitspersonal sind, sondern als Ansprechpartner für unsere Fragen zur Verfügung stehen. Auch die Oma der Braut hat hier mal als Guide gearbeitet.

Die Sammlung ist klein aber fein, sie reicht von Mittelalter und Renaissance über europäische und amerikanische Maler bis hin zur zeitgenössischen Videoinstallation von Nam June Paik. Eines unserer Lieblingsstücke findet sich direkt zu Beginn unserer Tour im Untergeschoss: Bill Viola stellt mit Union (2000) in extrem langsam gefilmten Videos die Mimik und Gestik der religiösen, mittelalterlichen Malerei nach. Und erreicht damit große Verblüffung. Unse Blick schweift immer wieder zu dem bildlichen Vorbildern an den umgebenden Wänden – und wirklich, der Aussruck vom Armen, Oberkörper und vor allem Gesicht im Video ist den mehrere hundert Jahren alten Vorbildern wahnsinnig ähnlich.

Nach zwei Stunden treten wir wieder hinaus in die Sonne. Damit das Universum im Gleichgewicht bleibt, folgt nun die eher typische Hochzeitsvorbereitung: Mani-Pedi – also Maniküre, Pediküre und Lackieren der Nägel.

Boston Tag 3 – Harvard, Beacon Hill, Boston Library, Worcester

Und auch am nächsten morgen sind wir wieder früh wach. Da wir unsere Räder noch bis halb elf nutzen können und im Hostel erst um elf auschecken müssen, entschließen wir uns zu einem schnellen Frühstück und anschließender Radtour am Fluss entlang nach Harvard. Der Radweg selbst liegt zwar am Fluss, aber eben auch neben der Autobahn. Wir müssen nicht mit anderen die Straße teilen, in der morgendlichen Rush-Hour ist es aber dennoch kein super entspanntes Radeln sondern vor allem laut. Gegen zwanzig nach neun taucht der Harvard Campus auf der anderen Flussseite auf. Und wie im Film sehen wir auch gleich die ersten Ruderer beim Training, Damen- und Herren-Achter und Vierer. Es ist wie im Film.

Wir überqueren den Fluss, lassen den Campus diesmal aus, und fahren auf der anderen Flussseite zurück in Richtung Stadt. Nach einem falschen Abzweig und kleinen Schlenker durch Fenway müssen wir uns nun langsam beeilen, um die Räder rechtzeitig zurückzubringen und auszuchecken. Aber zwei Doughnuts müssen noch mit.

Wir lassen die Taschen im Hotel und verbringen den Rest des Tages zu Fuß in der Stadt. Wir spazieren durch Beacon Hill, Back Bay und schauen uns den Copley Square an. Anschließend folgen wir Aarons Tipp und schauen uns die Boston Library an. Einmal pro Tag wird eine Führung angeboten, da diese heute aber bereits um 11.00 Uhr war, nehmen wir uns die Räume selbst vor. Besonders der Innenhof mit Springbrunnen und der große Lesesaal im ersten Stock sind einen Blick wert. Überall herrscht geschäftige Ruhe, genauso wie in der Bib zu Uni-Zeiten.

 

 

Nach einem schnellen Sandwich machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Wir treffen unsere kanadischen Mitbewohner ein letztes Mal, holen unsere Koffer und machen uns zum Mietwagenverleih auf. Erwartungsvoll, welches Auto wir wohl bekommen, stehen wir am Schalter. Der Alamo-Mitarbeiter sucht unsere Reservierung, findet nichts. Fragt nach Ms Namen und findet wieder nichts. Schreibt meinen Namen von der Reservierungsbestätigung ab, kein Treffer. Und dann fällt es auf: Der Mitwagen ist nicht für heute, sondern schon für gestern reserviert gewesen. Oh nein, in drei Stunden wollen wir in Worcester sein und jetzt haben wir kein Auto reserviert. Es lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wie die Verwechslung im Datum zustande kam, aber durch einen Kniff, kann der hilfsbereite Mann am Counter die Reservierung doch noch aufrufen. Es gibt noch Autos, allerdings nur größere als bestellt. Wir zahlen also den Aufpreis, froh, dass die Miete doch noch klappt und brausen mit einem Nissan Altima aus dem Parkhaus.

Anstelle der mautpflichtigen Autobahn nehmen wir die alte Poststraße (Route 20) nach Worcester. Es ist Feierabendverkehr und es geht nur langsam voran. Aber stetig bewegen wir uns aus dem Bostoner Großraum und hinein in die Vororte. Bis Worcester wird es kaum richtig ländlich, so dicht ist die Gegend besiedelt. Kurz nach sieben treffen wir am Hotel ein. Gerade rechtzeitig, um die anderen Hochzeitsgäste kennenzulernen und zum Abendessen zu gehen. Wir entscheiden uns für Steak und das 111 Chop House in Worcester. Eine sehr gute Wahl, denn – obwohl wir es uns schon für Boston vorgenommen hatten – sind wir bisher noch nicht essen gegangen.

01.05.2015

 

Das Boston Hostel

Die ersten zwei Nächte in Boston verbringen wir in der Jugendherberge. Da es kein freies Doppelzimmer mehr gab, haben wir zwei Betten im gemischten Vierer-Zimmer gebucht. Wir teilen mit einem netten, älteren Paar aus Kanada, das ein paar Tage in Bosten verbringt, um anschließend mit ihrer Tochter auf Kreuzfahrt zu gehen.

Die Buchung im Hostel war eher eine Verlegenheitslösung, da wir schnell feststellten, wie teuer man in Boston nächtigt. Hotelzimmer für 300 Dollar aufwärts stellen die Mehrheit im verfügbaren Zimmerangebot. Und wenn man, wie wir so maximal um die 120 Dollar zahlen will, muss man weit raus. Später erfahren wir, dass das Hostel selbst nur 22 der insgesamt 99 Betten als Doppelzimmer hat. Und da es als eines der wenigen Häuser in der Innenstadt dieses mittlere Preissegment bedient, sind die Doppelzimmer auch recht schnell ausgebucht.

Aber, das Hostel und auch unsere Mitbewohner stellen sich als Glücksgriff heraus. Die vielen positiven Bewertungen im Internet lügen nicht. Es ist zentral gelegen und extrem durchdacht auf die Bedürfnisse von Reisenden zugeschnitten. Das Zimmer ist funktional und ausreichend groß, es gibt sogar überlange Decken, auch wenn die Betten selbst „nur“ zwei Meter lang sind. Ein Ausblick ist nicht vorhanden, bei der Lage im Theater District/ Chinatown aber auch nicht ungewöhnlich. Unser Zimmer geht nach hinten raus, der Blick auf die benachbarten Häuser und eine Klimaanlage. Wir können jedoch bei geschlossenem Fenster schlafen, so dass das nicht weiter stört.

In dem Bereich der vierten Etage, in dem auch unser Zimmer liegt, stehen für insgesamt fünf solcher Vierbettzimmer vier Badezimmer zur Verfügung. Also, keine getrennten Räume mit einer Vielzahl von Toiletten und Duschen sondern ein Bad mit Toilette, Dusche, Waschbecken. Selbst Fön und zusätzliche Frottee-Badvorleger liegen bereit. Das Hostel war gut gebucht, aber wir mussten nie auf ein freies Bad warten. Sauber waren die Bäder aber auch alle anderen Bereiche sowieso, auch das hatten viele der Bewertungen, die ich im Vorfeld gelesen hatte, betont.

Ein Frühstücksraum mit offener Küche befindet sich im 2. Stock. Das Frühstück ist kein full breakfast sondern eher ein kleines, süßes Frühstück aber dennoch ausreichend und vielfältig. Verglichen mit dem was wir aus den amerikanischen Standardhotels kennen, gibt es eine ganz gut Auswahl und nicht alle Produkte sindextra verpackt oder nur ein Fertigwaren. Es gibt Kaffee und Tee, „richtigen“ Orangen- und Apfelsaft, Toast und Bagels zum selbst toasten, Butter, Cream Cheese, Honig, Marmelade und Erdnussbutter. Dazu noch ein paar Sorten Cornflakes, Knuspermüsli, Milch und Orangenschnitze. Und, was uns erst später im Vergleich zum Holiday Inn Express in Worcester auffällt, es gibt richtiges Geschirr und Besteck, statt der sonst üblichen Plastik-Wegwerfware.

Die Küche selbst ist mit allen Sorten Töpfen und Pfannen ausgestattet, dazu wird die Grundausstattung an Gewürzen, Essig und Öl sowie sogar Ketchup und Mayo vom Hostel bereitgestellt. Damit kann man problemlos auch für nur eine oder zwei Nächte die Zutaten für Abendessen im Supermarkt einkaufen und das dann selbst kochen . Pasta und Tomatensauce geht prima, haben wir selbst ausprobiert.

Und dann ist da noch Aaron: Er kam beim Frühstück an alle Tische und fragte rum, ob jemand noch Informationen zur Stadt oder zu Unternehmungen braucht, Fragen hat, etwas wissen muss. Wir haben mit ihm unsere Pläne besprochen und noch jede Menge gute Tipps bekommen, z.B. wo wir Räder leihen können, was sich anzuschauen lohnt und wie wir gut wohin kommen. Er hat sich wirklich Zeit genommen und wusste nicht nur alles über die Stadt selbst, sondern hatte auch ein breites Wissen über Architektur, Geschichte und Politik. Von ihm hatten wir nicht nur die Tipps für den Fahrradverleih, sondern auch alle Hinweise, welche Ausstellung und welches Gebäude sich anzuschauen lohnen.

Insgesamt ein perfekter Ort für unsere ersten zwei Tage in Boston. Wir konnten von dort aus alles unternehmen, was wir uns vorgenommen hatten. Jetzt holen wir gleich unseren Mietwagen und dann geht es weiter nach Worcester.

Das Boston Institute of Contemporary Art

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Diese Frage stellt sich mir im Institute of Contemporary Art (ICA) schon deutlich häufiger als noch gestern im IFA. Die hier ausgestellten Werke sind deutlich näher am „aktuellen Rand“ und durchaus spannend. Das ICA stellt quer über alle Kategorien aus, Malerei, Skulptur, Video, Installation, Musik. Insbesondere eine kleine Fotowand zur Architektur von Wohnhäusern in den Südstaaten hat es uns angetan.

Das wohl auffälligste Stück der momentanen Sammlung ist das „Sonic Arboretum“ von Ian Sheller mit der Musik von Andrew Bird. Dabei handelt es sich um einen Raum voller Grammophone, die über zehn iPods mit Musik und Tönen bespielt werden. Zum gleichzeitigen Einschalten aller iPods musste sogar eine eigene Presse gebaut werden, die wiederum selbst womöglich ein Stück Kunst darstellt.

Die Ausstellung ist donnerstags ab 17.00 Uhr ohne Eintritt zu sehen. Für unseren Besuch haben wir uns ungefähr eine Stunde Zeit genommen.

 

Boston Tag 2 – Radtour, MIT Campus, Bunker Hill, Seaport, ICA

Der zweite Tag in Boston beginnt mit sehr frühem Erwachen. Jetlag sei Dank, sind wir um sechs Uhr hellwach. Aus Rücksicht auf unsere Mitbewohner und auch weil es erst ab 07:00 Uhr Frühstück gibt, bleiben wir noch ein bisschen im Bett liegen. Mit bloggen, Fotos raussuchen und editieren kann man schon ein bisschen Zeit rumbringen.

Beim Frühstück kommt Aaron vom Hostel vorbei und fragt, ob wir noch Tipps brauchen. Wir erzählen von unserer Idee, Räder auszuleihen und bekommen einen guten Tipp für einen Fahrradladen, der nicht weit entfernt ist. Zudem markiert er Routen und Sehenswürdigkeiten in der Karte, gibt Tipps, wann es Führungen durch die Bostoner Bibliothek gibt (die architektonisch sehr sehenswert sein soll) und erinnert uns nochmal daran, dass es ab 17:00 Uhr im Institute for Contemporary Art (ICA) heute freien Eintritt gibt. Derart rundum informiert machen wir uns um kurz nach zehn auf dem Weg.

Die Räder holen wir im Community Bike Shop in der Tremont Street. 25 Dollar für 24h, inklusive Helm und Schloss. Wir werden auch hier gut umsorgt und mit weiteren Tipps losgeschickt. Direkt neben dem Radladen findet sich eine Doughnut Bakery (Blackbird Doughnuts), die vielversprechend aussieht. Also zwei Stück fürs zweite Frühstück eingepackt und los geht es.

Als erstes durchfahren wir den Stadtteil Back Bay und erkunden die Straßen rund um die Commonwealth Avenue. Hier blühen Magnolien vor den Hauseingängen, Balkonkästen und Töpfe werden bepflanzt, ansonsten sind die Straßen ruhig und gepflegt. Weiter geht es in Richtung Charles River und Esplanade, eine kleine parkähnliche Anlage, die sich südseits an den Charles River schmiegt. Hier gibt es erste Fotos von der Skyline und das zweite Frühstück. Beide Doughnuts sind wunderbar.

Wir überqueren den Charles River über die Longfellow Bridge und erreichen den Campus des MIT. Wir parken die Räder am Stata Center, genießen eine zeitlang die Sonne im kleinen Außen-Auditorium und spazieren anschließend eine kurze Runde über den Campus. Wir nutzen eines der Campus-Cafés zum Mittagessen und nehmen die Räder, um noch die Bostoner Skyline und das Simmons Building sehen zu können.

In der Zwischenzeit ist es zwei Uhr nachmittags und wir setzen unsere kleine Tour in Richtung Bunker Hill fort. Vom dortigen Turm aus, hat man einen guten Blick über die gesamte Stadt. Er gehört zum Boston National Historical Park Bunker Hill, so dass man keinen Eintritt zahlt, sondern lediglich ein Zugangsticket benötigt. Der Aufstieg ist Herz-Kreislauf-Training. Die Stufen sind vergleichsweise hoch und mit über 290 Stufen riecht es darin, wie es riechen muss, wenn täglich mehrere Schulklassen und Touristen da hoch klettern: nach Turnhalle. M ist unten geblieben und das war keine schlechte Entscheidung. Oben angekommen hat man nur vier kleine Guckfenster, die auch verglast sind. Also nur partieller Rundumblick und wenn man es nicht – dem netten Ranger sei Dank – vor der Schulklasse nach oben schafft, drängelt man sich dann vor den winzigen Fensterchen. Der Ausblick ist allerdings gut, Höhe schafft halt Übersicht.

Wir brausen den Berg wieder runter, immer an der Wegführung des Freedom Trail entlang und gelangen so über North End zurück in die Stadt. Ein kleiner Abstecher zum Seaport und dem ICA beschließen den Tag. Wir überall heute, wird auch hier gebaut. Jedoch nicht nur Straßen, sondern vor allem Häuser. Fast alle Gebäude südseits des Federal Courts sind nur wenige Jahre alt. Wir finden zwei der Restaurants wieder, die unser Wassertaxi-Mitfahrer gestern empfohlen hat (Boston Legal Harborside, Temazcal), haben aber beschlossen, die Küche des Hostels in Beschlag zu nehmen und Pasta mit Tomatensauce zum Abendessen zu machen. Also bleibt es beim Studium der Karten, die zwar gut, aber auch exklusiv, klingen. Im Sinne von: Stoffservietten und Anzugträger.

Der Wind frischt deutlich auf und so langsam wird es kalt. Wir beschließen, uns im ICA aufzuwärmen und auch deren Sammlung noch anzuschauen.

30.04.2015

 

Das Museum of Fine Arts in Boston

Momentan bietet das Museum of Fine Arts Boston, kurz MFA, die Gelegenheit seine Sammlung jeden Mittwoch ab 16.00 Uhr zu freiem Eintritt oder gegen eine Spende zu sehen. Trotz einsetzender Müdigkeit, nach deutscher Zeit war es bereits Mitternacht, haben wir uns auf den Weg in Richtung MFA gemacht. Nach kurzem Kampf mit dem Ticketautomaten der U-Bahn, fuhren wir mit der Linie E in Richtung Heath los. Die U-Bahn fühlt sich eher an wie eine unterirdisch verlaufende Straßenbahn, rumpelt und quietscht, brachte uns aber zuverlässig bis vor das Museum.

Tickets besorgt, gespendet, Rucksack abgegeben und rein ins Getümmel. Museum und Restaurants waren gut besucht aber nicht überfüllt. Da alles sehr weitläufig und offen ist, verläuft sich die Menge sehr schön und wir konnten in Ruhe alles sehen. Wir hatten uns vor allem die amerikanische Kunst und die zeitgenössischen Werke vorgenommen. Und, ähnlich wie schon im Getty, uns auch den Museumsbau selbst betrachtet.

Kurzum: Empfehlung. Das Gebäude ist sehr schön, lange Fluchten aber auch versteckte Ecken, von denen aus man immer wieder in die Stadt schaut. Lichte, hohe Räume unterstützen die Wirkung der Gemälde und Skulpturen. Überall gibt es Sitzgelegenheiten, Hocker und Sofas von Charles Eames, dem auch ein Teil der Ausstellung selbst gewidmet ist.

Nach nur 90 Minuten, inzwischen war es 2 Uhr morgens in Deutschland, schlug die Müdigkeit restlos zu und wir machten uns auf den Rückweg. Es war erst kurz nach acht, bis Viertel vor 10 hätten wir noch bleiben können.

Boston Tag 1 – Ankunft

Wir haben zwei Plätze in der Mitte des Flugzeug, also keinen Bick aus dem Fenster bei Start oder Landung. Dafür sowohl Beinfreiheit am Gang als auch neben mir, da der Platz nicht belegt ist. Die Flugzeit verkürzen wir uns mit Filmen. Ich suche mir „Wild“ und „Mein Name ist Samba“ aus, M schaut sich „Inherent Vice“ und „Birdman“ an. Auch essenstechnisch waren wir diesmal weniger vorbereitet, als beim letzten Flug. Kein Proviant eingepackt, keine Sondermahlzeit bestellt. Aber Pasta mit Pesto und Hähnchen mit Reis erfüllten ihren Zweck.

Um kurz nach zwei Ortszeit landen wir in Boston. Bedeckt mit sonnigen Lücken, leichter Wind. Mit uns landen ein Flieger aus London Heathrow und eine Emirates Maschine. Bei der Schlange für den Pass-Stempel wird schnell klar, dass wir uns mit unseren Visa in der Mehrheit der Weltbevölkerung befinden. Wahrscheinlich sind Länder, die am Visa Waiver Programm teilnehmen (und damit überhaupt ESTA Formulare zum visumfreien Reisen ausstellen), deutlich in der Minderheit. Die Anzahl der Immigration Officers, die Reisende mit Visa abfertigten, sind es jedoch auch. Und so warten wir über eine Stunde, bis wir uns erneut um die Einreise in die USA bewerben und diese auch genehmigt bekommen.

Die verbleibenden Koffer sind schon vom Band geräumt worden, unsere sind zum Glück noch dabei. Dann heißt es für den Zoll nochmals anstellen, wieder 200 m Schlange in drei Schleifen. Aber diesmal geht es deutlich schneller. Halb vier stehen wir vorm Flughafen. Geld holen und dann die Anlegestelle für die Fähren, die hier zum öffentlichen Nahverkehr gehören, und Wassertaxis finden. Wir haben uns vorgenommen, in Boston einzureisen wie die ersten Siedler und statt der U-Bahn das Boot zu nehmen.

 

Der Shuttle-Bus 66 fährt gerade vor das Gebäude und bringt uns in guten 10 Minuten zur Waterfront. Weit und breit keine Fähre zu sehen. Ein kleines Wassertaxi mit einer sehr netten Kapitänin wartet auf Kundschaft. Mit uns ist ein Bostoner unterwegs, der diesen Weg nimmt, um nach Hause zu kommen. Wir steigen ein, die 12,- Dollar Fahrpreis sind es uns wert. Im Sonnenschein nähern wir uns der Stadt. Unser freundlicher Mitfahrer erzählt uns die wichtigsten Dinge: links die Gebäude an der Wasserseite seien alle noch keine drei Jahre alt, daneben der Federal Court in dem vor knapp drei Wochen der Attentäter des Anschlags auf den Boston-Marathon im April 2013 verurteilt wurde und wo nun noch die Entscheidung zur Höhe des Strafmaßes getroffen werden muss.

Das Wassertaxi entlässt uns am Independence Wharf (früher Criffins Wharf) und damit am besten Platz, für einen kurzen Spaziergang durch die Stadt, bevor wir unsere Koffer im Hostel abgeben. Wir laufen auf den ersten Stücken des Freedom Trail, sehen Old State House, Capitol, Boston Common und schon große Teile der Altstadt. Das erste Essen ist Fast Food, bei Pret-a-Manger erstehen wir ein Baguette mit Roastbeef und ein Avocado-Sandwich. Wir picknicken auf einer Bank im Park, bevor wir die letzten Meter in Richtung Theatre District und Hostel laufen.

Wir beziehen unser Zimmer im Hostel und entschließen uns, den Abend im Boston Museum of Fine Arts zu verbringen, in dem man Mittwochs ab vier freien Eintritt hat. Sehr lange halten wir jedoch nicht durch, dann treibt uns die Müdigkeit ins Bett.

29.04.2015