Zeitereignisse – Juni 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Im Nationalen Begleitgremium für das Standortauswahlverfahren eines Atommüllendlagers sind Bürger vertreten, die über eine telefonische Zufallsauswahl und eine anschließende geheime Wahl durch Vertreterinnen und Vertreter eines Beratungsnetzwerkes bestimmt wurden. Das Gremium kann dem Gesetzgeber Änderungen des Verfahrens empfehlen.

Bei der vorgezogenen Neuwahl des britischen House of Commons verliert die Conservative Party als bisherige Regierungspartei die absolute Mehrheit. Wenige Wochen zuvor ereigneten sich in Manchester und London Terroranschläge. Tage später wird ein Terroranschlag auf eine Gruppe von Muslimen vor einer Moschee verübt.

Bei den Parlamentswahlen in Frankreich erzielt die von Präsident Macron im April 2016 gegründete Partei La République en Marche die absolute Mehrheit. Die aufgestellten Kandidaten hatten zur Hälfte bisher kein politisches Amt begleitet und sind weiblich.

WDR und Arte strahlen eine Dokumentation über herrschenden Antisemitismus mit dem Titel Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa aus. Die Entscheidung zur Ausstrahlung der Dokumentation fiel erst als die Bild-Zeitung die Dokumentation illegalerweise online zur Verfügung gestellt hatte. Die beiden Sender warfen den Autoren handwerkliche Mängel vor und wollten daher von einer Veröffentlichung absehen. Im Film findet sich durchgehend der Hinweis auf diesen Sachverhalt. Auf einer Internetseite des WDR können ein Faktencheck sowie die vom Sender an das Autorenteam gestellten Fragen zu Inhalten der Arbeit eingesehen werden.

Der Bundestag beschließt das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts. Die Fraktionen der SPD, Die Grünen, Die Linke stimmen geschlossen dafür. Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion stimmen mehrheitlich dagegen. Tage später stimmt der Bundesrat dem Gesetz zu.

 

Zeitereignisse – Mai 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen erhält die CDU jeweils den höchsten Stimmenanteil. In beiden Bundesländern leitete die SPD zuvor als stärkste Fraktion die Regierung.

Das OVG Münster hat in einem Urteil einem syrischen Kriegsdienstverweigerer den Anspruch auf Asyl nicht zuerkannt. Dies wurde damit begründet, dass es sich dabei nicht um eine politische Verfolgung handele, und dass völkerrechtswidrige und verbrecherische Taten nicht von der gesamten syrischen Armee sondern nur von Teilen begangen werden.

Deutschland gewährt türkischen NATO-Soldaten Asyl. Diese waren in Deutschland stationiert und sind in der Regel in Besitz eines Diplomatenpasses. Die Soldaten waren in Folge des Putschversuches entlassen worden.

Im zweiten Wahlgang wird Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten gewählt. Er ist damit das jüngste Staatsoberhaupt Frankreichs seit Napoleon.

Donald Trump entlässt FBI-Direktor Comey. Das FBI untersucht mutmaßliche Hackerangriffe auf die US-Demokraten im Präsidentschafts-Wahlkampf und mögliche Verbindungen von Mitarbeitern Trumps nach Russland.

Eine Schadsoftware befällt weltweit mehrere Hunderttausend Computer – teilweise großer Konzerne. Für die Entschlüsselung bzw. Freigabe der von der Schadsoftware betroffenen Daten verlangen die Hacker eine Geldsumme. Schadsoftware, die zur Erpressung von Geld verbreitet wird, nennt sich Ransomware.

Präsident Trump twittert einen Text mit dem Wortlaut constant negative press covfefe. Über die Unverständlichkeit des letzten Wortes berichten mehrere Medieninstitutionen – u. a. CNN, politico, FAZ, NYT, SZ, Le Figaro. Diskutiert wird auch die Versendung von Nachrichten durch den amerikanischen Präsidenten unabhängig von Absprachen und Sprachregelungen. Eine Studie des Shorenstein Center an der Harvard University zeigt, dass während der ersten 100 Tage der Präsidentschaft Donald Trump in 41 Prozent aller Nachrichten das Thema war. Laut der Studie ist dieser Wert dreimal so hoch als bei seinen Amtsvorgängern.

Monatsrückblick – Mai 2017

Endlich wurde es warm. Die kurzen Nächte animieren zum frühen Aufstehen. Es wurde jede Menge Kuchen gebacken. Die Zimmerpflanzen sind auf den Balkon umgezogen. Die Orchideen blühen um die Wette. Und wir sind endlich mal zu zweit Wandern gegangen. Für Anfänger. In den Hunsrück. Oben im Bild, die Zutaten für eine Pizzasauce. Freitags ist Pizzatag.

|Gesehen| Alice Rohrwacher: Land der Wunder – Krzysztof Kieslowski: Dekalog, Fünf –  Bob Fosse: All that Jazz – Krzysztof Kieslowski: Die zwei Leben der Veronika – Xavier Dolan: Mommy – Felix van Groeningen: Broken Circle – Benoit Jacquot: 3 Herzen
|Gelesen| Graham Greene: Der stille Amerikaner – Arne Karsten: Geschichte Venedigs – Fernand Braudel: Venedig – T. C. Boyle: Tortilla Curtain – Thomas Kaufmann: Martin Luther – Thomas Mann: Der Tod in Venedig
|Gehört| ab halb fünf morgens die Vögel, das Rauschen der Bäume beim Wandern,
|Getan| die Räder sommerfit gemacht, einmal von Nord nach Süd durch Berlin spaziert, das erste Eis der Saison auf dem Heimweg auf dem Rad, eine DreiTagesWanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig über Himmelfahrt
|Gegessen| Arme Ritter, Gnocchi mit Mangold und roten Zwiebeln, Pizza vom Pizzastein, Gemüselasagne, Eis von Jones Icecream, Orangenkuchen, Rharbarbertarte mit Frangipane, Rharbarber-Himbeer-Streusel-Kuchen, Zimtschnecken, Ofengemüse
|Getrunken| Bitter von Brauart (Sausenheim) – Pale Ale, Mosaic Edition von Jungbusch Ale  – American Pale Ale, Citra Ale von Hopfenstopfer – Trappistes Rochefort 6 – Doldenbock, Riedenburger Brauhaus – The Brale, Brown Ale, Braufactum – Yirgacheffe, Äthiopien – Zitronenlimonade – Wasser mit Granatapfelsirup
|Gedacht| wurde Zeit, dass es warm und sonnig wird, lange Tage und kürzere Nächte fallen dann gar nicht mal so ins Gewicht, die Energie reicht trotzdem für alles
|Gefreut| über Zuwachs bei den Auswanderern, dass das Knie hält und Wandern über drei Tage klappt
|Geärgert| über einen vergessenen Geburtstag
|Gekauft| Jeans, Sommerkosmetik von The Ordinary und Dermasence, Wanderrucksack für M
|Geklickt| Wanderwege und Pensionen im Hunsrück, Online-Shopping-Seiten
|Hätt‘ ich Zeit und Geld, würd‘ ich…| einen Raum ganz mit Moos auskleiden.

Galeriewochenende in Berlin

Für den Besuch des Galeriewochenendes in Berlin (offiziell: Galleryweekend Berlin) haben wir uns eine Strategie zurecht gelegt, damit wir uns von den Galeristen ernst genommen fühlen, obwohl wir 0815-Straßenkleider (Northface und so) für die Radfahrt am regnerisch-kalten Maianfang anhatten: Forsch rein in die Galerie; nicht zu lange vor einem einzelnen Bild stehen bleiben; assoziative Inhalte zum Werk halblaut miteinander austauschen (am besten nur zu zweit, sonst sieht es nach Ausflug mit Freunden aus) und kurz eine Bewertung fallen lassen; dann nach der Preisliste fragen. Falls man den Preis eines Werkes zu niedrig eingeschätzt hat, kann man das nutzen: Man spricht aus, dass man das Werk eigentlich nur für so viel wert hält; nach drei Sekunden Pause sollte man dann bekräftigen, dass man es auch für den tatsächlich höheren Preis mitnehmen würde; man hinterlässt seine E-Mail-Adresse und verlässt die Galerie zielstrebig.

Wie schon erwähnt fuhren wir mit dem Fahrrad von Galerie zu Galerie. Grundsätzlich hätten wir auch den Shuttle-Service, der von einem bayerischen Motorenhersteller betrieben wird, nutzen können (wer weiß, für welches Entgelt pro Fahrt). Die meisten Besucher treten uniformiert auf: Durchweg schwarze Klamotten, Mantel, Hut oder eine Kombination hat fast jeder an. Bei den älteren (gesetzteren, weniger rebellischen) Herren scheint der Schal fast unumgänglich. Besser man sieht so aus, oder nach sehr viel Geld, sonst fällt man auf, besonders wenn man mit Rad-Allwetter-Kluft und zersausten wind-verregnetem Haar auftaucht.

Am Sonntag ist großer Andrang im Gebäude, in dem Blain|Southern und Esther Schipper residieren: Hier hängt ein Gemälde von 22 Meter Länge von Jonas Burgert, und eine Video-Installation von Anri Sala wird präsentiert. Einige Tagesmedien (bspw. Tagesspiegel) haben die Werke im Vorfeld vorgestellt. Das Ergebnis ist ein Herdeneffekt, denn auch auf dem Kunstmarkt hat Spektakuläres meistens die Nase vorn. Zugegebenermaßen gefallen uns die beiden Werke auch recht gut. Beide Werke sind aber auch beispielhaft für mindestens die Hälfte der gezeigten Arbeiten, die nur in Museen bzw. Museumsräumen hängbar/ausstellbar zu sein scheinen. Aber es gibt durchaus auch Angebote für die private Umgebung, für die ein kleinerer Geldbeutel ausreicht und die uns auch gut gefallen.

Nebenbei bekommt man – vor allem im Westteil Berlins (Charlottenburg, Schöneberg) – sehr interessante Hinterhöfe, Hauseingänge und Treppenhäuser zu Gesicht. Insgesamt sind die Galerieräume staunenswert: Entweder sind sie so groß und hoch wie Museumsräume oder bestehen aus mehreren riesigen Zimmern in Altbauwohnungen, die natürlich ausschließlich mit der angepriesenen Kunst eingerichtet sind. Von den ausgestellten Werken abgesehen gleicht sich allerdings ingesamt das Erscheinungsbild der Galerien: Am Eingang steht die Theke oder der Tisch, auf denen die Informationen zum Ausgestellten nebst eines üppigen Blumenstrauß präsentiert sind. Dahinter sitzen ein bis zwei meist junge, weibliche Personen, die in ein Apple-Produkt starren. Irgendwo im Publikum ist der häufig männliche Galeriebesitzer oder -vertreter zu erkennen.

Wie erscheint uns zusammenfassend das Treiben am Galeriewochenende? Das Begleitmaterial der Galerie Neu zu Andreas Slominskis Arbeit transhumanistisch bringt es auf den Punkt:

Die Ros‘ ist ohn warumb

sie blühet weil sie blühet

Sich achtt nicht jhrer selbst

fragt nicht ob man sie sihet

Angelus Silesius, Der Cherubinische Wandersmann, 1675

Emotionale Beurteilung der besuchten Galerien:

Capitain Petzel – Charline von Reyl (**)

Galerie Gerken – Dieter Mammel (***)

Eigen+Art – Olaf Nicolai  (*)

Gerhardsen Gerner – Markus Oehlen ()

Galerie Neu – Andreas Slominski  (**)

Neugerriemenschneider – Michel Majerus (**)

Mehdi Chouakri – Charlotte Posenenske (*)

Galerie Max Metzler – Günther Förg ()

Galerie Guido W. Baudach – Jürgen Klauke (**)

Blain|Southern – Jonas Burgert (***)

Esther Schipper – Anri Sala, Angela Bulloch (***)

Buchmann Galerie – Tatsuo Miyajima (**)

Carlier|Gebauer – Thomas Schütte (***): Vielfalt der Technik: Skulpturen aus Bronze, Keramik, Stahl und Murano-Glas, Holzschnitt, Figurengruppe Gartenzwerge

König Galerie|St. Agnes – Michaela Heise, Anselm Reyle und andere (***)

Zeitereignisse – April 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

In Sankt Petersburg kommen mehrere Menschen bei einem Anschlag in der U-Bahn ums Leben.

Bei einem Angriff der syrischen Armee soll Giftgas eingesetzt worden sein. Syrien und Russland bestreiten den Einsatz.

In Stockholm tötet ein Attentäter, der einen LKW in eine Menschenmenge steuert, mehrere Personen.

Auf den Mannschaftsbus des Fussballvereins Borussia Dortmund (BVB) wird Stunden vor Spielbeginn ein Sprengstoffanschlag verübt. Tage später wird ein Mann festgenommen, der im Verdacht steht, das Attentat verübt zu haben, um vom folgenden Kursverlust der Aktie des BVB zu profitieren. Ein fingiertes Bekennerschreiben sollte die Tat in einen islamistischen Hintergrund rücken. Wenige Tage später wird ein deutscher Offizier mit rechtsradikaler Gesinnung wegen Terroverdachts festgenommen. Der Mann hatte sich zuvor als Syrer ausgegeben und erfolgreich Asyl beantragt, um mutmaßlich die Anschläge Asylbewerbern zuzuschieben.

Beim türkischen Verfassungsreferendum gewinnen die Vorschläge der regierenden AKP-Partei knapp die Mehrheit. Damit erhält der türkische Präsident mehr Exekutivbefugnisse.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen bekommen im ersten Wahlgang der französischen Präsidentenwahl die meisten Stimmen. Damit ist in der Stichwahl für das Präsidentenamt kein Kandidat der etablierten Parteien vertreten. Drei Tage vor dem ersten Wahlgang tötete ein Attentäter mit islamistischem Hintergrund in Paris einen Polizisten.

Der AfD-Parteitag findet unter dem Protest verschiedener Bevölkerungsgruppen in Köln statt. Im Vorfeld gab die Vorsitzende Frauke Petry ihren Verzicht als Spitzenkandidatin der Bundestagswahl bekannt.

Venezuelas Präsident Maduro schlägt eine Volksversammlung vor, um die Verfassung des Landes zu reformieren. In Venezuela gibt es seit Beginn des Monats gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des Präsidenten und der Opposition. Seit Monaten gilt der Ausnahmezustand; zeitweise war das Parlament, in dem eine oppositionelle Mehrheit besteht, durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes entmachtet. Die Opposition macht den Präsidenten für die schwere Wirtschaftskrise (bis hin zu Knappheit von Grundnahrungsmitteln aufgrund einer Hyperinflation) verantwortlich. Der Präsident hat den Ausstieg aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) angekündigt.

Momente in Gedanken #4

 

Mittagspause in Friedenau

 

Raus aus der Wohnung

Rüber über die Straßenkreuzung

zum Würstchenstand vor dem inhabergeführten Supermarkt.

 

Mit der Wurst in der Schrippe

die Straße entlang

an der Auslage der Buchhandlung langsam vorbei.

 

Weiter hinunter zum italienischen Café

Im Rücken die weißgekachelte Küche

Espresso mit Blick nach draußen.

 

Über die Straße

Zum Kiosk an der Bushaltestelle

Mit Zeitung noch die Zimtschnecke beim Restaurant-Deli am Platz.

 

Und dann zurück im Treppenhaus die Stufen hinauf.

Monatsrückblick – April 2017

|Gesehen| Akira Kurosawa: Rashomon (1950) – Akira Kurosawa: Die sieben Samurai (1954) – Akira Kurosawa: Ran (1985) – Ozu Yasujiro: Tokyo monogatari (1953) – Kenji Mizoguchi: Ugetsu monogatari (1953) – Kenji Mizoguchi: Sansho Dayu (1954) – Sebastián Lelio: Gloria – Haaifa Al Mansour: Wadjda – Pier Paolo Pasolini: Il vangelo secondo Matteo – Pier Paolo Pasolini: Uccellacci e uccellini – George Ovashvili – Die Maisinsel
|Gelesen| George Orwell: 1984 – William Golding: Lord of the Flies – Das Evangelium nach Matthäus
|Gehört| Johann Sebastian Bach: Jesu bleibet meine Freude
|Getan| ein ruhiges Osterwochenende zu Hause verbracht, viel Frühstücken, viel Kuchenbacken, überhaupt viel Kochen, sehr schönen Familienbesuch zum Spargelessen gehabt, mit Freunden in den USA skypen, alte Freunde zum Essen besucht, allerlei kleine und größere Kinder bespaßt, zum Gallery Weekend in Berlin gegangen
|Gegessen| Sushi bei Ishin, Bratwürste auf der Domäne Dahlem, mit T&AS im LuLa, Brot vom Bäcker Kapp: Chapeau und Pain Breton, Abendessen im Cookies Cream,
|Getrunken| Achel Blond 8° (belgisches Trappistenbier)
|Gefreut| Über gleich zwei neue Babies bei Freunden. Dass das alte Sofa eine neue Besitzerin gefunden hat und dass sich die beiden Berliner Sauerteiglinge tatsächlich haben reaktivieren lassen.
|Geärgert| Über diese verdammte Kälte: Wind und 3 Grad morgens Ende April.
|Gekauft| Fahrkarten und Übernachtungen für unseren Urlaub im Juni.
|Geklickt| ebay Kleinanzeigen, um das alte Sofa zu verschenken. Nachdem das Sozialkaufhaus sich nie zurückgemeldet hatte, gab es über ebay gleich fünf Interessenten.
|Hätt‘ ich Zeit und Geld, würd‘ ich…| mit einer DS alle Nationalstraßen Frankreichs abfahren

Ostern 2017

In diesem Jahr haben wir Ostern ganz gemütlich zu Hause verbracht. Laufen, Faszienrollen und Downton Abbey am Karfreitag. Karsamstag dann Markt- und Supermarkteinkäufe, mit dem Zug nach Stuttgart zu einem Geburtstagsbesuch. Ostersonntag Sporteln, Weißwurstfrühstück, Spazierengehen und der erste Spargel in diesem Jahr. Ostermontag Eierlikör-Rührkuchen backen, wieder ausgiebig Frühstücken, Kuchen essen, die allerletzte Folge Downton Abbey schauen, ein bisschen Aufräumen und Putzen, abends noch mit lieben Freunden in den USA skypen.

Zeitereignisse – März 2017

Was ist Geschichte? Wie entsteht sie? Geschichte bezieht sich auf Vergangenes ist aber auch immer gegenwärtig, denn vergangene Zeitereignisse werden im Jetzt zur Geschichte erklärt. Und umgekehrt: Teile der Geschichte können in Vergessenheit geraten. Geschichte ist auch abhängig von der Perspektive und daher keinesfalls eine objektive Tatsache. Was zur Geschichte erklärt wird, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Geschichte wird meistens von Geschichtsschreibern, Historikern oder Personen, die mit Macht ausgestattet sind, definiert. Was würde passieren, wenn ich selbst Geschichtsschreibung betreibe? Was ist das Ergebnis, wenn man beginnt, seine eigenen Zeitereignisse zu sammeln? Wird die daraus entstehende Geschichte sich mit der offiziellen Geschichtsschreibung decken? Werden Zeitereignisse, die man im Jetzt aufzeichnet, in der eigenen geschichtlichen Rückschau unwichtig sein? Dies sind die Zeitereignisse für diesen Monat:

Der EuGH urteilt, dass Mitgliedsstaaten der EU keine humanitären Visa ausstellen dürfen.

Im Vorfeld des Verfassungsreferendums in der Türkei gibt es Diskussionen über Wahlkampfauftritte türkischer Politiker – vor allem der Regierungspartei AKP – in Deutschland. Von behördlicher Seite werden Verbote ausgesprochen. Türkische Politiker sprechen von Nazi-Methoden. Die Diskussionen und Verbote weiten sich auf andere europäische Länder aus. Tage später erklärt die AKP ihren Verzicht auf Wahlkampfauftritte in Deutschland.

Nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts dürfen Todkranke in schwerwiegenden Ausnahmefällen Suizid begehen. Mediziner müssen das Gift in diesen Fällen bereit stellen.

Bei der niederländischen Parlamentswahl gewinnt die Volkspartei von Mark Rutte den höchsten Stimmenanteil. Zweitstärkste Kraft wird die rechtspopulistische Partei von Geert Wilders. Im Vorfeld der Wahl gab es Befürchtungen, dass die niederländische Wahl den Auftakt für einen Rechtsruck westeuropäischer Staaten gibt.

Die Bundesversammlung wählt Frank-Walter Steinmeier zum zwölften Bundespräsidenten Deutschlands.

Nach einer Gesetzesvorlage gelten Männer, die wegen sexuellen Handlungen mit anderen Männern nach §175 verurteilt wurden, nicht mehr als vorbestraft und sollen finanzielle Entschädigung für Verurteilung und Haftstrafen erhalten.

Vor dem Gebäude des britischen Parlaments werden Passanten getötet. Der Attentäter wird erschossen.

Die Landtagswahl im Saarland ist der Auftakt für das Wahljahr. Stärkste Kraft bleibt die regierende CDU, vor der SPD, den Linken und der AfD.

Das schottische Parlament stimmt für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum.

Die britische Regierung beginnt offiziell mit dem Austrittsprozess aus der EU.

Gelesen – gesehen – gehört #2

Durch den Wald von Nara streifen die Sikahirsche unter den Wipfeln der Sicheltannen und Zypressen. Manchmal findet man die Hirsche auch im Schatten der Tempelanlagen. Im 8. Jahrhundert war Nara für 74 Jahre der Sitz des Machthabers von Japan. Geblieben sind aus dieser Zeit buddhistische und shintoistische Heiligtümer ganz aus Holz.

Akira Kurosawa streift durch die alten Bauten in Vorbereitung seines Films Rashomon. Er denkt über die Beschaffenheit des Tores nach, zu dessen Füßen Szenen des Films spielen sollen. Im Anblick der alten Bauten steigert sich in Kurosawas Vorstellung die Größe der Kulisse immer mehr. Der Zusammenhalt des Filmteams ist groß. Die Filmcrew erfindet eine Mahlzeit, die aus Rindfleisch, rohen Zwiebeln und einer Sauce aus Currypulver und Butter besteht. Jedesmal bevor die Gruppe den Wald betritt, streuen sie sich Salz über die Haut, um das Anhaften der Blutegel zu verhindern. Die Kamera richtet sich direkt in die Sonne. Um den Regen im Bild sehen zu können, wird dem Wasser schwarze Tinte hinzugesetzt.

Drei Vertreter der Filmfirma verstehen das Skript des Films nicht und lassen es sich von Kurosawa erklären. Zwei der drei kann er überzeugen, es noch einmal genau zu lesen. Kurosawa erklärt:

Human beings are unable to be honest with themselves about themselves. They cannot talk about themselves without embellishing. This script portrays such human beings–the kind who cannot survive without lies to make them feel they are better people than they really are. […] Egoism is a sin the human being carries with him from birth; it is the most difficult to redeem. This film is like a strange picture scroll that is unrolled and displayed by the ego. You say that you can’t understand this script at all, but that is because the human heart itself is impossible to understand. If you focus on the impossibility of truly understanding human psychology and read the script one more time, I think you will grasp the point of it.

Unter einem Tor suchen ein Holzfäller, ein Mönch und ein Bürger Schutz vor dem Regen. Der Holzfäller starrt ins Feuer und murmelt Unverständnis über eine Geschichte. In einem Wald trifft ein Ehepaar auf einen Banditen. Der Bandit vergewaltigt die Frau. Die Leiche ihres Mannes wird vom Holzfäller gefunden. Vor einem Gericht sagen alle drei beteiligten Personen aus: der Bandit, die Frau und der verstorbene Mann, der durch ein Medium spricht. Alle drei Aussagen unterscheiden sich voneinander, sind aber einzeln gesehen plausibel und logisch.

Unter dem Tor gibt der Holzfäller zu, dass er die Begegnung versteckt im Gebüsch beobachtet hat. Nach der Vergewaltigung habe der Bandit die Frau gebeten, sich ihm anzuschließen. Sie lehnte das ab und forderte stattdessen von ihrem Mann und dem Banditen einen Kampf, so dass sie sich dem Sieger anschließen könne. Die beiden Männer haben nicht kämpfen wollen. Der Ehemann verlangte von seiner Ehefrau den sofortigen Selbstmord. In ihrer Verzweiflung klagte die Frau beide Männer an, nicht um sie kämpfen zu wollen. In einem unrühmlichen Handgemenge mit dem Banditen sei der Mann schließlich umgekommen. Die Frau und der Bandit fliehen auf getrennten Wegen. Der Holzfäller tritt aus seinem Versteck und nimmt heimlich einen Dolch an sich, den die Frau verloren hat.

Unter dem Tor wird die Erzählung durch das Weinen eines Babys unterbrochen. Der Bürger nimmt ein Amulett und einen Kimono aus dem Körbchen. Er wird vom Holzfäller angeklagt, weist diesen aber wegen seines eigenen Diebstahls zurecht, und verschwindet. Der Holzfäller nimmt das Baby aus den Armen des Mönches. Dessen Enttäuschung über die Menschen vergeht, als er vom Holzfäller erfährt, dass dieser schon sechs Kinder hat und sich auch noch um ein weiteres kümmern kann.

Akira Kurosawa: Rashomon (1950)

Quelle: Akira Kurosawa on Rashomon