Transport

Inzwischen ist man mehr oder weniger hier angekommen und kann nun mal etwas über solch abstrakte Themen wie den Transport erzählen. Nachdem in unseren gemeinsamen ersten Tagen unsere Wohnsituation noch etwas unstet war und das neue Semester in Stanford noch bevor stand, haben wir uns kurzerhand ein Auto geliehen. Heraus kam ein schmuck-sportives Vehikel namens Chevrolet Cruze (sic!). Mit der ersten Fahrt von der Verleihstation zurück zu unserer Bleibe, fühlte man sich ein wenig zum zweiten Mal angekommen – dieses Mal in der automotiven amerikanischen Gesellschaft.

Das sonor-satte Brummen des Motors beim Gas geben, das sich beim automatischen Schaltvorgang um eine geschätzte Terz in der Tonhöhe verringert, bereitet ein wohliges Gefühl der Freiheit, des Selbstbewusstseins – und der Bestätigung meiner Vorurteile über die car nation. Derweil ließen mich Eindrücke schon vorher im Wohnviertel rund um die Universität Berkeley von meiner vorgefertigten Meinung des obsessiv-umweltverschmutzenden Autogebrauchs der Amerikaner ein wenig abrücken: Der Anteil an Toyota Prius (Fahrzeug mit Hybridantrieb) macht ungefähr ein Viertel aus; und ein weiteres Viertel nehmen Volvos ein (und das bei einer gefühlten Autodichte von mindestens einem Fahrzeug pro Haushalt!). Dieser Eindrück hat sich im übrigen bei der Fahrt entlang der Küste nach Norden bestätigt. Weiterhin finden sich in Berkeley sogar Straßen, wo sich explizit ausgewiesen auch Fahrräder am Straßenverkehr beteiligen dürfen. Und die Busse führen gleich dem Bisonfänger einer Wildwest-Lok vorne eine Vorrichtung zum Fahrradtransport mit sich. Apropos Zug: Mit Schrecken habe ich bei einer Recherche feststellen müssen, dass es keine Zugverbindung zwischen San Francisco und Los Angeles gibt: Möglich wäre eine 1-stündige Fahrt mit dem Bus, danach ein Umstieg in eine 6-stündige Zugfahrt, um dann noch mal 2 Stunden mit dem Bus zu fahren. (Und ich dachte, die Siedler hätten den Westen unter anderem auch mit der Eisenbahn erschlossen; na ja, das war dann wohl eher von Ost nach West als von Nord nach Süd.)

Jedenfalls klappt der Transport mit dem Auto wunderbar. Mittlerweile bin ich nun ein paar Mal von Berkeley nach Stanford gependelt (in der Theorie eine dreiviertel Stunde). Man begibt sich lässig noch in der Innenstadt auf eine Fahrtrasse, die den Verkehr mindestens auf drei, meist aber vier Spuren führt, in einem Tempo, das einen an zähfliessenden Teig denken lässt. Trotzdem wird es auf dem meilenweiten Geradeaus nie langweilig: Aus über hundert Radiosendern kann ich von Glen-Miller-Musik der 40er über Jazz, Klassik, Pop-Klassikern zu Heavy Metal und Bluegrass alles haben – sogar die neuesten MLB– und NFL-Berichte. Klänge dringen ab und zu auch von außen an mein Ohr: Beispielsweise wenn einer der Trucks (kein LKW, wir würden Pick-ups sagen) mit seichtem Dröhnen an einem vorbeizieht – wahlweise auf der linken oder auch rechten Spur – und sich für diesen Moment aufgrund deren Höhe ein ausgewachsener Schatten über einen legt (ähnlich den Häuserschluchten von New York?).

Zu sehen gibt es nicht viel. Allerdings kann man sich desweiteren die Zeit mit allerlei lustigen soziologischen Feldversuchen vertreiben: Zum Beispiel die Frage, ob sich die Menschen, die ihre Autos auf der rechten Spur bewegen, von denen unterscheiden, die fünf Spuren weiter links fahren (bin da noch zu keinem endgültigen Resultat gekommen). Oder etwa ökonomische Überlegungen: Wieviel Geld wäre ich bereit einem potentiellen Beifahrer zu zahlen, um dies dann zusammen mit ihm über die Zeitersparnis auf der carpool lane wieder reinzuholen.

Recht spaßig also der Transport in Kalifornien. Da sieht man auch mal schnell über den häufig auftretenden, zähfließenden Verkehr oder sogar Stau hinweg. Und mal ehrlich: Die fünfzig Kurven gepaart mit einer überwundenen Höhendifferenz von mehreren hundert Metern, die man auf jeder Meile der pittoresken Küstenstraße nach Norden überwinden muss, jede Sekunde befürchtend einen der unerschrockenen Fahrradwanderer, die sich die Straße mit einem „teilen“, abzuschießen, sind auch nicht nur positiv für Gemüt und Magen. Jedenfalls wird nun bald mit dem Zug gependelt und auf dem Campus das Fahrrad benutzt.

Verzeichnis der im Text verwendeten Fremdwörter:

  • car nation – wir sind im „Land der Autofahrer“, wirklich wenige Menschen gehen zu Fuß und wir haben bisher immer einen Parkplatz gefunden
  • MLB – heißt Major League Baseball und ist neben
  • NFL– der National Football League zwei der Nationalsportarten in den USA
  • Truck – Auto mit kleinem Fahrerhaus und großer Ladefläche, gerne auch mit übergroßen Rädern unten dran, in Deutschland eher Pick-up genannt
  • carpool lane – reservierte Spur für Fahrzeuge, die mindestens zwei Personen befördern

Sonnenuntergang an der Marina

Heute Abend haben wir uns etwas kleines zu Essen geholt und sind zum Sonnenuntergang-Bestaunen an die Marina von Berkeley gefahren. Von dort hat man einen super Blick auf die Innenstadt von San Francisco und die Golden Gate Bridge.

(Die Bilder sind als Diashow eingebunden. Draufklicken macht sie groß und auch die Bildunterschrift sichtbar. Mit „Esc“ lässt sich die Diashow beenden und man kommt zum Artikel zurück.)

Wochenrückblick (#2)

|Gesehen| Ein bisschen amerikanisches Fernsehen im Hotel, Big Bang Theory, die US-Version von Sherlock mit Lucy Liu als Watson, College Football
|Gelesen| Das Kalifornien-Buch von den Kollegen beendet.
|Gehört| Viel Autoradio, The Bridge und Vinyl Classics – die Radiosender hier sind nach Musikrichtungen sortiert, auf den Musikkanälen gibt es ganz wenig Moderation und keine Werbung.
|Getan| K+H beim Auszug und der Wohnungsübergabe geholfen, das erste Mal in den USA Auto gefahren und dann gleich mit dem Mietwagen die Küste lang gebraust, in einem Hotel, einem AirBnB Zimmer und einem Motel übernachtet
|Gegessen Sushi, Pizza von der Cheeseboard Factory in Berkeley, Austern und amerikanisches Frühstück in Bodega Bay, Waffeln in Fort Bragg, Burger in Arcata
|Getrunken| Wasser, Bier, Milchshake
|Gedacht| Sobald man San Francisco hinter sich lässt, wird das Land ziemlich trocken.
|Gefreut| Über M. Das Überbrückungsgästezimmer. Und den Pazifikstrand bei Point Reyes. Das spätsommerliche Wetter.
|Gelacht| Immer noch am meisten mit der kleinen A.
|Geärgert| Über mein vergessenes Notizbuch, das uns einen Umweg bescherte.
|Gewünscht| Den Pazifik sehen.
|Gekauft| Eine Straßenkarte von Kalifornien.
|Geklickt| AirBnB, Tripadvisor und Hotelseiten auf der Suche nach Unterkünften an der Küste.

Zwischenräume

Die alte Wohnung ist schon Schlafen gelegt. Die neue Wohnung noch nicht in Besitz genommen, Wir leben zwischen den Räumen momentan. Zwischen San Francisco, Palo Alto und Berkeley. Zwischen Kurzzeitmiete, Freundesofa, Gästebett. Zwischen Ankommen und Weiterfahren.

Die schönsten beiden Monate in der Bay Area seien es, sagt man uns. Und es gibt tatsächlich jeden Tag Sonnenschein. Viel Gelegenheit zum draußen sein, umherlaufen, Dinge entdecken. Nur das kuschelige, eigene Nest, in das wir abends zurückkommen können, fehlt noch.  Manche Haushaltsgegenstände wie die elektrische Zahnbürste bleiben noch ungenutzt, so lange bis sie einen eigenen Platz im Bad bekommen. Der Wecker zeigt noch die deutsche Zeit, solange bis er auf dem Nachttisch stehen kann.

Wir sind sehr herzlich von K+H in Berkeley aufgenommen worden. Die beiden haben uns das Ankommen wirklich leicht gemacht. Jetzt haben wir nicht nur das erste California Feeling sondern auch jede Menge nützliche Tipps für Ausflüge. Vilelen Dank euch beiden nochmal dafür.

Wir nutzen diese ersten Tage ohne festen Wohnsitz für einen kleinen Roadtrip an die Küste. Austern suchen, den Pazifik sehen.

Wochenrückblick (#1)

|Gesehen| immer noch Dokus im deutschen Fernsehen, bisher weder amerikanisches Kabelfernsehen noch Netflix
|Gelesen| im Abschiedsbuch der Kollegen (ein Tipp von K wie ich inzwischen weiß)
|Gehört| Jeff Buckley beim Abendessen mit den neuen Vermietern
|Getan|Wohnung gefunden, Mobilfunkprovider ausgesucht, Konto eröffnet, Berkeley gesehen, die Golden Gate Bridge nicht gesehen
|Gegessen| Brot, Pasta, Obst
|Getrunken| O-Saft (aus Kalifornien!), Wasser (Spender im Kühlschrank, super Sache), Kokoswasser
|Gedacht|Wo werden wir nur wohnen, bis wir unsere Wohnung beziehen können?
|Gefreut| Die dritte Wohnung klappte. Das Visum kam 2 Tage nach dem Interview. Die Umbuchung funktionierte. Yay!
|Gelacht| viel mit der kleinen A.
|Geärgert| Über einen Makler, der mich über eine Stunde vor dem Appartment hat warten lassen und dann auflegte, als ich ihn irgendwann erreichte.
|Gewünscht| Dass wir vielleicht doch schon eher in die neue Wohnung können.
|Gekauft| Nix außer Essen. Muss ja momentan noch alles rumgetragen werden.
|Geklickt|Craigslist für die Zwischenmiete und auf der Suche nach Fahrrädern.