{"id":4747,"date":"2017-11-01T17:44:55","date_gmt":"2017-11-01T16:44:55","guid":{"rendered":"https:\/\/weitermituns.de\/?p=4747"},"modified":"2017-11-01T17:56:21","modified_gmt":"2017-11-01T16:56:21","slug":"gelesen-gesehen-gehoert-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weitermituns.de\/?p=4747","title":{"rendered":"Gelesen &#8211; gesehen &#8211; geh\u00f6rt #3"},"content":{"rendered":"<p><strong>Literatur zu Luthers Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem 31. Oktober endeten so langsam die Feierlichkeiten und \u00f6ffentlichen Erinnerungsbekundungen anl\u00e4sslich der 500. J\u00e4hrung der Thesenpublikation Luthers. Viel ist in diesem Lutherjahr anhand von alten und auch neu erschienenen B\u00fcchern \u00fcber seine Person und die Auswirkungen der Reformation debattiert worden.<\/p>\n<p>Luther und die Reformation werden nunmehr schon seit mehr als 100 Jahren als ein wichtiges St\u00fcck nationaler Geschichtserinnerung hervorgehoben. Sicherlich betonen die diesj\u00e4hrigen Feierlichkeiten den nationalen Charakter nicht so sehr, die Gr\u00f6\u00dfe des Ereignis ist aber geblieben. Was ist aber mit der R\u00fcckbesinnung auf die Zeit, in der Luther gewirkt hat und in der sich reformatorische Ideen verfestigt haben? Erinnerungsw\u00fcrdig sind die Zeitumst\u00e4nde allemal, in der die Gesellschaft im Umbruch war: weg von dem uns heute weniger verst\u00e4ndlichen, dunkel scheinenden Mittelalter hin zur sogenannten Neuzeit, in der uns durch\u00a0viele Beispiele der Geschichtsschreibung der uns bekannte moderne Mensch entgegen tritt.<\/p>\n<p>Luthers Biographie bettet sich ein in die Zeit der geographischen Entdeckungen, die mit der gleichzeitig aufkommenden Geldwirtschaft ein globales Handelsystem auf den Weg bringen. Auch im Bereich der Wissenschaft zeigen sich Ver\u00e4nderungen, die noch heute die Grundbedingungen unserer rationalen Weltanschauung bestimmen. Die Humanisten brechen die in Dogmen verhafteten theologischen Diskussionen der Scholastik auf und entwickeln durch den literarischen Bezug zu Klassikern &#8211; erst lateinischer dann auch griechischer und hebr\u00e4ischer Art &#8211; die Literatur- und Sprachwissenschaft. Alchemisten und Bader l\u00f6sen sich immer mehr vom abergl\u00e4ubischen Denken und bringen die ersten Chemiker und \u00c4rzte hervor, die ihr Denken auf experimenteller Beobachtung und freigeistigen Untersuchungen gr\u00fcnden. Auch die Astronomen gehen so vor, um neue Weltbilder zu enwerfen, und sind in ihrem Streben gleichfalls der bittersten Verfolgungen durch die Obrigkeit ausgesetzt. Die Wirkungen &#8211; ob positiv oder negativ &#8211; von neuen Ideen und Erkenntnissen werden durch die Medienrevolution im Gefolge der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern massiv verst\u00e4rkt. Eine &#8211; wenn auch noch auf gebildete Kreise begrenzte &#8211; \u00d6ffentlichkeit entsteht, die zeitnah die neuesten Entwicklungen miteinander austauscht.<\/p>\n<p>Wen diese Zeit interessiert, dem seien die zwei folgenden B\u00fccher empfohlen, die Fiktion geschickt mit historischen Fakten verbinden:<\/p>\n<p><strong><em>Marguerite Yourcenar: Die schwarze Flamme<\/em><\/strong>, erz\u00e4hlt das Schicksal eines freidenkenden Atheisten, der zwischen Philosophie, Medizin und Alchemie seine Stellung in der damaligen Welt sucht; der Roman verwebt mit der beschriebenen Entwicklung des Protagonisten eine Vielzahl von historischen Fakten, die die Autorin in einem Nachwort samt Quellen offen legt.<\/p>\n<p><strong><em>Luther Blissett: Q, <\/em><\/strong>handelt von den Katastrophen des Bauernkriegs und des T\u00e4uferreichs in M\u00fcnster und zeigt anhand von Spionaget\u00e4tigkeiten, wie klein Europa zu diesem Zeitpunkt schon war; interessantes Detail am Rande: hinter der Autorschaft Luther Blissett verbirgt sich ein Autorenkollektiv, was einen unwillk\u00fcrlich an die Verschw\u00f6rungstheorien in Umberto Ecos Foucaultschen Pendel erinnern l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wer sich f\u00fcr Biographien wichtiger Protagonisten der Zeit interessiert, dem seien drei B\u00fccher aus den 20er Jahren ans Herz gelegt, die zwar dem Geist dieser Zeit verhaftet sein m\u00f6gen aber detailreich und immer noch gut lesbar sind.<\/p>\n<p><em><strong>Lucien Febvre: Martin Luther<\/strong><\/em>,<strong><em> 1928<\/em><\/strong>, das sich auf recht kontroverse Art mit den Beweggr\u00fcnden und der dahinterliegenden Psyche Luthers besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><strong><em>Ernst Bloch: Thomas M\u00fcntzer als Theologie der Revolution, 1921, <\/em><\/strong>stellt die radikal-revolution\u00e4re Person des Bauernf\u00fchrers Thomas M\u00fcntzers vor in einer politisch und philosophisch linksgerichteten Schreibtradition.<\/p>\n<p><em><strong>Johann Huizinga: Erasmus und Luther &#8211; Europ\u00e4ischer Humanismus und Reformation, 1928, <\/strong><\/em>beschreibt das Leben der schillernden, damals h\u00f6chstbedeutenden Figur des Erasmus von Rotterdam, den man heute nur noch als den Humanisten schlechthin kennt dessen Werke aber so gut wir keiner (mehr) liest.<\/p>\n<p>Auch &#8222;unsere&#8220; Klassiker haben einige Werke verfasst, die in dieser Zeit spielen:<\/p>\n<p><strong><em>Johann Wolfgang von Goethe: G\u00f6tz von Berlichingen<\/em><\/strong>, \u00fcber den gesellschaftlichen Niedergang des Rittertums.<\/p>\n<p><strong><em>Johann Wolfgang Goethe<\/em><em>, Faust <\/em><\/strong>der sich an der Person des Alchemisten und wandernden Heilers Doktor Faustus orientiert.<\/p>\n<p><strong><em>Johann Wolfgang Goethe: Egmont, <\/em><\/strong>\u00fcber den Freiheitskampf der Niederlande.<\/p>\n<p><strong><em>Johann Wolfgang Goethe: Torquato Tasso, <\/em><\/strong>\u00fcber den bekannten Dichter der Gegenreformationszeit.<\/p>\n<p><strong><em>Friedrich Schiller: Don Karlos<\/em><\/strong>, \u00fcber Konflikte im damals machtvollen spanischen Herrscherhaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur zu Luthers Zeit Mit dem 31. 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