{"id":232,"date":"2013-09-29T13:52:24","date_gmt":"2013-09-29T20:52:24","guid":{"rendered":"http:\/\/kalifornienmituns.wordpress.com\/?p=232"},"modified":"2014-12-04T12:56:45","modified_gmt":"2014-12-04T11:56:45","slug":"transport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weitermituns.de\/?p=232","title":{"rendered":"Transport"},"content":{"rendered":"<p>Inzwischen ist man mehr oder weniger hier angekommen und kann nun mal etwas \u00fcber solch abstrakte Themen wie den Transport erz\u00e4hlen. Nachdem in unseren gemeinsamen ersten Tagen unsere Wohnsituation noch etwas unstet war und das neue Semester in Stanford noch bevor stand, haben wir uns kurzerhand ein Auto geliehen. Heraus kam ein schmuck-sportives Vehikel namens Chevrolet Cruze (sic!). Mit der ersten Fahrt von der Verleihstation zur\u00fcck zu unserer Bleibe, f\u00fchlte man sich ein wenig zum zweiten Mal angekommen &#8211; dieses Mal in der automotiven amerikanischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Das sonor-satte Brummen des Motors beim Gas geben, das sich beim automatischen Schaltvorgang um eine gesch\u00e4tzte Terz in der Tonh\u00f6he verringert, bereitet ein wohliges Gef\u00fchl der Freiheit, des Selbstbewusstseins &#8211; und der Best\u00e4tigung meiner Vorurteile \u00fcber die <em>car nation.<\/em> Derweil lie\u00dfen mich Eindr\u00fccke schon vorher im Wohnviertel rund um die Universit\u00e4t Berkeley von meiner vorgefertigten Meinung des obsessiv-umweltverschmutzenden Autogebrauchs der Amerikaner ein wenig abr\u00fccken: Der Anteil an <em><\/em>Toyota Prius (Fahrzeug mit Hybridantrieb) macht ungef\u00e4hr ein Viertel aus; und ein weiteres Viertel nehmen Volvos ein (und das bei einer gef\u00fchlten Autodichte von mindestens einem Fahrzeug pro Haushalt!). Dieser Eindr\u00fcck hat sich im \u00fcbrigen bei der Fahrt entlang der K\u00fcste nach Norden best\u00e4tigt. Weiterhin finden sich in Berkeley sogar Stra\u00dfen, wo sich explizit ausgewiesen auch Fahrr\u00e4der am Stra\u00dfenverkehr beteiligen d\u00fcrfen. Und die Busse f\u00fchren gleich dem Bisonf\u00e4nger einer Wildwest-Lok vorne eine Vorrichtung zum Fahrradtransport mit sich. Apropos Zug: Mit Schrecken habe ich bei einer Recherche feststellen m\u00fcssen, dass es keine Zugverbindung zwischen San Francisco und Los Angeles gibt: M\u00f6glich w\u00e4re eine 1-st\u00fcndige Fahrt mit dem Bus, danach ein Umstieg in eine 6-st\u00fcndige Zugfahrt, um dann noch mal 2 Stunden mit dem Bus zu fahren. (Und ich dachte, die Siedler h\u00e4tten den Westen unter anderem auch mit der Eisenbahn erschlossen; na ja, das war dann wohl eher von Ost nach West als von Nord nach S\u00fcd.)<\/p>\n<p>Jedenfalls klappt der Transport mit dem Auto wunderbar. Mittlerweile bin ich nun ein paar Mal von Berkeley nach Stanford gependelt (in der Theorie eine dreiviertel Stunde). Man begibt sich l\u00e4ssig noch in der Innenstadt auf eine Fahrtrasse, die den Verkehr mindestens auf drei, meist aber vier Spuren f\u00fchrt, in einem Tempo, das einen an z\u00e4hfliessenden Teig denken l\u00e4sst. Trotzdem wird es auf dem meilenweiten Geradeaus nie langweilig: Aus \u00fcber hundert Radiosendern kann ich von Glen-Miller-Musik der 40er \u00fcber Jazz, Klassik, Pop-Klassikern zu Heavy Metal und Bluegrass alles haben &#8211; sogar die neuesten <em>MLB<\/em>&#8211; und <em>NFL<\/em>-Berichte. Kl\u00e4nge dringen ab und zu auch von au\u00dfen an mein Ohr: Beispielsweise wenn einer der <em>Trucks<\/em> (kein LKW, wir w\u00fcrden Pick-ups sagen) mit seichtem Dr\u00f6hnen an einem vorbeizieht &#8211; wahlweise auf der linken oder auch rechten Spur &#8211; und sich f\u00fcr diesen Moment aufgrund deren H\u00f6he ein ausgewachsener Schatten \u00fcber einen legt (\u00e4hnlich den H\u00e4userschluchten von New York?).<\/p>\n<p>Zu sehen gibt es nicht viel. Allerdings kann man sich desweiteren die Zeit mit allerlei lustigen soziologischen Feldversuchen vertreiben: Zum Beispiel die Frage, ob sich die Menschen, die ihre Autos auf der rechten Spur bewegen, von denen unterscheiden, die f\u00fcnf Spuren weiter links fahren (bin da noch zu keinem endg\u00fcltigen Resultat gekommen). Oder etwa \u00f6konomische \u00dcberlegungen: Wieviel Geld w\u00e4re ich bereit einem potentiellen Beifahrer zu zahlen, um dies dann zusammen mit ihm \u00fcber die Zeitersparnis auf der <em>carpool lane<\/em> wieder reinzuholen.<\/p>\n<p>Recht spa\u00dfig also der Transport in Kalifornien. Da sieht man auch mal schnell \u00fcber den h\u00e4ufig auftretenden, z\u00e4hflie\u00dfenden Verkehr oder sogar Stau hinweg. Und mal ehrlich: Die f\u00fcnfzig Kurven gepaart mit einer \u00fcberwundenen H\u00f6hendifferenz von mehreren hundert Metern, die man auf jeder Meile der pittoresken K\u00fcstenstra\u00dfe nach Norden \u00fcberwinden muss, jede Sekunde bef\u00fcrchtend einen der unerschrockenen Fahrradwanderer, die sich die Stra\u00dfe mit einem &#8222;teilen&#8220;, abzuschie\u00dfen, sind auch nicht nur positiv f\u00fcr Gem\u00fct und Magen. Jedenfalls wird nun bald mit dem Zug gependelt und auf dem Campus das Fahrrad benutzt.<\/p>\n<p><strong>Verzeichnis der im Text verwendeten Fremdw\u00f6rter:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><em>car nation<\/em> &#8211; wir sind im &#8222;Land der Autofahrer&#8220;, wirklich wenige Menschen gehen zu Fu\u00df und wir haben bisher immer einen Parkplatz gefunden<\/li>\n<li><em>MLB<\/em> &#8211; hei\u00dft Major League Baseball und ist neben<\/li>\n<li><em>NFL<\/em>&#8211; der National Football League zwei der Nationalsportarten in den USA<\/li>\n<li><em>Truck<\/em> &#8211; Auto mit kleinem Fahrerhaus und gro\u00dfer Ladefl\u00e4che, gerne auch mit \u00fcbergro\u00dfen R\u00e4dern unten dran, in Deutschland eher Pick-up genannt<\/li>\n<li><em>carpool lane<\/em> &#8211; reservierte Spur f\u00fcr Fahrzeuge, die mindestens zwei Personen bef\u00f6rdern<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen ist man mehr oder weniger hier angekommen und kann nun mal etwas \u00fcber solch abstrakte Themen wie den Transport erz\u00e4hlen. 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