{"id":1187,"date":"2013-12-18T17:02:25","date_gmt":"2013-12-19T00:02:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kalifornienmituns.wordpress.com\/?p=1187"},"modified":"2014-12-04T12:52:30","modified_gmt":"2014-12-04T11:52:30","slug":"piper-kerman-orange-is-the-new-black","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weitermituns.de\/?p=1187","title":{"rendered":"Piper Kerman: Orange Is the New Black"},"content":{"rendered":"<p>Dies war das H\u00f6rbuch mit den meisten Vorbestellungen in der Bibliothek. Da San Francisco aber eine gro\u00dfe Stadt ist und die Bibliothek mehrere Lizenzen f\u00fcr das Audiobuch besitzt, konnte ich mich innerhalb eines Monats von Platz 19 der Warteliste auf Platz 1 vorarbeiten. Ich fand, das Buch war das Warten wert.<\/p>\n<p>In Orange Is the New Black beschreibt Piper Kerman autobiographisch ihre 13-monatige Haft im amerikanischen Frauengef\u00e4ngnis Danbury. Kurz nach dem sie mit der Uni fertig war, wusste die junge Piper nichts so recht mit ihrem Leben anzufangen. \u00dcber ihre Freundin bekommt sie Zugang zu international agierenden Drogenring. Sie steigt als Geldkurier ein und nach wenigen Auftr\u00e4gen auch gleich wieder aus. Jedoch fliegt der Drogenring einige Zeit sp\u00e4ter auf, einer der Beteiligten macht einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und singt. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter steht sie vor Gericht. Um einer potentiell deutlich h\u00f6heren Strafe zu entgehen, pl\u00e4diert sich auf schuldig und bekommt 15 Monate, die aufgrund guter F\u00fchrung schlie\u00dflich auf 13 verk\u00fcrzt werden. Da zwischen Verurteilung und Haftantritt nochmal f\u00fcnf Jahre liegen, wird sie &#8211; mehr als 10 Jahre nach dem Vergehen &#8211; nun aus einem b\u00fcrgerlichen Leben in New York gerissen.<\/p>\n<p>In den ersten Kapiteln kriege ich gut Angst &#8211; Kerman schafft es das Unbekannte so darzustellen, wie es sich f\u00fcr sie angef\u00fchlt haben muss. Bedrohlich. Wie ist es im Gef\u00e4ngnis? Wie viel Gewalt wird einem angetan, von den Mith\u00e4ftlingen oder den W\u00e4rtern? Wie sollte sie sich als eher gut situierte, wei\u00dfe Frau dort verhalten? Wer sind die Mitgefangenen? Auf alle diese Fragen findet sie vorab keine Antworten, keine B\u00fccher dar\u00fcber. Sie hat nur den Hinweis ihres Anwalts, dass sie sich unauff\u00e4llig verhalten und m\u00f6glichst f\u00fcr sich bleiben soll.<\/p>\n<p>Sie beschreibt den Tag ihres Haftantritts, die ersten Tage und Wochen sehr ausf\u00fchrlich. Aber es wird weniger dramatisch als zun\u00e4chst angenommen. Das Gef\u00e4ngnis hat einen separaten Trakt mit h\u00f6herer Sicherheitsstufe f\u00fcr Gewaltverbrecherinnen. Kerman selbst sitzt in einem Trakt ein, der geringere Sicherheitsauflagen hat. So gibt es keine Zellen sondern gro\u00dfe Schlafs\u00e4le mit Doppelstockbetten und relativ gro\u00dfe Bewegungsfreiheit drinnen wie drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Langsam entspinnt sich die Beschreibung ihres Alltags: Wie schwierig es ist, f\u00fcr essentielle Dinge wie Besuchserlaubnisse oder den Kauf von Shampoo auf schriftliche Antr\u00e4ge und ihre Bewilligung angewiesen zu sein. Wie dankbar sie ist, dass sie gesund ist, weil es nur die allerdn\u00f6tigste medizinische Versorgung gibt. Wie selten ordentlichen Essen angeboten wird und wie wenig hilfreich die Informationen sind, die auf die Freilassung vorbereiten sollen.<\/p>\n<p>Insgesamt zeichnet sie ein ziemlich trostloses Bild. Aufgrund verschiedener Gesetzes\u00e4nderungen sind die Inhaftierungsraten in den USA in den letzten Jahren stetig gestiegen, es wurden neue Gef\u00e4ngnisse gebaut, in denen die Strafen letztendlich einfach nur abgesessen werden. Beim Lesen von Kermans Erlebnissen fragte ich mich selbst irgendwann: Was genau haben sie sich dabei gedacht? Wie hilft es der Gesellschaft, Frauen f\u00fcr Internetbetrug oder Drogendelikte derartig lange einzusperren, ohne ihnen hinterher die Perspektive f\u00fcr ein Leben jenseits illegaler Geldstr\u00f6me aufzuzeigen?<\/p>\n<p>Aus der Beschreibung dieses insgesamt sehr Allt\u00e4glichen in einer nicht allt\u00e4glichen Umgebung zieht das Buch f\u00fcr mich einen gro\u00dfen Teil seiner Faszination. Mir hat es gefallen, was auch an der Art und Weise liegt, wie Cassandra Campbell die Verschiedenheit der inhaftierten Frauen sprachlich umsetzt. Ihr Alltag in einem amerikanischen Gef\u00e4ngnis wird greifbar, aber die Angst vom Anfang best\u00e4tigt sich nicht. Was gut ist, f\u00fcr mich. Es muss nicht immer Drama sein.<\/p>\n<p>Das Buch ist die Grundlage f\u00fcr die gleichnamige Serie, die im Sommer 2013 bei Netflix ausgestrahlt wurde und sehr gute Kritiken erhielt.<\/p>\n<p><em>Piper Kerman (2012): Orange Is the New Black, narrated by Cassandra Campbell, unabridged audiobook, Tantor Audio, 11 Std. 14 Minuten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies war das H\u00f6rbuch mit den meisten Vorbestellungen in der Bibliothek. 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